SKFM: 40 Jahre für die Menschen in der Stadt

von Ria Garcia

40 Jahre SKFM. Ein Grund zu feiern, aber auch nachdenklich zu sein, weil die Notwendigkeit sozialer Arbeit in der heutigen Zeit nicht abnimmt, sondern kontinuierlich wächst. Foto: Lutz Wulfestieg

Am 23. Januar 2026 hat der SKFM Erkrath mit einer festlichen Messe und einem anschließenden Get-Together im Forum Sandheide 40-jähriges Bestehen gefeiert.

Etwa 100 Menschen hatten sich bereits um 15 Uhr zur feierlichen Messe in der Heilig-Geist-Kirche in der Sandheide eingefunden. Micheal Mohr, seit September 2025 Leiter der Pastoralen Einheit im neanderland (Hilden, Haan und Erkrath), Weihbischoff Domenikus Schwaderlapp und Diakon Michael Inden zelebrierten die Messe, in der auch Sascha Eskandari, Geschäftsführer des SKFM Erkrath, einige Worte sprach. Weihbischoff Schwaderlapp hatte es sich trotz einer erst kurz zuvor beendeten Indienreise nicht nehmen lassen, nach Hochdahl zu kommen.

Get-Together im Forum Sandheide

40 Jahre SKFM Erkrath seien ein Grund zu feiern, aber auch ein Anlass innezuhalten, erklärte Michael Inden in seiner Rede im Forum Sandheide im Café 28 bei Get-Together. Das Jubiläum stehe nicht nur für Kontinuität, Engagement und fachliche Entwicklung. Es stehe ebenso für die Realität, das soziale Arbeit seit 40 Jahren notwendig und heute in vielerlei Hinsicht heute sogar notwendiger den je sei. Die Gesellschaft, in der der SFKM vor 40 Jahren gegründet wurde, gäbe es so nicht mehr. Soziale Sicherheiten hätten sich seit dem aufgelöst, Lebensläufe seien brüchiger geworden und Familien stünden unter wachsendem Druck. Auch psychische Belastungen nähmen zu und Armut verfestige sich. Hinzu kämen die globalen Krisen, Migration, Digitalisierung, demografischer Wandel und eine zunehmende gesellschaftliche Spaltung.

Michael Inden, Vorstandsvorsitzender des SKFM Erkrath, während seiner Rede. Foto: Lutz Wulfestieg

Michael Inden führte in seiner Rede aus, was die meisten Menschen tagtäglich in ihrem Umfeld wahrnehmen. Der SKFM ist in seiner Arbeit in Beratungen, Betreuungen oder Krisengesprächen nah an den Menschen, die an ihre Grenzen kommen. Immer wieder hat er dabei in der Vergangenheit neue Angebote entwickelt, um sich den Veränderungen und wachsenden Herausforderungen zu stellen. „Doch bei aller Anpassungsfähigkeit müssen wir auch eines klar benennen: Die Anforderungen wachsen schneller, als die Unterstützung“, machte er deutlich. Soziale Arbeit werde immer komplexer, während die finanziellen Mittel, personellen Ressourcen und die politische Rückendeckung – oft aus Berlin – nicht im gleichen Maße mitwachsen würden. Das sei keine Randnotiz, sondern eine strukturelle Schieflage.

Inden richtete einen großen Dank an die Mitarbeitenden des SKFM, die Tag für Tag sehr gute und unverzichtbare Arbeiten leisten. Dank allein reiche aber nicht aus. „Wenn soziale Arbeit dauerhaft nur durch persönliches Engagement, Idealismus und Selbstausbeutung funktioniert, dann ist das kein tragfähiges Modell für die Zukunft“, verdeutlichte er die Auswirkungen der Schieflage. Der SKFM sei ein unverzichtbarer Partner für die Stadt Erkrath und übernehme Aufgaben, die für den sozialen Zusammenhalt und den sozialen Frieden in Erkrath entscheidend seien. Partnerschaft bedeute dabei Verantwortung auf Augenhöhe und die ende nicht beim Dankeschön. Inden lobte gleichzeitig die gute Zusammenarbeit mit der Stadt, die gemeinsam mit dem SKFM nach Lösungen suche. Nicht selten sei sie dabei selbst Überbringer schwieriger Entscheidungen aus Berlin. In Bezug auf die Haushaltssicherung der Stadt sagte er: „Ehrlich gesagt, machen wir und auch Sorgen.“ Erste Ansätze gebe es schon, zu denen in den kommenden Tagen Gespräche geführt werden sollen.

Die aktuelle Lage, die von politischen Veränderungen, Sparzwängen, Umstrukturierungen und unklaren Zuständigkeiten geprägt sei, führe dazu, dass soziale Arbeit zunehmend unter Rechtfertigungsdruck gerate. Statt über Qualität, Wirksamkeit und Weiterentwicklung, ginge es immer häufiger um Kürzungen, Begrenzungen und Priorisierungen zulasten der Schwächsten. „Das ist ein gefährlicher Weg“, konstatierte Inden. Soziale Arbeit sei kein Luxus, keine freiwillige Zusatzleistung und ganz sicher kein Kostenfaktor, den man je nach Haushaltslage reduzieren könne. „Eine Gesellschaft, die an sozialer Arbeit spart, spart nicht an Ausgaben, sondern an Zusammenhalt, Prävention und letztlich an Menschlichkeit.“ Es brauche klare Entscheidungen zu einer verlässlichen Finanzierung und auch politische Planungssicherheit. 40 Jahre SKFM seien ein Auftrag sich weiterzuentwickeln, neue Wege zu gehen und neue Finanzierungen zu suchen und zu finden.

Michael Inden schloss seine nachdenklich stimmende Rede mit einer guten Nachricht. „Ich freue mich besonders Ihnen heute – sozusagen als Jubiläumsgeschenk – mitteilen zu können, dass wir bei einer wichtigen EU-Förderausschreibung den Zuschlag erhalten haben. Der Bürgermeister lächelt. Das heißt aber nicht, dass sie weniger zahlen müssen“, richtete er seine Worte direkt an Christoph Schultz. Der konterte prompt: „Aber auch nicht mehr.“

Bürgermeister Christoph Schultz. Foto: Lutz Wulfestieg

Anschließend richtete auch der Bürgermeister sein Wort an die Gäste, der – wie er erklärte – in Doppelfunktion an den Feierlichkeiten teilnehme und Grüße ausrichte. Einmal als Vertreter des Stadtrats und einmal als Chef der Verwaltung. Mit ihm waren auch die zweite stellvertretende Bürgermeisterin Lena Hemp und einige Vertreter aus dem Stadtrat persönlich vor Ort. Der SKFM sei ein unverzichtbarer Partner der Stadt mit dem man das Dialogformat intensiviert habe. Der Konflikt läge darin, dass das Portemonnaie nicht ausreicht, nicht darin, nicht sozial zu sein. Die Kommunen seien nicht ausreichend durch Bund und Land finanziert. Einschnitte würden nicht ohne Gespräche beschlossen. „Das Forum Sandheide ist ein Geschenk, dass der SKFM sich selbst mit Hilfe der Stadt gemacht hat“, stellte er fest. Das müsse natürlich auch weiter mit Leben gefüllt werden.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*