
Große Kämpferherzen und starke Talente aus Erkrath, der Stadt der Neandertaler, begeisterten beim Nationwide Cup in Haiger.
Dichter Nebel hing am 7. Februar 2026 über den Straßen, Schnee bedeckte Felder und Dächer. Während draußen noch tiefster Winter herrschte, wurde es in der Halle von Haiger heiß. Sehr heiß. Hier kämpften junge Athleten aus ganz Deutschland um Titel und Medaillen – und mittendrin: das Team der Kampfkunstschule Yen aus Erkrath. Dank der großzügigen Unterstützung des Bergischen Internatn, das dem Team einen Bus sponserte, ging es früh morgens auf die zweistündige Reise Richtung Hessen. Sechs Sportler, zwei Trainer – Meister Emre Nuhogullarindan und Meisterin Christina Kijach – und ein klares Ziel: zeigen, was monatelanges Training, Disziplin und Teamgeist bewirken können. Was folgte, war ein Turniertag voller Emotionen, Spannung und echter Gänsehautmomente.
Victor Zolotnik eröffnet den Kampftag – wichtige Lektion zum Start (Platz 5 von 6)
Als Erster aus dem Team Yen betrat Victor Zolotnik (15–17 Jahre, -60 kg) die Matte. Sechs Sportler in seiner Gruppe – und damit direkt zum Auftakt hoher Druck. Victor startete stark. Sehr stark sogar. Technisch dominierte er die erste Runde ohne Probleme. Saubere Treffer, gutes Distanzgefühl, klare Kontrolle. Er bestimmte das Tempo und ließ seinem Gegner kaum Chancen. Alles sah nach einem souveränen Sieg aus. Doch dann kam der Knick. Mit jeder Sekunde ließ die Kondition nach. Die Beine wurden schwerer, die Deckung langsamer, die Bewegungen nicht mehr ganz so spritzig. Man konnte förmlich sehen, wie die Energie schwand.
Der Gegner nutzte genau diesen Moment – und drehte den Kampf. Schon von außen erkannte Meister Emre Nuhogullarindan, woran es lag. Nach seinem letzten Turniersieg hatte Victor einige Trainingseinheiten weniger wahrgenommen und seine Ausdauer nicht konsequent weiter aufgebaut. Genau das machte sich nun bemerkbar. So musste er sich bereits im ersten Kampf geschlagen geben.
Am Ende stand Platz 5 von 6. Keine Medaille diesmal – aber vielleicht etwas Wertvolleres: die klare Erkenntnis, dass Talent allein nicht reicht. Kondition, Disziplin und regelmäßiges Training entscheiden im Ring. Und genau daran wird Victor jetzt arbeiten.
Mohamed Oumairate – Mut, Herz und ein starkes Debüt (Platz 2 von 6)
Als Zweiter betrat Mohamed Oumairate (11 Jahre, +45 kg) die Kampffläche – und schon beim Aufwärmen war ihm die Aufregung deutlich anzusehen. Kein Wunder. Es war sein allererstes Turnier überhaupt. Die große Halle, die vielen Zuschauer, die lauten Ansagen, mehrere Kampfflächen gleichzeitig: Für einen Elfjährigen wirkt so eine Atmosphäre schnell riesig – fast überwältigend. Doch Mohamed war nicht allein. Von der Tribüne bekam er lautstarke Unterstützung: seine Familie, vier Angehörige extra angereist – und zusätzlich elf Mitglieder des gesamten Teams der Kampfkunstschule Yen, die nur gekommen waren, um die Kämpfer anzufeuern. Als einziger Starter aus der Kinder-Kickboxgruppe stand er damit stellvertretend für den gesamten Nachwuchs. Der Druck hätte groß sein können. Doch sobald der Kampf begann, war von Nervosität nichts mehr zu sehen. Plötzlich wirkte Mohamed wie ausgewechselt. Konzentriert, mutig, technisch sauber.
Er ging entschlossen nach vorne, setzte klare Treffer und gewann seine ersten zwei Kämpfe souverän und ohne große Probleme. Jeder Punkt wurde vom Team lautstark gefeiert, jede Aktion mit Applaus begleitet. Man spürte richtig, wie viel Rückenwind ihm diese Unterstützung gab. Dann kam nach einer kurzen Pause der dritte Kampf. Diesmal wartete ein Gegner, der konditionell stärker war und ein höheres Tempo ging. Mohamed hielt dagegen, doch man merkte langsam, wie die Kräfte schwanden. Die Deckung wurde schwerer, die Reaktionen langsamer. In solchen Momenten steigt das Verletzungsrisiko enorm. Meister Emre Nuhogullarindan erkannte das sofort. Nach einem kurzen Austausch traf er eine klare, professionelle Entscheidung – und brach den Kampf bewusst ab, um seinen Schüler zu schützen. Gesundheit geht immer vor. Am Ende stand Platz 2 von 6. Silber beim allerersten Turnier. Doch noch wichtiger war etwas anderes: Mohamed bewies Mut, Kampfgeist und echtes Kämpferherz. Ein Einstand, der Lust auf mehr macht – und zeigt, dass aus dem jüngsten Starter des Teams noch einiges wachsen wird.

Yassir Eloumari – Coolness wie ein Profi, Herz wie ein Löwe (Platz 1 von 8)
Zeitgleich kämpfte Yassir Eloumari (15 Jahre, -65 kg) auf Kampffläche 4. Acht Sportler in der Gruppe. Mehrere Kämpfe direkt hintereinander. Kaum Pausen. Und trotzdem wirkte er wie ein Profi. Seine Gegner griffen an – und trafen ins Leere. Yassir wartete. Beobachtete. Konterte. Und wie. Yassir wich aus, wartete den richtigen Moment ab und konterte blitzschnell. Auf jeden gegnerischen Angriff folgten zwei oder drei eigene Treffer. Präzise Kombinationen, perfekte Distanz, eiskalte Ruhe. Ein Gegner blieb nach einer Serie einfach stehen, schaute fassungslos zu seinem Trainer – als könne er nicht begreifen, wie schnell Yassir war.
Dann das Finale. Noch 15 Sekunden. Die Beine schwer. Die Lunge leer. Yassir drehte sich zur Ecke: „Ich glaub, ich kann nicht mehr …“ Christina schrie zurück: „Reiß dich zusammen! Du machst weiter! Du führst – nur noch 15 Sekunden! Halte durch!“ Die Halle hielt den Atem an. Und er hielt durch. Abpfiff. Sieg. Gold. Platz 1 von 8. Ein Triumph aus Wille, Disziplin und Herz.
Fillip Alwakeed – 15 Jahre und furchtlos gegen einen Weltmeister (Platz 2 von 3)
Als Nächster stieg Fillip Alwakeed (15 Jahre, -75 kg) in den Ring. Drei Kämpfer in der Klasse – doch einer davon: ein fünffacher Weltmeister. Das gegneriche Team rechneten mit einem schnellen Ende. Doch Fillip hatte andere Pläne. Obwohl es erst sein drittes Turnier war, stellte er sich der Herausforderung ohne Zögern. Von Beginn an hielt er dagegen, bewegte sich clever, steckte harte Kicks ein, ohne zurückzuweichen. Immer wieder setzte er eigene Treffer. Der Weltmeister musste arbeiten, richtig arbeiten. Kein Knock-out. Kein Einbruch. Punktetechnisch dominierte zwar der erfahrene Gegner, doch das Publikum staunte: Statt eines erwarteten Knock-outs blieb Fillip standhaft bis zur letzten Sekunde. Ein junger Kämpfer, der bis zur letzten Sekunde Druck machte. Das Publikum war sichtlich beeindruckt. Silber gegen einen Weltklasse-Athleten – das fühlte sich wie Gold an. Sein Kampfgeist beeindruckte alle. Fillip verließ den Ring nicht enttäuscht sondern mit einem breiten Grinsen. Als hätte er gerade erst Blut geleckt. Euphorisch wollte er am liebsten direkt weiterkämpfen.
Liam Schloßer – Rückschlag als Antrieb (Platz 6 von 8)
Auch Liam Schloßer (15–17 Jahre, -65 kg) ging an diesem Tag an den Start – und teilte sich seine stark besetzte Gruppe sogar mit seinem Teamkollegen Yassir. Acht Kämpfer. Viel Erfahrung. Kaum einfache Duelle. Für Liam war es erst sein zweites Turnier überhaupt. Sein Debüt hatte er noch sensationell mit Platz 1 beendet – ein perfekter Einstieg, der natürlich Erwartungen weckte. Doch diesmal wartete eine ganz andere Herausforderung. Schon in der ersten Runde traf er auf einen deutlich erfahreneren Gegner. Man merkte sofort: höheres Tempo, abgeklärter Kampfstil, viel Routine. Liam kämpfte mutig, suchte seine Chancen, setzte einzelne Treffer, doch der Gegner nutzte jede kleine Lücke konsequent aus. So musste der Kampf bereits früh zugunsten des Gegners entschieden werden.
Natürlich war die Enttäuschung kurz spürbar – doch wer hinsah, erkannte schnell etwas anderes: keinen Frust, kein Hadern, sondern Nachdenken. Liam nahm die Niederlage wie ein echter Sportler. Denn genau solche Kämpfe sind es, die einen weiterbringen. Er sammelte wichtige Erfahrung, spürte das höhere Niveau und weiß jetzt noch genauer, woran er arbeiten will. Für ihn stand sofort fest: zurück ins Training, härter arbeiten, stärker zurückkommen. Am Ende bedeutete das Platz 6 von 8. Kein Podium diesmal – aber ein Schritt nach vorne in seiner Entwicklung. Und manchmal sind genau diese Tage die, die einen Kämpfer langfristig am meisten wachsen lassen.
Usman Vakidov – Dominanz, die jeder sehen konnte (Platz 1 von 7)
Den Schlusspunkt des Tages setzte Usman Vakidov (12–14 Jahre, +60 kg) – und er machte daraus ein echtes Ausrufezeichen. Schon beim Aufwärmen war zu spüren, dass hier kein gewöhnlicher Nachwuchssportler auf die Matte ging. Seine Bewegungen wirkten ruhig, kontrolliert, fast schon professionell. Kein hektisches Zappeln, kein nervöses Umherschauen – nur Fokus. Vom ersten Gong an übernahm Usman das Kommando. Explosive Kicks, präzise Schlagkombinationen, perfektes Timing. Punkt für Punkt arbeitete er sich nach vorne. Seine Gegner fanden kaum Antworten auf seine Schnelligkeit und Reichweite. Immer wieder traf er sauber, während er selbst kaum etwas zuließ.
Im Finalkampf wurde der Klassenunterschied besonders deutlich. Sein Gegner schaffte es kaum, klare Treffer zu landen. Stattdessen klammerte er sich immer wieder verzweifelt an Usman, suchte Halt, unterbrach den Kampfrhythmus, um Zeit zu gewinnen. Technisch und konditionell war er schlicht unterlegen. Doch selbst in diesen Momenten blieb Usman diszipliniert. Keine überhasteten Aktionen, keine unnötige Härte – nur kontrollierte Dominanz. Bei jedem sauberen Treffer sprang das Team Yen auf, die Zuschauer jubelten lautstark. Über hundert Stimmen hallten durch die Halle. Man spürte sofort: Dieser Kampf gehörte eindeutig ihm. Umso größer war die Verwunderung, als zunächst tatsächlich der Gegner zum Sieger erklärt wurde. Stille. Kopfschütteln. Ungläubige Blicke – selbst Trainer anderer Teams konnten die Entscheidung nicht nachvollziehen.
Meister Emre reagierte sofort und legte Einspruch ein. Ein unabhängiges Gremium sichtete das Video. Treffer für Treffer wurde analysiert. Das Ergebnis bestätigte, was längst jeder gesehen hatte: Usman war klar überlegen. Die Entscheidung wurde korrigiert. Der Arm ging nach oben. Gold für Usman. Gold für Yen. Die Halle explodierte vor Applaus. Platz 1 von 7. Ein Sieg, der nicht nur auf Talent beruhte, sondern auf Disziplin, Technik und mentaler Stärke – und der zeigte, dass hier ein echtes Ausnahmetalent heranwächst.

Ein starkes Zeichen aus Erkrath
Am Ende standen Medaillen, Erfahrungen und vor allem Stolz. Die jungen Athleten aus Erkrath zeigten, dass Disziplin, Teamgeist und Herz stärker sind als jeder Titel. Während draußen noch Schnee fiel, bewiesen sie drinnen, wie heiß echter Kampfgeist brennen kann. Die Stadt der Neandertaler hat eine neue Generation von Kämpfern.
Heimfahrt wird zum Winter-Abenteuer
Doch selbst nach dem letzten Kampf war der Tag noch nicht vorbei. Durch die eisige Kälte verlor der Elektro-Van schneller Akku als erwartet. Eine Ladesäule an einem Einkaufszentrum musste her. Während die Trainer sich ums Laden kümmerten, starteten die Sportler kurzerhand eine Schneeballschlacht. Lachen, Rennen, Schnee überall. Die Ladesäule streikte jedoch zweimal. Erst nach einem Notruf wurde sie neu gestartet. Eineinhalb Stunden Wartezeit – die das Team mit Spaß, Erkundungstouren und Teamgeist überbrückte.
Auf der Rückfahrt dann dichter Nebel, so extrem, dass nur Schrittgeschwindigkeit möglich war. Gemeinsam tastete man sich durch die Nacht. Und genau dort zeigte sich: Dieses Team hält nicht nur im Ring zusammen.
Dank an die Unterstützer: Ein besonderer Dank gilt dem Bergisches Internat, das mit dem gesponserten Bus die Teilnahme überhaupt möglich gemacht hat. Solche Unterstützung ist für Nachwuchssport unbezahlbar.

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