
Heute im Interview: Marc Göckeritz (Bündnis 90 / Die Grünen)
Vorab zur Person:
Alter: 51 Jahre
Erlernter / ausgeübter Beruf: Jurist, Regierungsangestellter Land NRW, Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr
Wie lange politisch aktiv: Seit ca 31 Jahren, Gründung der „Grünen Socken“ (Jugendorganisation Grüne 1994)
1. Bezahlbarer Wohnraum
Das Wohnungsmarktprofil der Stadt Erkrath (NRW.BANK) zeigt auf, dass sich der Bestand an preisgebundenen Wohnungen in den letzten 10 Jahren halbiert hat. Das fangen Projekte, wie Am Maiblümchen oder die nun im Bau befindlichen preisgebundenen Wohnungen an den Düssel-Terrassen nicht annähernd auf.
Was würden Sie unternehmen, damit zeitnah wieder ausreichend preisgebundene Wohnungen in Erkrath entstehen (durch Neubau oder Sanierung)?
Marc Göckeritz: „Die Verfügbarkeit von bezahlbaren Wohnraum ist eine der zentralen sozialen Herausforderungen in Erkrath. Es stimmt, dass das Angebot an erschwinglichen Wohnungen deutlich gesteigert werden muss. Gleichzeitig muss Wohnen klimaverträglich werden. Der Gebäudesektor verursacht einen erheblichen Teil der CO2-Emissionen.
Wir setzen auch beim Wohnungsbau auf einen konsequenten Ansatz der Innenentwicklung (Modernisierung bestehender Wohngebiete, Baulückenschließungen) statt weiteren Flächenverbrauch wie z.B. bei einer anvisierten Bebauung von Erkrath-Nord. Die Nutzung von Leerständen und die Umwandlung nicht benötigter Gebäude in Wohnraum, wie beispielsweise aufgegebene Kirchenzentren oder Ladenlokale – können auch zur Entlastung des Wohnungsmarktes beitragen.
Mit den Gebieten „Düssel-Terassen“ und „Neue Mitte Erkrath“ stehen noch große Flächen für den Wohnungsbau zur Verfügung. Die Fehler der zurückliegenden Wahlperiode, wo wir Grüne uns z.B. am „Wimmersberg“ für einen höheren Anteil sozial geförderter Wohnung (40 Prozent) und ambitionierte klimafreundliche Bauweise eingesetzt haben, die Ratsmehrheit aber andere Schwerpunkte setzte, dürfen nicht wiederholt werden. Wir bleiben bei der Forderung, dass bei neuen Bauvorhaben 40 Prozent geförderte und preiswerte Wohnungen realisiert werden müssen.
Diese Frage wird sich in der kommenden Wahlperiode z.B. auf dem ehemaligen Sportgelände an der Gink stellen. Statt einer ausschließlichen Bebauung mit Reihenhäusern werde ich mich dafür stark machen, dass bis zu 40 Prozent der insgesamt 8800 Quadratmeter als sozialer bzw. preisgedämpfter Wohnraum entstehen. Die übrigen Flächen können für eine ausgewogene Mischung aus Einfamilienhäusern und Geschosswohnungsbau genutzt werden, um den unterschiedlichen Wohnbedürfnissen Rechnung zu tragen. Bezahlbarer Wohnraum und Klimaschutz sind keine Gegensätze, sondern können gemeinsam gedacht werden.“
2. Klimaanpassungsmaßnahmen
Längst zeigen sich die Auswirkungen des Klimawandels auch hier vor Ort. Ob Starkregenereignisse mit Hochwasserfolgen oder zunehmende Hitzetage, es wird klar, dass in den kommenden Jahren einige Anpassungen nötig sind, um dem Klimawandel zu begegnen. Vier Jahre nach dem Hochwasser fühlen sich die Betroffenen von damals im Wiederholungsfall immer noch nicht wirklich besser geschützt. Hinzu kommt, dass Hitzetage zunehmen und vor allem für Senioren mit Vorerkrankungen zur Gefahr werden. Laut Umweltbundesamt gab es in den vergangenen zwei Jahren je 3.000 hitzebedingte Todesfälle.
1) Wie würden Sie vorgehen, um schneller Hochwasserschutzmaßnahmen umzusetzen?
2) Was würden Sie in der Stadt für mehr Hitzeschutz und Prävention umsetzen?
Marc Göckeritz: 1) „Der Bedarf an Vorsorgemaßnahmen im Erkrather Stadtgebiet ist groß. Seit dem Hochwasser 2021 sind fast vier Jahre vergangen, ohne dass zuverlässige Hochwasserschutzmaßnahmen entlang der Düssel oder etwa in der Sandheide in Hochdahl umgesetzt wurden. Es ist dringend notwendig, realistische Retentionsräume z.B. entlang der Düssel auch auf Erkrather Stadtgebiet zeitnah zu schaffen und den sogenannten „Schwammstadt-Ansatz“ voranzutreiben. Dieser bietet nachhaltige Lösungen zur Regenrückhaltung und zum naturnahen Hochwasserschutz.
Ich setze mich für das gezielte Entsiegeln versiegelter Flächen wie Asphalt und Beton durch wasserdurchlässige Beläge ein. So kann Regenwasser gezielt versickern oder in Rückhaltebecken oder Zisternen gesammelt werden, um es zeitversetzt wieder abzugeben. Die Entwicklung eines Maßnahmenplans zum Hochwasserschutz im Rahmen eines Konzeptes „Schwammstadt“ wurde von uns beauftragt, dessen Umsetzung steht aber leider noch aus.
Ich betrachte den Vorschlag der Stadtverwaltung, den Fraunhofer Bruch – eine bedeutende Fundstelle des Neandertalers und FFH-Gebiet von europäischer Naturschutzkategorie – als Überschwemmungsgebiet auszuweisen, skeptisch. Aufgrund seiner kulturhistorischen Bedeutung und des hohen Naturschutzwerts sehen wir kaum Realisierungsmöglichkeiten für diese Maßnahme. Stattdessen setzen wir Grüne auf nachhaltige, naturbasierte Ansätze, die sowohl den Hochwasserschutz verbessern als auch den Naturschutz wahren.“
2) „Hitzeperioden wollen wir beispielsweise mit mehr städtischer Begrünung, der Einrichtung von Trinkwasserbrunnen, verstärkter Verschattung auf Spielplätzen durch Sonnensegel sowie der Installation von Außenrollos an Schulen und Kitas begegnen.
Um die Überhitzung von belebten Stadtzentren wie dem Europaplatz, dem Hochdahler Markt und dem Neuenhausplatz entgegenzuwirken, benötigen wir eine klimagerechte Neugestaltung. Durch gezielte Begrünung und Rücknahme von Pflasterungen und die Anlage von Wasserspielen können wir diese zentralen Orte aufwerten. Besonders wichtig ist dabei die Schaffung von Frischluftschneisen durch zusammenhängende Grünflächen.
Wasserflächen wie der Stadtweiher wirken als natürliche Klimaanlagen und kühlen das Umfeld, insbesondere den Hochdahler Markt, an heißen Sommertagen deutlich ab. Die systematische Nachpflanzung von klimaresistenten Stadtbäumen muss Priorität haben.“
3. Stadtweiher
Das Thema Stadtweiher ist in Hochdahl emotional belegt, aber der Stadtweiher ist gleichzeitig auch wichtig mit Blick auf den Klimawandel und Hitzeschutz für den Stadtteil. Aktuell kam es wieder zu sinkendem Wasserstand. Außerdem wurde bekannt, dass der Gewinner des städtebaulichen Wettbewerbs seinen Entwurf nun doch nicht umsetzen wird und einer der Drittgewinner einspringt.
Was würden Sie unternehmen, um den Stadtweiher langfristig in seiner bisherigen Größe zu erhalten?
Marc Göckeritz: „Der Stadtweiher in Hochdahl bewegt viele von uns – als Ort der Erholung, als grünes Herz dieses Stadtteils und als Beispiel dafür, wie wir mit Wasser, Natur und öffentlichem Raum in Zeiten des Klimawandels umgehen.
Wir sehen es bisher gemeinsam mit dem starken Engagement der Anwohner*innen auch als einen großen Erfolg an, dass der Stadtweiher in seiner Gesamtheit erhalten werden konnte, dies muss auch zukünftig mit einem Handlungskonzept zur Aufrechterhaltung eines Mindestwasserstandes in Trockenperioden sichergestellt werden. Einen entsprechenden Antrag haben wir Grüne bereits für die nächste Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung im kommenden September beantragt. Die Situation der Zuläufe des Stadtweihers muss dabei überprüft und verbessert werden.
Zur Attraktivierung des Umfeldes:
Der Ideen-Wettbewerb zur Umfeld-Aufwertung, an dem ich mit Bürger*innen teilnehmen konnte, war für mich ein interessanter Austausch. Fontäne, Öffnung zum Wasser hin über Stege, Schutz der natürlichen Uferzonen, Verbesserungen der Wegeverbindungen, auch der Wunsch nach einem kleinen gastronomischen Angebot wurde vorgetragen.
Enttäuschend ist es, dass nur der drittplatzierte Entwurf zur Umgestaltung umgesetzt werden soll. Die Sorge ist groß, dass die endgültige Planung im Herbst vorgelegt wird, ohne dass wir noch Änderungen vornehmen können, weil sonst Fördergelder verloren gehen. Ich möchte mich weiterhin für eine attraktive Neugestaltung des Stadtweiherumfeldes einsetzen und unterstütze Initiativen der Anwohner*innen zur Errichtung von Sport- und naturbelassenen Erholungsmöglichkeiten.“
4. Finanzen
Um die städtischen Finanzen ist es nicht gut bestellt. Mit großen Bauprojekten, aktuell zusätzlich noch der Schulbrand, gilt es einige Herausforderungen zu meistern. Hinzu kommt u.a. eine noch weiter steigende Kreisumlage, durch den Gewerbesteuerrückgang in Monheim.
Welche Maßnahmen würden Sie ergreifen, um die Haushaltssicherung abzuwenden?
Wo würden Sie dennoch investieren und warum?
Marc Göckeritz: „Erkrath verfügte im Vergleich zu anderen Städten in NRW in der Vergangenheit über eine solide Haushalts- und Wirtschaftsstruktur. Wir haben auch kein Einnahme-, sondern ein Ausgabeproblem. Nur dank der hohen Gewerbesteuereinnahmen konnten die Mehrbelastungen im Haushalt 2024 teilweise kompensiert werden. Der Beschluss von CDU, SPD und BmU, bis 2030 ein freiwilliges Haushaltssicherungskonzept zu erstellen und ab 2025 einen Haushaltsausgleich anzustreben ist, gescheitert. Das liegt im Wesentlichen an den von der Ratsmehrheit gleichzeitig beschlossenen Großbauprojekten.
Um die Haushaltssicherung abzuwenden, möchte ich auf ein solides Controlling zur Haushaltsüberwachung setzen. Wir müssen die Kostensteigerungen bei Bauprojekten besser abfedern und auf unnötige Prestigeprojekte wie Überlegungen von CDU und Bürgermeister für ein neues Rathaus in Erkrath verzichten. Mit der energetischen Sanierung öffentlicher Gebäude können wir auch zur Kostensenkung beitragen. Weitere Investitionen in den Bereichen Jugend, Soziales, Kultur und Sport sind aus meiner Sicht notwendig, um unsere Gemeinschaft in Erkrath aktiv und sozial zu gestalten und das gesellschaftliche Miteinander zu fördern.“
5. Migration & Integration
Immer noch fehlen Unterkünfte für Geflüchtete und einbürgerungswillige Migranten warten lange auf Termine.
Was würden Sie unternehmen, um schneller menschenwürdige Unterkünfte zu schaffen und das Bürgerhaus freizuziehen?
Wie würden Sie mit Unterkünften verfahren, in denen unzumutbare Zustände herrschen (Beispiel Thekhaus, teilweise auch Hochdahler Straße)?
Was würden Sie unternehmen, damit Menschen wieder schneller eingebürgert werden können?
Marc Göckeritz: „Menschen in Not suchen und finden bei uns Schutz. Gelingende Integration heißt für mich: Zugang zu Bildung, Arbeit, Wohnraum und Teilhabe für alle. Wir setzen auf eine Willkommenskultur, die auf Solidarität, Unterstützung und gegenseitigem Respekt beruht. Gute Integration braucht auch konkrete Strukturen: dezentrale, menschenwürdige Unterkünfte, Beratung in verschiedenen Sprachen, schnelle Bearbeitung von Einbürgerungen. Wir brauchen dezentrale Unterkünfte mit Betreuungs- und Spielangeboten.
Die Anmietung von Wohnraum für Wohnungslose oder geflüchtete Menschen ist für mich eine wichtige Aufgabe guter Sozialpolitik vor Ort. Die menschenunwürdige Unterbringung im Thekhaus muss sofort beendet werden. Besondere Anforderungen an den Wohnraum müssen speziell für besonders schutzbedürftige Personen gestellt werden. Für gut integrierte Ausländer*innen bedarf es schnellerer und bürokratieärmerer Einbürgerungsverfahren. Diese könnten z.B. durch die Entgegennahme der Anträge durch die Stadtverwaltung in Erkrath erfolgen, statt auf den Kreis zu verweisen, wie dies die Ratsmehrheit und Bürgermeister tun.“
6. Persönliche Präferenzen
Abgesehen von den fünf Themen mit gleichen Fragestellungen an alle Bürgermeisterkandidaten / -kandidatinnen, welches Thema liegt Ihnen persönlich am Herzen?
Womit würden Sie die Stadt ‚fit für die Zukunft‘ machen wollen?
Marc Göckeritz: „Grün macht sich für Kinder stark. Junge Menschen brauchen mehr Raum, um ihre Ideen und Anliegen einzubringen. Ihre Perspektiven bereichern Erkrath und gehören aktiv in politischen Entscheidungen z.B. bei Stadtentwicklung, Umwelt- und Bildungspolitik berücksichtigt. Wir wollen Spielplätze mit Kindern so gestalten, dass sie Kreativität, Bewegung und Abenteuerlust fördern. Der Weg zur Schule muss kindgerecht und sicher sein. Mein Ziel ist ein bedarfsgerechtes und verlässliches Betreuungsangebot für alle Kinder bis zum 10. Lebensjahr, nicht nur um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu fördern, sondern auch um die frühkindliche Bildung zu stärken, weil sie die Grundlage für gleiche Chancen von Anfang an bildet.“

Lieber Marc Göckeritz,
falsche Behauptungen werden auch durch ständige Wiederholungen nicht richtiger. Die SPD hat an dem denkwürdigen Tag der Ratssitzung am 22.2.22 dem Antrag anderer Fraktionen für ein „Freiwilliges Haushaltssicherungskonzept“ NICHT zugestimmt.
Das kannst du gern im Protokoll dieser Sitzung nachlesen, bitte unterlasse gegenteilige Behauptungen.
https://erkrath.ratsinfomanagement.net/sdnetrim/UGhVM0hpd2NXNFdFcExjZd1WaMfeKhMXB3aFgzo1N3mIPWSHvYyEG669O5YOzoqO/Gesamte_Niederschrift_Rat_22.02.2022.pdf#search=freiwilliges%20Haushaltssicherungskonzept