
Heute im Interview: Christoph Schultz (CDU)
Vorab zur Person:
Alter: 43 Jahre
Erlernter / ausgeübter Beruf: Bürgermeister
Wie lange politisch aktiv: Seit 27 Jahren in der CDU
1. Bezahlbarer Wohnraum
Das Wohnungsmarktprofil der Stadt Erkrath (NRW.BANK) zeigt auf, dass sich der Bestand an preisgebundenen Wohnungen in den letzten 10 Jahren halbiert hat. Das fangen Projekte, wie Am Maiblümchen oder die nun im Bau befindlichen preisgebundenen Wohnungen an den Düssel-Terrassen nicht annähernd auf.
Was würden Sie unternehmen, damit zeitnah wieder ausreichend preisgebundene Wohnungen in Erkrath entstehen (durch Neubau oder Sanierung)?
Christoph Schultz: „Mit den Düssel-Terrassen belebt sich der Wohnungsbau wieder, die ersten ca. 150 Wohnungen von rund 800 sind im Bau – davon ein Drittel Sozialwohnungen. Auf der Neanderstraße gibt es gleich zwei Bauprojekte und auch die Dependance Schmiedestraße wird neuen Wohnraum schaffen. Die Wohnungsbaugenossenschaft wird auch an der Beethovenstraße mehr Wohnungen schaffen. Mit ihr gemeinsam wollen wir auch auf dem Grundstück am Rathelbecker Weg nach dem Umzug der Förderschule sozialen Wohnungsbau schaffen. In Erkrath-Nord sowie auf dem alten Sportplatz Gink wollen wir ebenfalls neuen Wohnungsbau ermöglichen. Es bewegt sich also einiges auf dem Wohnungsmarkt in Erkrath und das ist auch gut so.“
2. Klimaanpassungsmaßnahmen
Längst zeigen sich die Auswirkungen des Klimawandels auch hier vor Ort. Ob Starkregenereignisse mit Hochwasserfolgen oder zunehmende Hitzetage, es wird klar, dass in den kommenden Jahren einige Anpassungen nötig sind, um dem Klimawandel zu begegnen. Vier Jahre nach dem Hochwasser fühlen sich die Betroffenen von damals im Wiederholungsfall immer noch nicht wirklich besser geschützt. Hinzu kommt, dass Hitzetage zunehmen und vor allem für Senioren mit Vorerkrankungen zur Gefahr werden. Laut Umweltbundesamt gab es in den vergangenen zwei Jahren je 3.000 hitzebedingte Todesfälle.
1) Wie würden Sie vorgehen, um schneller Hochwasserschutzmaßnahmen umzusetzen?
2) Was würden Sie in der Stadt für mehr Hitzeschutz und Prävention umsetzen?
Christoph Schultz: 1) „Auf dem Grundstück der ehemaligen Gärtnerei an der Morper Allee sind die ersten sichtbaren Hochwasserschutzmaßnahmen in Vorbereitung. Außerdem bin ich weiterhin fest entschlossen, mich bei den zuständigen Behörden dafür einzusetzen, den Frauenhofer Steinbruch im Neandertal als Überflutungsfläche freizugeben, das hätte ein enormes Schutzpotenzial für Erkrath. Leider stehen sich Hochwasserschutz und Naturschutz gegenseitig im Weg. Den nötigen Umweg über gesetzlich vorgeschriebene Untersuchungen müssen wir so zügig wie möglich gehen – im Interesse der betroffenen Anwohner. Und wir werden die Nachbarstädte einbinden, denn gemeinsam ist man stärker. Die Bezirksregierung wird Ende des Jahres aktualisierte Retentionskarten bereitstellen, die die weitere Grundlage für konkrete Maßnahmen sein wird. Das müssen wir abwarten, aber dann auch wieder Tempo machen.“
2) „Beim Hitzeschutz ist Entsiegelung eine wichtige Maßnahme, die wir aktiv angehen werden. Vor allem ungenutzte Wege- und Platzflächen bieten sich dafür an. Zudem wollen wir eine Erkrather Regentonne anbieten, um Regenwasser zu sammeln und dann den Gartenflächen wieder zukommen zu lassen. Auch sollen die Brunnen auf dem Hochdahler Markt und dem Sandheider Markt weiter sprudeln.“
3. Stadtweiher
Das Thema Stadtweiher ist in Hochdahl emotional belegt, aber der Stadtweiher ist gleichzeitig auch wichtig mit Blick auf den Klimawandel und Hitzeschutz für den Stadtteil. Aktuell kam es wieder zu sinkendem Wasserstand. Außerdem wurde bekannt, dass der Gewinner des städtebaulichen Wettbewerbs seinen Entwurf nun doch nicht umsetzen wird und einer der Drittgewinner einspringt.
Was würden Sie unternehmen, um den Stadtweiher langfristig in seiner bisherigen Größe zu erhalten?
Christoph Schultz: „Die Wünsche der Anwohnerschaft, vor allem eine Aufwertung des Bestandes mit behutsamen Änderungen, sind für uns maßgeblich und wir sind zuversichtlich, dass die Planer das auch umsetzen. Der Stadtweiher hat aktuell ca. 35 cm Wasser verloren, was wohl auf das trockene erste Halbjahr zurückzuführen ist und eine normale Schwankung ist. Der Ablauf ist dicht, und das muss auch so bleiben. Wir wollen weitere Zuflüsse aktivieren. Die Aufwertung des Umfelds mit Landesförderung wollen wir als absolut notwendige Verbesserung der Lebensqualität beschließen und erwarten mit Spannung die Vorlage der Fachverwaltung.“
4. Finanzen
Um die städtischen Finanzen ist es nicht gut bestellt. Mit großen Bauprojekten, aktuell zusätzlich noch der Schulbrand, gilt es einige Herausforderungen zu meistern. Hinzu kommt u.a. eine noch weiter steigende Kreisumlage, durch den Gewerbesteuerrückgang in Monheim.
Welche Maßnahmen würden Sie ergreifen, um die Haushaltssicherung abzuwenden?
Wo würden Sie dennoch investieren und warum?
Christoph Schultz: „Die finanzielle Schieflage ist nicht hausgemacht, sondern das Ergebnis der ständigen Aufgabenübertragung durch Bund und Land auf die Kommunen. Das jüngste Beispiel, das hohe Millioneninvestitionen nötig macht, ist der Rechtsanspruch auf die Ganztagsbetreuung an den Grundschulen. Deshalb geht es auch allen Kommunen in NRW mehr oder weniger gleich schlecht. Die Brände einer Kita und drei Schulen in den vergangenen Jahren sind auch finanziell große Belastungen für unseren Haushalt. Der Erhalt unserer Infrastruktur ist – das sage ich seit Jahren – die größte Aufgabe unserer Zeit. Wir müssen daher weiterhin in unsere Straßen und Wege sowie in die Schulen und Kitas investieren. Und wir brauchen die Ansiedlung von Gewerbe auf der Neanderhöhe und auch in Kemperdick-West. Denn jeder Euro Gewerbesteuer ist ein Euro, den nicht Bürgerinnen und Bürger aufbringen müssen. Und wir müssen unsere Aufgaben nach Dringlichkeit ordnen und dabei auch lieb gewonnene Standards infrage stellen. Für uns ist klar: Das Wohl der Bürgerinnen und Bürgern hat bei allem Priorität.“
5. Migration & Integration
Immer noch fehlen Unterkünfte für Geflüchtete und einbürgerungswillige Migranten warten lange auf Termine.
Was würden Sie unternehmen, um schneller menschenwürdige Unterkünfte zu schaffen und das Bürgerhaus freizuziehen?
Wie würden Sie mit Unterkünften verfahren, in denen unzumutbare Zustände herrschen (Beispiel Thekhaus, teilweise auch Hochdahler Straße)?
Was würden Sie unternehmen, damit Menschen wieder schneller eingebürgert werden können?
Christoph Schultz: „Die Verwaltung hat bereits die Weichen gestellt, um spätestens Anfang des nächsten Jahres das Bürgerhaus und das Thekhaus freizumachen, sofern nicht eine erhebliche Zahl weiterer Geflüchteter hinzukommt. Wie überall brauchen die Baumaßnahmen aber Zeit, immerhin wird die Erweiterung der Unterkunft Freiheitstraße im September ca. 70 neue Plätze schaffen. Die Einbürgerung ist Aufgabe des Kreises Mettmann. Schon angesichts der sehr angespannten Haushaltslage können wir es uns nicht erlauben, Aufgaben anderer Träger auf eigene Kosten zu übernehmen.“
6. Persönliche Präferenzen
Abgesehen von den fünf Themen mit gleichen Fragestellungen an alle Bürgermeisterkandidaten / -kandidatinnen, welches Thema liegt Ihnen persönlich am Herzen?
Womit würden Sie die Stadt ‚fit für die Zukunft‘ machen wollen?
Christoph Schultz: „In den letzten zehn Jahren mussten viele Krisen gemeistert werden, die Erkrath unverschuldet getroffen haben. Dazu gehörte der Flüchtlingszustrom 2015/16, die Grundschul- und Kitabrände 2019, die Corona-Pandemie, das Hochwasser 2021, der Ukraine-Krieg seit 2022 sowie die folgende Energiekrise und ganz aktuell der Brand des Schulzentrums Rankestraße. Diese Herausforderungen zu managen und ihre Folgen für die Bürgerinnen und Bürger erträglich zu gestalten, gehört zu den Erfolgen, auf die ich eigentlich gerne verzichtet hätte. Aber wir sind gut durch diese Krisen gekommen, weil wir eine starke Gemeinschaft sind und uns darauf besonnen haben. Diesen Zusammenhalt will ich weiter fördern, auch und gerade in finanziell schwierigen Zeiten. Denn Erkrath ist nicht der Bürgermeister, der Rat oder die Verwaltung. Erkrath, das ist jede und jeder von uns, das sind wir alle!“
Wer Christoph Schultz persönlich befragen will, hat dazu am Freitag, den 22. August ab 18 Uhr die Gelegenheit. Dann lädt die Erkrather CDU zu „Grill den Schultz“ auf dem Platz zwischen Rathaus und Kurhaus in Erkrath ein. Der noch amtierende Bürgermeister Christoph Schultz wird persönlich am Grill stehen und sich im lockeren Gespräch den Fragen der Besucherinnen und Besucher stellen.

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