Rückblick: Niemals geht man so ganz

von Ria Garcia

Abschiedsgottesdienst Pfarrer Christoph Biskupek. Foto: Ria Garcia

Am 6. September 2025 fand der Abschiedsgottesdienst von Pfarrer Christoph Biskupek statt. Die Heilig Geist Kirche ‚platzte aus allen Nähten‘.

Wer mit dem Auto kam, hatte Not einen Parkplatz in der Nähe zu finden. Da neben Hochdahler Gemeindemitgliedern auch viele aus Haan und Hilden und sogar aus Köln gekommen waren, war die Heilig Geist Kirche voll besetzt und viele nahmen draußen im Hof Platz. Lautsprecher ließen sie am geschehen teilhaben. „Der letzte Pfarrer geht“, sagte Christoph Biskupek eingangs. Michael Mohr, der neue Pfarrer der pastoralen Einheit im neanderland, lasse grüßen. Es war ein stimmungsvoller und emotionaler Abschiedsgottesdienst, bei dem Auswahl der Lieder die Stimmung noch unterstrich.

Pfarrer Biskupek ließ es sich zwischendurch nicht nehmen auch nach draußen zu gehen, um alle Besucher zu begrüßen. In seiner Ansprache ging er auf die Geschichte von St. Franziskus ein, von der wachsenden Gemeinde über die Entwicklung und dem Wachstum der Neuen Stadt Hochdahl, die am Ende doch nicht so groß wurde, wie ursprünglich geplant. „In der Situation sind wir heute nicht mehr. Wir werden kleiner. Und trotzdem sollten wir wachsen“, bezog er sich auf das Johannesevangelium, in dem es um das geistliche Wachstum im Glauben an Jesus Christus geht. „Er soll wachsen. Wir sollen kleiner werden, bescheiden sein, nicht übermäßig und in falscher Weise stolz sein.“ In bescheiden stecke Bescheid. Bescheiden sein, so Biskupek, sei die Person, die Bescheid weiß, die weiß, wo ihre Grenzen und Defizite sind.

Pfarrer Christoph Biskupek ging auf Hilden und Haan ein, mit denen die Hochdahler Gemeinde zusammenarbeitet und auf seine Aufgabe als Pfarrverweser. Hilden und Haan hatten schon länger keinen eigenen Pfarrer mehr. „Als Pfarrverweser konnte ich nicht mehr soviel für Hochdahl da sein“, erinnert er. „Wir haben geübt.“ Das sei eine schwierige Zeit gewesen. „Das wichtigste war für mich Frieden“, beschreibt er seine Motivation in dieser Zeit. Das Zusammenwachsen zur pastoralen Einheit verglich er mit einem perlend frischen Wein, der in ein Gefäß, eine Flasche gefüllt werden muss. „Jeder Inhalt braucht ein Gefäß.“ Zeitweise sei es so gewesen, dass jeder nur noch das Gefäß (die Kirche) gesehen habe, aber nicht mehr den Wein.

„Ich freue mich, dass ich künftig mehr mit den Menschen machen kann und weniger Strukturdebatten führen muss“, widmete sich Pfarrer Biskupek im weiteren der Zukunft. Das Gebet sei durch nichts zu ersetzen. „Es wird immer schwerer die Plausibilität unseres Glaubens zu vermitteln. Sie alle sind Zeichen für Plausibilität. Die Flasche ist wichtig. Der Wein ist noch wichtiger. Ich sage ganz bewusst: Auf Wiedersehen!“, schloß Christoph Biskupek und erntete einen nicht enden wollenden Applaus von den Besuchern.

Während der Eucharestie machte sich die hohe Zahl Besucher deutlich bemerkbar. Nicht nur, dass sie sich zeitlich in die Länge zog, auch die Hostien wurden knapp. „Jetzt sind wir doch so viele gewesen, dass die letzten 50 Menschen nur noch ein ganz kleines Stückchen erhalten haben“, fasste es Pfarrer Christoph Biskupek in Worte.

Abschiedsrede für Pfarrer Christoph Biskupek

Die Ehre die Abschiedsrede zu halten, hatte Gemeindereferentin Heidi Bauer. „Ich habe definitiv letztes Jahr zu Deinem Weihjubiläum irgendetwas falsch gemacht, dass ich jetzt schon wieder hier stehe und ein paar Worte stellvertretend für alle sagen muss“, leitete sie schmunzelnd ein. Mit Wertschätzung und Humor wagte sie einen Rückblick auf Christoph Biskupeks Zeit als Pfarrer in Hochdahl. Nannte seinen Abschiedsartikel eine Steilvorlage für ihre Rede. Sei sie doch gerade frisch aus den Bergen zurückgekehrt.

„Am 1. November 2010 kamst du nach Hochdahl, weil der Ruf für ein neues Terrain dich ereilte. […] Im Vorfeld besorgt man sich nähere Literatur zu dem neuen Gebiet, hört von Erfahrungen und versucht sich näher damit vertraut zu machen […] Schwieriges Terrain, anschpruchsvolles Blockgelände; Trittsicherheit und Schwindelfreiheit seien gute Voraussetzungen hieß es. Auch eine aktuelle Erste Hilfe Ausbildung wäre ideal. Die Gemeinschaft, mit der du unterwegs wärest liebt die eigene Freiheit, hat eigene Ideen und Vorstellungen, hat schon einiges ausprobiert und ist bereit sich auf einen neuen Wanderbegleiter einzustellen. […] Mit dem Blick nach vorne und einem offenen Herzen hast du deine ersten Schritte gemeinsam mit uns gemacht.“

Franz von Assisi, der Schutzpatron der Gemeinde, sei auch immer unterwegs gewesen und hätte für seine Überzeugungen gekämpft. Mit Demut vor dem großen Ganzen und er Bereitschaft für das Gute einzustehen. „Christoph, du hast dich davon inspirieren lassen und diese Gemeinschaft hier als Ort der Begegnung und der Verkündung gesehen. Wie kann der Glaube in den Menschen wachsen und fruchtbar für das eigene Leben werden?“

Foto: RG

Es war eine lange Rede, die mit den Worten „Wir sind dankbar für das, was hinter uns liegt und gespannt auf das, was vor uns liegt. Jesus wird als uner konstanter Wanderbegleiter uns weiter zur Seite stehen. Die Vergangenheit erfüllt dein Herz Christoph und die Zukunft erfüllt deinen Mut für andere neue Wege. Mit allen hier gemeinsam sage ich DANKE.“ endete. Dann eröffnete sie Pfarrer Christoph Biskupek, dass er nicht mit der ‚viel zu lang geratenen Rede‘ abgespeist werden solle. Alle Gemeinden der pastoralen Einheit, die evangelische Gemeinde und viele Menschen vor Ort hätten sich zusammengetan und für ihn ein Geschenk ausgesucht.

Der Biskupek-Express und mehr

Das Geschenk zu übereichen übernahmen dann stellvertretend für alle Heidi Bauer und Sabine Jachmann. Sie entfalteten vor Christoph Biskupek ein bebildertes Leporello. Anlehnend an den Orient-Express war auf der einen Seite der ‚Biskupek-Express‘ abgebildet und auf den einzelnen Rückseiten waren die Stationen einer Reise beschrieben, die ihn in sein Lieblingsland, die Schweiz, führen soll.

Ein Geschenk hatte auch Kreisdechant Pfarrer Daniel Schilling im Gepäck. „Keine Reise. Das könnte ich mir nicht leisten“, schmunzelte er, als er das Wort ergriff. Schilling hatte für Christoph Biskupek ein Mitbringsel vom Freiburger Dom, die Wetterfahne bestehend auch Sonne und Mond als Miniatur mitgebracht. „Der Stein darin ist von ganz oben vom Dom“, verriet er. Ein Plätzchen dafür werde Biskupek sicher finden. „Du bleibst ja Gott sei Dank hier. Das haben wir zusammen erwirkt“, ergänzte er. Niemals geht man so ganz, sang einst Trude her. Das trifft auch auf Pfarrer Christoph Biskupek zu, der Hochdahl als Seelsorger erhalten bleibt.

„Ich habe ja eine Wohnung, die für einen Single viel zu groß ist, aber ich bleibe noch ein bisschen“, erklärte Pfarrer Christoph Biskupek anschließend. Da die Pfarrstelle in Hochdahl nicht wieder besetzt wird, braucht er nicht umzuziehen. „Die Einführung von Pfarrer Michael Mohr als Pfarrer der pastoralen Einheit im neanderland ist kommende Woche in Hilden. Das ist eine sehr große Kirche. Es würde mich freuen, wenn sie dann zu klein ist“, motivierte er die Besucher teilzunehmen. Wie unserer Redaktion berichtet wurde, da wir selbst nicht vor Ort seien konnten, hat sich Christoph Biskupeks Wunsch dann auch erfüllt.

Im Anschluss an den Abschiedsgottesdienst saß man noch im Hof der Heilig Geist Kirche gemütlich zusammen und ließ den Abend gesellig ausklingen.

Foto: privat / DT

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