Regionalgeschichte „zackig“ erzählt

von Ria Garcia

Peter B. Feuser und Winfried Steiling sind die Herausgeber des Buchs, dass anlässlich des Jubiläums entstand. Foto: Ria Garcia

Frisch gedruckt liegt die erste Auflage des Buchs „Gesammelte Geschichte aus Erkrath und dem neanderland“, herausgegeben von Peter B. Feuser und Winfried Steiling, vor und das erzählt erstaunliche Geschichten aus unserer Region.

In einem ansprechenden Bucheinband erzählen insgesamt 13 Autoren auf 212 Seiten mit mehr als 720 Abbildungen bebildert einen ganz besonderen Teil unserer Geschichte. Ursprünglich mal als Festschrift zum 25-jährigen Bestehen des Vereins „Zackige Neanderthaler 2000 e.V.“ geplant, ist nach zwei Jahren von der ersten Idee bis zum fertigen Buch etwas ganz anderes daraus entstanden. Das Thema Briefmarken ist ein wenig der rote Faden, entlang dessen viele Geschichten erzählt werden. Und diese Geschichten ziehen weite Kreise, die von Erkrath aus dem neanderland über die Region auch in die große, weite Welt entführen.

Kein Wunder also, dass sich nicht nur Philatelisten auf das Buch stürzen. „Bei unserem letzten Stammtisch hatte ich für die Mitglieder Exemplare mitgebracht. Eine Dame an einem Nachbartisch wurde neugierig und nach einigen Blicken ins Buch fragte sie, ob sie eines haben könne“, erzählt Peter Feuser bei einem Treffen mit unserer Redaktion. Er hatte eigentlich nur noch ein Exemplar mit einem kleinen Fehler im Einband übrig, aber das sei ihr egal gewesen.

Was macht das Buch so interessant?

Es ist wohl der große Anteil Geschichte, der in den Beiträgen der Autoren steckt. So skizziert Peter Feuser, der ein Faible für Landkarten aller Art hat, Erkrath und dessen Umgebung anhand von Landkarten aus den letzten 400 Jahren. Über Abbildungen im Buch zeigt er, wie sich Erkrath und Umgebung in den letzten 400 Jahren in der Darstellung und Gewichtung verändert haben. Ähnliches gelingt ihm mit Ansichtskarten aus unterschiedlichen Jahren vom Benninghof in Mettmann, dessen Geschichte sich darüber ein wenig nacherzählen lässt. Erkrather Industriegeschichte wird im Buch anhand alter Absenderfreistempel erzählt. Einige davon hat Peter Pose in seinem Buchbeitrag aufgegriffen. Darunter Namen, wie die Rheinische Buntpapier-Fabrik, Gebrüder Lüngen, F. J. Bernsau Papierfabriken, Pose-Marre und weitere. Horst-Ulrich Osmann erzählt die Erkrather Postgeschichte nach. Die Erkrather Postgeschichte wird in einem Kapitel von Peter Feuser mit zahlreichen im Bild dargestellten Belegen ergänzt.

Über das Neandertal in der Heraldik auf Poststempeln schreibt Peter Brandhuber mit heraldischen Ergänzungen von Hartmut Ulle. In den Abbildungen finden sich die unterschiedlichen Wappen als der Vergangenheit. Brandhuber greift in einem Buchkapitel auch die Vorstellung über den Neandertaler im Wandel der Zeit auf. Selbstverständlich hielten der Neandertaler und das Mammut auch Einzug in die bildlichen Darstellungen auf Briefmarken oder in Poststempeln.

Welche Faszination in Briefmarken steckt, schreibt Winfried Steiling, der mit einem Kapitel über die ehemalige Deutsche Kolonie Tansania inklusive der zugehörigen Briefmarken auch zum internationalen „Ausflug“ im Buch beiträgt. Es gibt weitere. So schreibt Peter Feuser über die „Völkerschauen“ und der meist anonym gebliebenen Menschen an Beispielen von Menschen aus Samoa. Zahlreiche Abbildungen zeigen bunte Karten aus jener Zeit und es gibt noch mehr Beiträge im Buch, mit Bezug zu fernen Ländern. „Die Kaiserreise nach Jerusalem ist auch hochspannend“, sagt uns Winfried Steiling. Geschrieben hat ihn ebenfalls Peter Feuser und mit zahlreichen Abbildungen von Karten ergänzt.

Dankbar sind die beiden Herausgeber dem Grafiker Joachim Schreiber (schreiberVIS, Seeheim), dem es gelungen ist aus den Textbeiträgen und mehr als 720 Abbildungen ein so ansprechendes Buch zu layouten.

Die Bahnpost

Hinter Briefen, Postkarten und Paketen, die fankiert wurden, steht natürlich immer auch die Geschichte des Transports derselben. Der erfolgte auch über die Bahn. Es gab Bahnpoststrecken und Bahnpostämter. Dr. Ralf Fellenberg schreibt in einem Kapitel des Buchs über die Bahnpost auf der Strecke zwischen Düsseldorf und Wuppertal. Nach einem Ausflug in die Geschichte dieser Strecke schildert er die Anfänge des Postverkehrs auf der Bahn. Mit dem Bahnpoststempel ließen sich der Sendungsverlauf, also Strecke und sogar die Zugnummer des Zuges, der die Sendung transportierte, nachverfolgen. Abbildungen von Tabellen und damals versandten Briefen und Postkarten ergänzen die Schilderungen.

Das liebe Geld …

Ein Teil des Buches ist dem Thema Münzen und Geld gewidmet. Darin erwähnt sind römische Münzfunde beim Autobahnbau der A3 genauso wie die Inflation, die auch in unserer Region dazu führte, dass zeitweise Regionalwährungen in Umlauf kamen. Es war die Zeit, in der Briefmarken mit einem Wert von bis zu 50 Milliarden gedruckt wurden. Die Druckerpressen kamen nicht mehr hinter der Inflation her, sodass „Fünf Millionen Mark Scheine“ kurzer Hand zu „Zehn Milliarden Scheinen“ wurden. In Umlauf war damals das sogenannte Notgeld, dass auch in Erkrath herausgegeben wurde, wie Abbildungen im Buch verdeutlichen. Notgeld wurde auch in Burg, heute Stadtteil von Solingen, herausgegeben. Es hatte jeweils eine Wertseite und eine Motivseite mit Bildern von Schloss Burg. Eine Besonderheit dieser Zeit war die „Goldmark“, wie Peter Feuser schreibt.

Die Vielfalt des Geschichtsbands macht es kaum möglich auf alle Beiträge der einzelnen Autoren einzugehen. Wir möchten es an dieser Stelle aber nicht versäumen alle einmal namentlich zu nennen: Rainer Abend | Marion Abshof de Cals | Peter Brandhuber | Volker Engels | Lothar Eulner (†) | Ralf Fellenberg | Peter B. Feuser | Bringfried Metzner (†) | Norbert Müller | Horst-Ulrich Osmann | Peter Pose | Wilhelm Pyrlik | Winfried Steiling

Wer das Buch zu Weihnachten verschenken möchte, sollte sich beeilen, bevor es eventuell schon wieder vergriffen ist. 250 Exemplare der Erstauflage sind gedruckt worden. Erhältlich ist das Werk für 35 Euro im Museumsshop des Neanderthal Museums, in der Thalia Buchhandlung am Hochdahler Markt, im Bahnladen des Lokschuppens und natürlich bei Peter B. Feuser oder Winfried Steiling.

Der Verein und das Jubiläum

Zwar ist auch der ursprünglichen Idee einer Festschrift am Ende ein Geschichtsband geworden, die Vereinsgeschichte fehlt natürlich dennoch nicht und wird in Zügen im Buch erzählt. Nicht nur die Geschichte der Zackigen Neanderthaler, auch die des Vorläufer Vereins „Philatelisten-Verein Hochdahl 1967“ ist kurz aufgegriffen. Auch ein Ausblick auf die nähere Zukunft ist enthalten. Will sich der Verein doch umbennen und sich künftig mit „Zackige Neanderthaler – Sammlerverein für das neanderland“ auch für andere Sammler öffnen. Der Beginn ist mit diesem Geschichtsband schon einmal gemacht. Bietet er doch so viel mehr, als nur Briefmarken mit kleinen Zacken. Aber erst einmal wird am 19. Dezember mit den Mitglieder das 25-jährige Bestehen gefeiert. Die Neuausrichtung bzw. Öffnung folgt, sofern die Mitglieder zustimmen, im kommenden Jahr.

Extras zum Jubiläum

Neben dem Geschichtsband „Gesammelte Geschichte aus Erkrath und dem neanderland“, der bereits jetzt erhältlich ist, gibt es noch ein paar andere Extras. Etwa eine Medaille oder Postkarten, Briefumschläge und Briefmarken anlässlich des Jubiläums. Außerdem gibt die Deutsche Post einen Sonderstempel heraus, den Briefmarkensammler und Interessierte vom 19. Dezember 2025 an für einen Monat über die Deutsche Post AG, Service- und Versandzentrum Weiden, Sonderstempelstelle in 92627 Weiden beziehen können.

2 Kommentare

  1. Jetzt muß es zu Weihnachten nur noch Schnee geben und im Kamin das brennende Holz knistern.
    Neben dem Sessel ein paar Kekse und Glühwein; so läßt sich das Buch sicher in aller Ruhe genießen. 😎

  2. Da uns bereits etliche Nicht-Philatelisten bzw. -Numismatiker gesagt haben, wie interessant das Buch doch ist, können wir mit unserer Themenauswahl ja nicht ganz falsch gelegen haben. Auf jeden Fall kann Jede und Jeder die über 700 bunten Bilder genießen… 😉

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