
Bernd Stelter regte sich am vergangenen Donnerstag in der Stadthalle nicht auf und bekam folglich auch keine Falten. Die bekam eher das Publikum in Form von Lachfalten und die haben sich nach drei Jahren Stelter-Abstinenz gelohnt.
Am 20.11.2025 war der Kabarettist, Schriftsteller und Liedermacher Bernd Stelter mit seinem aktuellen Programm „Reg‘ Dich nicht auf! gibt nur Falten“ in der Erkrather Stadthalle. Endlich wieder. Drei Jahre Wartezeit ist eine Ewigkeit, wenn man auf Bernd Stelter warten muss.
Es gibt unterschiedliche Gründe sich aufzuregen. Über das Knöllchen an der Windschutzscheibe, über die langsame Kassiererin an der Supermarktkasse, über die Bundesregierung und über das Wetter. Bernd Stelter erläuterte dem Publikum, dass, wenn wir uns ärgern und zornig sind, sich die Glabella Falte zwischen den Augenbrauen tief in unsere Haut eingräbt. Deswegen heißt sie auch so: Zornesfalte. Und das sieht dann jeder. Wenn wir lachen, verbessert sich unser Hautbild. Mit einem Lächeln im Gesicht werden wir für unsere Mitmenschen attraktiver. Das Gegenüber fühlt sich zu uns hingezogen. Und Lachen ist gesund. Die Lunge wird trainiert, das Gehirn kriegt eine Sauerstoffdusche.
Bernd Stelter versprach, dass es in seinem neuen Programm „Reg‘ dich nicht auf. Gibt nur Falten!“ eine Menge zu lachen gibt. In zwei Stunden werden alle Falten geglättet, das Hautbild verbessert und die Mundwinkel nach oben gezogen, so die Interpretation von Stelter „Es ist quasi eine Zwei-Stunden-Beautybehandlung ganz ohne Botox und lästige Schönheitschirurgen.“
Zur Freude des Kulturamts waren über 550 Zuschauer in der Stadthalle. Bernd Stelter ist halt ein Publikumsmagnet, der alle Facetten der Unterhaltung beherrscht. Ob als Kabarettist, musikalisch oder als Rezitator indem er aus seinen Büchern vorlas. Das Publikum war dankbar. Bernd Stelter konnte nicht nur lustig, sondern auch nachdenklich. Er vereinnahmte die Besucher mit allen seinen Darbietungen. Über zwei Stunden Unterhaltung vom Feinsten.
Bernd Stelter das Multitalent
Locker und amüsant plauderte Bernd Stelter über die ein oder anderen Eigenart der Westfalen, was bei den Zuschauern zu Lachattacken ohne Pause führte. Er stellte fest, dass die Westfalen doch ein wenig anders ticken als zum Beispiel die Rheinländer. In Westfalen geht es halt ein wenig anders zu. Man ist nicht allzu euphorisch, eher zurückhaltend und geht auch sicherlich nicht für ein Bier in die Kneipe. Stelter erzeugte bei den Zuschauern mit seinen Westfalengeschichten einen Brüller nach dem anderen. Er gehört zu den Kabarettisten, die es schaffen, viele Facetten der Unterhaltung zu bedienen. Dönekens aus der Familie gehören dazu. Ein Multitalent ist Stelter auch auf vielen Musikinstrumenten. Das hat er bei seinem Auftritt am vergangenen Donnerstag in der Stadthalle eindrucksvoll bewiesen. Sowohl Flügel als auch Gitarre, er beherrschte einfach alles, was für dieses Hobby, Bernd bezeichnete seine Tätigkeit als Kabarettist nicht als Beruf, sondern als Hobby, notwendig ist.


Besonders bemerkenswert war sein Part, in dem er versuchte, den Zuschauern die Jugendsprache zu vermitteln. Dafür hat er sich erst einmal auf Punk gestylt, inklusive, zur Belustigung der Zuschauer, mit einem Bauarbeiterdekolleté, und versuchte die Sprache zu vermitteln. Eine sehr anspruchsvolle Aufgabe. Nach weiteren zahlreichen Geschichten kam Bernd Stelter nach über zwei Stunden zum Ende seines Programms, aber das Publikum ließ ihn nicht gehen. So gab es eine wunderbare Zugabe, die er mit seiner Verbundenheit zu Hamburg einleitete. Er erzählte eine Geschichte von der mehr oder weniger missglückten Kreuzfahrt durchs Mittelmeer. Hierzu benutzte er bei dem Zusammentreffen der unterschiedlichsten Charaktere auf dem Schiff das Einspielen alter Hits. Das Publikum brüllte sich weg.
Die Publikumsbeteiligung erreichte ihren Höhepunkt, als der Komiker seinen größten Erfolg anstimmte. „Ich hab drei Haare auf der Brust, ich bin ein Bär“, rief ein lautstarkes Echo aus hunderten Kehlen in der Stadthalle hervor. Mit dem Lied „Der Clown“ beendete Bernd Stelter einen denkwürdigen Abend. Im Gegensatz zum Bären war es bei dem Lied „Der Clown“, mit dem er auch, wie er sagte, seinem großen Vorbild Dieter Hildebrandt gedachte, mucksmäuschenstill im Saal. Dies war dann wirklich das letzte Lied seines Auftritts.
„Erst, wenn das Lied verklungen ist, ist die Show wirklich beendet. Sicherlich ist es schön, ein Clown zu sein, aber in den Momenten, wo es schwerfällt, muss ein Profi es geschickt überspielen und trotzdem sein Programm durchziehen. Die Zuschauer dürfen seine Emotionen nicht bemerken.“ (Zitat Bernd Stelter)
Nach über zweieinhalb Stunden purer Unterhaltung wurde Bernd Stelter mit Standing Ovations und einem Klatschmarsch in den Feierabend entlassen – eine Würdigung, die in der Stadthalle nur selten zuteil wird. Der große Erfolg des Abends bestätigt die gute Wahl des Kulturamtes, das mit der Buchung Stelters der Erkrather Kulturgemeinde eine große Freude bereitet hat. Stelters Engagement für sein Publikum zeigte sich hingegen auch nach dem Schlussvorhang: Er signierte geduldig am Bücherstand, bis der letzte Besucher gegangen war, und unterstrich damit seine bemerkenswerte Publikumsnähe. Die gelungene Veranstaltung bewies einmal mehr die hohe Qualität des städtischen Kulturprogramms.
Am Mittwoch, dem 26.11.2025 erwartet das Publikum die Weihnachtskomödie „Mein Name ist Erling“ unter anderem mit Janina Hartwig, Sebastian Goder und Cem Lukas Yeginer in der Erkrather Stadthalle. Die Abteilung Kultur der Stadt verschickt die Karten auch kostenfrei nach Hause. Telefon 0211 2407-4009 und 0211 2407-4010 oder per Email an kultur@erkrath.de.

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