Praktika für die richtige Berufswahl

von Ria Garcia

Juri Fischer (Stadtbücherei, links) und Tran Nguyen (Fachbereichsleiter Arbeitslehre CFS) mit Schülerinnen und Schüler, die in der Stadtbücherei von ihren Praktika berichteten. Foto: Ria Garcia

Die Präsentation der absolvierten Praktikas von Schülerinnen und Schüler der Carl-Fuhlrott-Schule hat in der Stadtbücherei inzwischen Tradition und ist für nachfolgende Schüler eine Inspiration.

Mit viel Kreativität haben Schülerinnen und Schüler der Carl-Fuhlrott-Schule wieder Praktikumsberichte erstellt, die noch bis zum 3. Juni 2025 in der Stadtbücherei im Bürgerhaus zu sehen sind. Sie zeigen die gesammelten Erfahrungen, den Arbeitsalltag und den jeweiligen Beruf. Für junge Menschen, die noch vor dem ersten Praktikum stehen, sind sie Inspiration. Für die, die bereits mehrere Praktika durchlaufen haben, waren sie zum Teil entscheidend für die Berufswahl.

So etwa für Nala, die im Praktikum in den Berufsalltag einer Anwaltskanzlei geschnuppert hat. Das hat ihr am Ende sogut gefallen, dass sie nach der Schule zuerst die Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten absolvieren möchte und sogar in Erwägung zieht anschließend Jura zu studieren. „Ich habe am PC Bestellungen getippt, Anrufe bei der Polizei getätigt und den Terminkalender geführt. Auch zum Gericht durfte ich die Anwälte begleiten und war in öffentlichen und nichtöffentlichen Verhandlungen“, erzählt sie. Das sei besonders spannend gewesen. So richtig viel erzählen könne sie nicht. Für das Praktikum hat sie eine Verschwiegenheitserklärung unterzeichnen müssen. Aber die Freude am Berufsfeld war ihr anzumerken. Nala ist 16 Jahre alt und macht gerade ihre Mittlere Reife.

Der 16-jährige Sinoane hat ein dreiwöchiges Praktikum im Schwimmbad im Bereich Fachangestellerter für Bäderbetriebe absolviert und ist so begeistert, dass er gerne Bademeister werden würde. „Dazu muss ich allerdings erst einmal den Rettungsschwimmer machen“, hat er erfahren. Aber in die Ausbildung soll es für ihn im Schwimmbad gehen und seinen Rettungsschwimmer erreicht er dann sicher auch noch. „Davor habe ich schon einmal ein Praktikum im Einzelhandel gemacht. Das war überhaupt nichts für mich. Da musste ich durchhalten, um das Praktikum zu beenden“, erzählt er.

Mehr als die Erkundung des jeweiligen Berufsfeldes

„Am Ende geht es in den Praktikas ja auch darum die Softskills zu trainieren, wenn der Praktikumsbereich den Schülern nicht gefällt“, sagt Lehrer Tran Ngyuen. Neben den motivierten Schülerinnen und Schüler, die mit ihm an diesem Tag in die Bücherei gekommen sind, gäbe es natürlich auch immer wieder Praktikumsabrecher, die einen etwas längeren Weg in der Berufswahl vor sich hätten.

Die Schülerinnen und Schüler der Carl-Fuhlrott-Schule durchlaufen in der 9. und 10. Klasse verschiedene Praktika. In der 9. Klasse ist ein dreiwöchiges Praktikum vorgesehen. In der 10. Klasse absolvieren Schüler der 10a für den erweiterten Hauptschulabschluss ein Langzeitpraktikum über ein halbes Jahr, bei dem sie einmal in der Woche für einen Schultag von 9 bis 14 Uhr im Praktikum sind. Schüler der 10b, die die Mittlere Reife anstreben, absolvieren ein zweiwöchiges Praktikum.

Sarah hat ein Langzeitpraktikum in einer Apotheke gemacht und den Beruf der Pharmazeutisch-Kaufmännischen Angestellten erkundet. Sie hat Medikamente einsortiert, Selbstbedienungsartikel etikettiert, Medikamente bestellt, die Kasse bedient und die Inventurliste erstellt. Letzteres habe ihr nicht so viel Spaß gemacht. Der Beruf war es am Ende nicht. „Aber der medizinische Bereich gefällt mir. Ich werde eine Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten in einer Hausarztpraxis beginnen“, erklärt die 17-Jährige. Und dann spricht sie ein Kompliment aus: „Wir werden diese Schule alle vermissen, mit so einer tollen Direktorin.“ Christiane Schneppe ist gerührt. „Dabei bin ich doch noch gar nicht so lange hier die Direktorin.“

Wissen in welche Richtung es gehen soll

Yiahad hat ein Praktikum als KFZ Mechatroniker gemacht, weil er ein Faible für Autos hat. Sein Traumauto wäre ein BMW X4. Er hat sogar schon Erfahrung „im Schrauben“. Im Praktikum hat er Reifen und auch Frontscheiben gewechselt oder Teile demontiert. „Ich hatte täglich wechselnde Aufgaben“, berichtet er. Allerdings hat er im Praktikum bemerkt, dass sein Interesse an Autos dann doch gar nicht so groß ist, wie er vorher annahm. „Ich möchte lieber Dachdecker werden“, gesteht der 16-Jährige.

Ganz anders bei Zakaria. Er hat verschiedene Praktika gemacht und ist jetzt sicher, dass er eine Ausbildung im KFZ Gewerbe machen möchte. Zuvor hat er schon Praktika als Erzieher und im Einzelhandel gemacht. „Erzieher wäre gar nichts für mich. Das war mir zu laut“, erzählt er.

Insgesamt fanden alle Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit Praktika zu absolvieren gut, weil sie viel erkunden können und merken, was zu ihnen passt. Die Arbeit sei anstrengend gewesen, aber wenn man erst verdient (die Praktika sind alle unentgeltich) sei es auf jeden Fall anders. Auf die Frage der Schulleiterin, ob den Schülern das auch schon in der 8. Klasse gefallen hätte, antworteten sie mit ja. „Man wird reifer und sieht mehr. Ich fände auch zweimal in der 9. Klasse gut“, erklärt Nala. Wichtig sei vor allem auch, dass die Chemie im Unternehmen stimmt. „Dass die Mitarbeiter hilfsbereits sind und Fragen beantworten“, ergänzt sie.

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