
Am vergangenen Mittwoch informierte die Kassenärztlich Vereinigung Nordrhein (KVNO) über die Neuordnung der ambulanten ärztlichen Notdienstversorgung im Kreis Mettmann. Ein offensichtlich ‚einsamer‘ Beschluss, an dem der Kreis Mettmann nicht ausreichend beteiligt wurde.
Vorgesehen ist die Schließung der bisherigen Notfallpraxen in Ratingen und Langenfeld. Neu soll es dafür künftig eine zentrale Anlaufstelle für die notdienstliche Versorgung am Evangelischen Krankenhaus Mettmann (EVK) geben. Für das EVK erfüllt sich damit der lange gehegte Wunsch nach einer sogenannten Portalpraxis, die die Notaufnahme des Krankenhauses entlasten kann. „Die Portalpraxis der KV wird nicht durch das Personal unseres Krankenhauses besetzt, sondern durch niedergelassene Haus- und Fachärzte aus dem Kreis Mettmann, wie bisher in Ratingen und anderen Portalpraxen der KVNO auch“, ergänzt EVK-Pressesprecherin Hannah Lohmann erklärend, weil es in der allgemeinen Berichterstattung zur Entscheidung der KV hier zu Missverständnissen gekommen sei.
Das Evangelische Krankenhaus in Mettmann kooperiert für die einzurichtende Portalpraxis mit der Kassenärztlichen Vereinigung und stellt Räumlichkeiten für die Anmeldung und Behandlungsräume zur Verfügung. Außerdem hält das EVK eine angegliederte Notfallklinik für Patienten vor, die dringend einer Krankenhausversorgung zugeführt werden müssen. Eine weitere Portalpraxis ist ans Klinikum Niederberg in Velbert angeschlossen. Dort ist auch der ambulante Kindernotdienst für den Kreis angesiedelt.
Unmut über kurzfristig geplante Schließung in Ratingen und Langenfeld
Als völlig inakzeptabel bezeichnet Landrat Thomas Hendele den Beschluss der Kassenärztlichen Vereinigung und das Vorgehen in der Sache. Als vor einem Jahr die Frage zur Zukunft der Ratinger Notdienstpraxis im Raum stand, sei unter Beteiligung von Gesundheitsminister Laumann vereinbart worden, dass hierzu ein gemeinsames Gespräch der KVNO mit dem Kreis Mettmann und der Stadt Ratingen geführt werden soll. Ein von der KVNO beauftragtes Gutachten sollte zuvor die Bedarfssituation der Notdienstpraxis in Ratingen analysieren. „An diese Vereinbarung hat sich KVNO nicht gehalten“, empört sich Hendele. Lediglich eine lapidare Information sei an den Kreis und die Stadt Ratingen erfolgt. Weder habe man Kenntnis vom Ergebnis des Gutachtens noch habe die KV die relevanten Kriterien der Entscheidung dargelegt.
Von der Entscheidung auch die Notdienstpraxis in Langenfeld zu schließen, sei man im Kreis indes völlig überrascht worden. In einer Pressemitteilung gibt die KVNO dazu an: „Grund für das Betriebsende in Langenfeld ist die zum Jahreswechsel 2025/2026 geplante Schließung der dortigen Krankenhausambulanz, in die auch die KVNO-Portalpraxis bislang integriert ist. Mit dem vom Klinikträger beschlossenen Ende der Notaufnahme fällt auch die notwendige Infrastruktur für die darin eingegliederte Einrichtung der KV weg.“
Eigentlich sollte die Notaufnahme des GFO-Klinikums Mettmann-Süd im Dezember in Hilden zentralisiert werden und auch die Notdienstpraxis von Langenfeld nach Hilden verlegt werden. Dafür sollten entsprechende Umbauten und Erweiterungsmaßnahmen erfolgen. „Die sich ändernden Strukturen in der Krankenhausversorgung sind von der KV Nordrhein überhaupt nicht berücksichtigt worden“, ärgert sich Hendele. Die Schließung der Notdienstpraxis im Südkreis führe zu einem weiteren Versorgungsengpass, der 160.000 Bürgerinnen und Bürger betreffe. Es sei eben nicht zu erwarten, dass die Menschen aus Monheim, Langenfeld oder Hilden den Weg nach Mettmann auf sich nehmen. Vor allem nicht mit dem ÖPNV. Hendele rechnet mit einer Mehrbelastung des Rettungsdienstes, der bereits durch die Zentralisierung der Notaufnahme des GFO-Klinikums Mettmann-Süd durch verlängerte Fahrzeiten vor einer Herausforderung stehe. Allein dadurch bedingt müsse dieser schon seine Vorhaltung erweitern.
Hendele hat deshalb die KVNO in einem Schreiben aufgefordert, die Entscheidung hinsichtlich der Schließung der Notfallpraxis in Langenfeld zu überdenken und die Entscheidungskriterien insgesamt offenzulegen. Auch Gesundheitsminister Laumann hat er gebeten, die Planungen der Kassenärztlichen Vereinigung kritisch neu zu bewerten und sich für die Erarbeitung einer für die Menschen im Kreis Mettmann akzeptablen Lösung einzusetzen. Detlef Ehlert, Fraktionsvorsitzender der SPD in Erkrath äußerte sich inzwischen auch zu der geplanten Schließung in Ratingen und Langenfeld: „Die drohende weitere Überbelastung der Ambulanz am Krankenhaus Mettmann dürfen wir uns nicht gefallen lassen!“
Auch in Langenfeld ist man über die Entscheidung der KVNO entsetzt. „Ich habe heute die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein und das Gesundheitsministerium aufgefordert, die Entscheidung zu überdenken und den Südkreis Mettmann zumindest über eine Portalpraxis am Standort der GFO Klinik in Hilden zu versorgen. Ob in Hilden oder mit der Fortführung der (noch bestehenden) Notdienstpraxis im St. Martinus Krankenhaus in Langenfeld muss für den Südkreis eine kurzfristig praktikable Lösung gefunden werden. Es geht hier um die Notdienstversorgung der Menschen in unseren drei Städten im Südkreis!“, äußerte sich Langenfelds Bürgermeister Frank Schneider in einer Pressemeldung der Stadt.

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