
Der persönliche Erfahrungsbericht von Prof. Mouhanad Khorchide als Vortragsthema des Ökumenischen Bildungswerks Hochdahl (ÖBH) zog gestern viele Zuhöhrer ins Paul-Schneider-Haus.
Rund 80 bis 90 Zuhörer besuchten den Vortragsabend des ÖBH im Paul-Schneider-Haus und lauschten den persönlichen Erfahrungen von Mouhanad Khorchide:
„Ich bin in der Nähe von Mekka aufgewachsen, also habe ich eine gewisse Erfahrung als Pilger. Als ich meiner Mutter erzählte, dass ich den Jakobsweg in Santiago de Compostela pilgern will, war ihre erschrockene Antwort: Kommst du zurück? Als Muslim? Aber sicher, Mama. Als Muslim? Ich werde mir Mühe geben, Mama.“
Schon mit den ersten Sätzen hatte Khorchide die Sympathie und die Lacher auf seiner Seite. „Ich bin vom Naturell eher lustig“, bekennt er und erzählt weiter:
„Eine Kollegin empfahl mir Wanderschuhe zu kaufen, ich wusste zwar nicht warum aber tat wie mir empfohlen. Am nächsten Tag reiste ich nach Madrid und nach einem Flugumstieg weiter nach Santiago de Compostela. Dort angekommen zog ich meine Wanderschuhe an und ging zur Kathedrale. Sicher würde ich dort erfahren was zu tun war. Welche Rituale und Gesetzte gab es für Heiligtum? In Mekka umrundet man die Mosche, wandert sieben Mal zwischen den Hügeln und begibt sich auf den 3km langen Weg zu den Teufelsstelen. Das sind die Gesetzte und Rituale der muslimischen Pilgerfahrt. Ich war gespannt auf die Erfahrung in Spanien.
An der Kathedrale waren viele erschöpfte Pilger und alle die ich fragte, haben mich zuerst nicht verstanden, eben so wenig wie ich sie. Bis mir klar wurde das der Wanderweg von mindestens 100km hin zur Kathedrale der Weg war. Also beschloss ich den Weg rückwärts zu laufen und begegnete vielen gutgelaunten Menschen, die ihre Geschichten mit mir teilten. Eine Australierin erzählte mir, sie wandere mit Ihrer besten Freundin – mit sich selbst.“
Khorchide erzählt von vielen spannenden Begegnungen, emotionalen Geschichten, vom Pilgern mit und ohne Gott und von der Erkenntnis, dass Pilgern als Muslim vollkommen anders ist. Oder doch nicht? Denn beides benötigt eine Auszeit, eine Reise nach innen. Gott zu erkennen beginnt mit Selbsterkenntnis.
Es war sehr spannend seine Sicht zu erfahren. Aber auch -aus Sicht der Autorin- erschreckend wieviel Unwissen gegenüber der anderen Religion, Lebensweise und vermutlich auch unter verschiedenen Generationen hier in Deutschland herrscht. Wir kennen uns immer noch zu wenig.
Khorchides Traum von einer christliche Pilgerfahrt nach Mekka fand dann großes Interesse und es gab die ersten Anmeldungen. Das wäre dann wahrlich eine Reise der Erkenntnis aufeinander zu.
Der nächste Vortrag des ÖBH findet am 12. März 2026 statt. Dann spricht Matthias Drobinski über „Die Botschaften Leos XIV. an Kirche und Welt und die Grenzen päpstlicher Wirkungsmacht“.

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