
Wer im Neanderthal Museum in der Ausstellung der Audiospur „Zeitreise“ folgt, hört ab sofort die Stimme des beliebten Fernsehmoderators und Autors Ralph Caspers, bekannt aus der Sendung mit der Maus, Quarks und anderen.
„Ich mag Museen, aber man weiß einfach nicht, wo man hinschauen soll. Da ist eine Audiospur klasse“, sagte Ralph Caspers beim Pressetermin im Neanderthal Museum. Man merkte ihm an, dass er Freude daran hatte, diesen Auftrag zu übernehmen. „Es ist ja das, was ich mache. Erklären für alt und jung. Die Menschen an die Hand nehmen.“ Und das tut er im übertragenen Sinn nun auch in der Audiospur „Zeitreise“ und vermittelt auf dem Weg durchs Museum den Besuchern auf seine unnachahmliche Art unterhaltsam Fakten. Gut gefalle ihm, dass der Besucher an den einzelnen Stationen selbst entscheidet, wann und ob er sich zur nächsten Station begibt, eine überspringt oder eine andere zuerst besucht. „Da ist kein Zwang“, stellt er fest. „Die Besucher können selbst entscheiden, ob sie sich jetzt erst einmal etwas anderes ansehen oder sich mehr Zeit nehmen.“
Einige Besucher waren an diesem Morgen schon der neuen Audiospur gefolgt und so gab es auch für Ralph Capers ein erstes Feedback. Ein Besucher erklärte, dass er das Neanderthal Museum schon vorher kannte, aber mit der neuen Audiospur sei es noch einmal ein ganz anderes Erlebnis: „Von Station 1 an ist man total gefangen und wird von der angenehmen Stimme und einem Augenzwinkern begleitet.“

Viele der für insgesamt 16 Stationen eingesprochenen Texte, hatte Ralph Caspers übernommen. „Teils habe ich sie umgeschrieben und einige Texte habe ich ganz neu geschrieben“, erklärte der Fernsehmoderator. Zwar habe auch er schon vorher viele über den Neandertaler und die Evolution gewusst, aber auch viel neues erfahren. Etwa: Konnten Neandertaler schon sprechen wie wir? „Die Antwort ist ja. Das wusste ich nicht“, sagt Caspers. Voraussetzung dafür sei das Zungenbein.
Das Zungenbein ist ein hufeisenförmiger Knochen im oberen Halsbereich. Es stabilisiert den Kehlkopf und ermöglicht durch Muskelzüge die Formung des Rachenraums, wodurch die Bildung von Vokalen und Konsunanten, essentiell fürs Sprechen, möglich wird.
Inzwischen weiß man, dass auch die Neandertaler schon ein Zungenbein hatten. Es gebe ja immer wieder neue Erkenntnisse. Das sei nicht nur der Blick in der Zeit zurück, das sei immer auch der Blick nach vorn. „Die Rollenverteilung zwischen Mann und Frau ist ja auch nicht so gewesen, wie wir lange dachten, auch Frauen sind auf die Jagd gegangen“, erklärt Caspers.
Danach gefragt, welche der 16 Stationen ihm am besten gefallen hätten, anwortet er: „Die Feldhofer Grotte und die Sanduhr.“ Die Audiospur an der ersten Station, der Feldhofer Grotte, beginnt mit einem Hall, als wenn man sich selbst gerade in einer Höhle befindet. Caspers erzählt an dieser ersten Station die Geschichte des Knochenfundes, der ja „ein wenig gruselig war“. Ein bisschen taucht man schon hier in die Geschichte ein, kann sich vorstellen, wie Lehrer Johann Carl Fuhlrott die von Arbeitern gefundenen Sklettreste als die eines frühen Menschen erkannte. Die erste Audiosequenz endet mit „Ich bin übrigens Ralph und führe Dich durch die Ausstellung“ und vermittelt Besuchern, dass sie sich auf eine unterhaltsame Reise durch die Menschheitsgeschichte begeben, wenn sie ihm weiter folgen.

„Es hat mir Spaß gemacht, den Begriff von Zeit zu erklären, eine Vorstellung von Zeit zu schaffen“, sagt Ralph Caspers. „Es ist ja gar nicht so leicht, sich lange Zeiträume vorzustellen. Länger als Du und ich leben“, hört der Besucher, während er die Sandkörner der überdimensionalen Sanduhr herabfallen sieht, die Stimme von Ralph Caspers. Er zählt vor, wieviele Sandkörner in welchem Zeitraum herabfallen und was das in der Menschheitsgeschichte für einen Zeitraum ist. Jedes Sandkorn sei ein Jahr. In einer Sekunde fallen 100 Sandkörner herab. Elf Stunden herabfallender Sandkörner würden den Zeitraum darstellen, der vergangenen ist, seit es den ersten Menschen auf dieser Welt gab. „Jetzt weißt Du, warum es hier im Museum Tageskarten gibt. Wir treffen uns an der nächsten Station“, endet die Audiosequenz an dieser Stelle mit der üblichen Portion Humor.


Ein halbes Jahr bis zur Fertigstellung
In der neuen Audiospur „Zeitreise“ steckt insgesamt ein halbes Jahr Arbeit. Es sei ja kein Textablesen und einsprechen gewesen, so Caspers. „Ich bin immer auch Ralph“, erklärt er. Für ein so ehrwürdiges Museum zu arbeiten sei eine große Herausforderung gewesen. „Das ihr das trotzdem so mitgetragen habt, freut mich“, richtete er seine Worte ans Team des Neanderthal Museums. Die Herausforderung hätte auch darin gelegen, dass er die Beiträge nicht über Bilder steuern konnte, alles über Audio erfahrbar sein musste. „Es galt Menschen dazu zu animieren, sich zu bücken und zu schauen, wo der orange Knochen ist“, nannte er ein Beispiel. Damit ihm das gelingt, hat er vorher ein Video in der Ausstellung aufgenommen, in dem er die Örtlichkeit bei der Arbeit immer wieder vor Augen haben konnte.
„Wo ist der Mehrwert der neuen Tour“, wollte ein Journalist wissen. „Der eine steht hier“, zeigte Museumsdirektorin Bärbel Auffermann auf Ralph Caspers und der andere bestehe darin, dass die Texte vorher sehr wissenschaftlich gewesen seien und jetzt mehr Unterhaltung für die ganze Familie seien. Es benötige keine extra Audiospur für Kinder mehr. Ralph Caspers ergänzt, dass eine Herausforderung darin liegt aus geballten Fachinformationen zu entscheiden, was für die Menschen interessant, aber auch unterhaltsam sei. Dabei müsse man auch Mut zur Lücke haben.
Mit diesem Mut zur Lücke, der dennoch jede Menge Infos liefert, macht Caspers den Rundgang durch die Ausstellung zum einmaligen Erlebnis, dass man aber sicher gerne auch wiederholt. So ging es uns zumindest beim Reinhören. Das war sicher nicht das letzte Mal.
Info: Anlass für die Überarbeitung der Audiospur ist das Jubiläumsjahr das im Oktober 2026 beginnt. Dann steht der Museumsneubau seit 30 Jahren und der Knochenfund des Neanderthalers von 1856 feiert seinen 170. Geburtstag.
Neben der Audiospur „Zeitreise“ mit Ralph Caspers, die in 16 unterhaltsamen Stationen der Dauerausstellung vom weltberühmten Fund des Neanderthal 1 in der Feldhofer Grotte über Mammuts und Steinwerkzeuge bis hin zu den großen Menscheitsfragen „Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir?“ führt, gibt es eine zweite Audiospur. „Stimmen aus 7 Millionen Jahren“ findet sich an den Stationen mit Rekonstruktionen unserer Vorfahren. Dort kommen die Figuren selbst zu Wort. Von Lucy (Australopithecus afarensis) bis zu Kina, dem Neanderthalermädchen aus La Quina in Frankreich erzählen die Figuren mit verschiedenen Stimmen, wer sie waren und wie sie lebten.
Die Audiospur im Neanderthal Museum ist nicht die einzige von Ralph Caspers vertonte. Wer mit Kindern gerne im Wald unterwegs ist, dem sei der Remscheider WolffsWeg ans Herz gelegt. Dort gibt es seit Herbst 2025 eine Junior-Variante hinter jeder Station, in der er kindgerechte Antworten auf Fragen rund um den Wald gibt. Geeignet für Kinder ab sechs Jahren.

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