Mit dem Tierschutz auf Stimmenfang?

von Ria Garcia

Symbolbild: PicsbyFran / Pixabay

Zum ersten Mal steht in diesem Jahr die Partei für Tierschutz in Erkrath auf dem Wahlzettel. Wir wollten mehr über die Partei erfahren, aber Antworten blieben aus. So haben wir schließlich recherchiert.

Bereits am 23. Juli hatten wir die drei Kandidaten auf der Reserveliste (Margit Stengel, Andre Zalbertus und Petra Kriehn) angeschrieben: „Sie treten in Erkrath als neue Partei in der Kommunalwahl an. Gerne würde ich mich mit Ihnen zu einem kurzen Interview treffen, um Sie und Ihr Kommunalwahlprogramm den Lesern vorzustellen.“ Die E-Mail-Adresse von Frau Kriehn existierte nicht und von den beiden anderen fehlt uns bis heute eine Rückmeldung. Eine E-Mail mit dem Betreff „Tierschutz in Erkrath ist wählbar – Ratsgruppe Düsseldorf hilft“ erreichte uns am 21. August 2025 von Torsten Lemmer, Spitzenkandidat der Partei in Düsseldorf. Sie enthielt eine Pressemitteilung über einen Wahlkampftermin in Erkrath, den er mit Unterstützung von weiteren Kandidaten aus Düsseldorf, Duisburg und Neuss bestritten hat. Teilnahme von Erkrather Kandidatinnen oder Kandidaten offensichtlich Fehlanzeige.

Wahlprogramm wirft Fragen auf

Ein dreiseitiges Wahlprogramm haben wir inzwischen aus einer anderen Quelle erhalten. Das Wahlprogramm, das laut Überschrift für Erkrath und für den Kreis Mettmann gilt (auch auf Kreisebene tritt die Partei an) wirft Fragen auf. Es enthält Ziele, die in Erkrath oder im Kreis erreicht sind oder Ziele, die außerhalb der Zuständigkeiten liegen. Wir haben einige Beispiele ausgewählt.

| Ein Teil der Hundesteuer fließt direkt in Tierheime und Wildtierstationen
Für Fundtiere aus Erkrath ist das Tierheim Hilden zuständig, wie auch für Fundtiere aus den Städten Hilden, Mettmann und Monheim. Die finanzielle Beteiligung der Stadt Erkrath wurde zuletzt mit einem ab dem 1.1.2024 gültigen Vertrag angepasst. Auch die anderen drei Städte leisten ihren Beitrag zur Finanzierung. Über mehr wäre das Tierheim sicher froh, da vieles aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen finanziert werden muss und die Tierarztkosten so manches Mal tiefe Löcher ins Budget reißen, aber die städtischen Finanzen geben aktuell wenig Spielraum für Erhöhungen.
| Kastrationspflicht für Freigängerkatzen
Die gibt es in Erkrath bereits seit 2016.
| Keine Förderung von Massentierhaltung im Kreis Mettmann – stattdessen Unterstützung und Förderung regionaler, ökologischer Landwirtschaft
Auf Kreisebene gibt es weder das eine noch das andere. Selbst der Bund fördert keine Massentierhaltung, sondern den Umbau der Tierhaltung zu mehr Tierwohl. Förderung für die Landwirtschaft gibt es darüber hinaus von der Landwirtschaftskammer NRW oder dem Land NRW.
| Artenschutz vor Ort: Blühwiesen, Nistkästen, Igelhotels, Schutz der Gewässer und Wälder
Auch die Umwandlung von städtischen Rasenflächen in Blühwiesen schreitet bereits voran. Das Naturschutzzentrum Bruchhausen betreut mit Ehrenamtlichen 92 Nistkästen. Weitere Hinweise und Anregungen zum Natur- und Artenschutz finden sich auf der städtischen Homepage.
| Tierschutz- und Umweltbildung (in Kitas und Schulen – praxisnah und erlebbar)
Zum einen hat Erkrath mit den Naturschutzzentrum Bruchhausen eine zertifizierte Einrichtung für Bildung und nachhaltige Entwicklung, die genau diese Forderung bereits erfüllt, zum anderen ist die Stadt nur Schulträger und für die Bereitstellung der Gebäude verantwortlich. Lehrpläne liegen nicht in der Entscheidung der Stadt.
| Subventionen für tier- und klimafreundliche Landwirtschaft
Wie schon unter „Keine Förderung von Massentierhaltung im Kreis Mettmann – stattdessen Unterstützung und Förderung regionaler, ökologischer Landwirtschaft“ erläutert, gibt es hier keine originäre Zuständigkeit in der Stadt oder im Kreis.
| Ehrenamtskarte
Die Ehrenamtskarte gibt es in Erkrath bereits.

Wir belassen es an dieser Stelle bei den genannten Beispielen und widmen uns einigen Recherchen zur Partei.

Die Partei Tierschutz

Mangels Kontakt zu den Erkrather Kandidaten haben wir uns auf öffentlich verfügbare Daten zurückgegriffen. Wir haben lediglich eine Pressemitteilung von Torsten Lemmer (Spitzenkandidat der Partei in Düsseldorf) erhalten. Veröffentlicht haben wir diese aufgrund des fehlenden Kontakts zu Erkrather Kandidaten nicht. Recherchiert man ein wenig, fällt auf, dass es in der Vergangenheit auch schon in anderen Städten so war. 2020 etwa in Duisburg. Einem Artikel der WAZ ist zu entnehmen: „Jessica Westerteicher und Ben Hammouda Touaibia wurden in den Duisburger Rat gewählt. Sie kandidierten für die Unabhängige Wählergemeinschaft Tierschutz. Sobald man versucht, sie zu kontaktieren, meldet sich Torsten Lemmer.“

Gegründet wurde die Partei laut eigenen Angaben (Homepage) im Februar 2017 in Düsseldorf. Die Partei Mensch Umwelt Tierschutz warnt auf ihrer Homepage „Vorsicht vor rechten Kräften im Tierschutz-Umfeld!“ vor der Partei Tierschutz, die seit Gründung mehrfach den Namen gewechselt hat. Als Ratsgruppe Tierschutz Freie Wähler ist die Partei mit einem Mandat im Düsseldorfer Stadtrat vertreten. Auf der Seite der Partei Tierschutz ist die Ratsgruppe mit Ansprechpartner Torsten Lemmer genannt. Ähnlich wie das Wahlprogramm, das ein wenig ‚zusammengeschustert‘ wirkt und für offensichtlich weder Zuständigkeiten noch Gegenheiten vor Ort vorab recherchiert wurden, wirkt auch die Homepage der Partei, wenn man sich durch den Menüpunkt ‚unsere Verbände‘ klickt.

Die erste Pressemitteilung, die wir am 21. August 2025 von Torsten Lemmer erhielten, enthielt mit der Überschrift „Torsten Lemmer unterwegs in Erkrath“ einen Bericht über einen zweitägigen Wahlkampfeinsatz von Torsten Lemmer, Niclas Ehrenberg und Alexander Führer in Erkrath. Während Lemmer Spitzenkandidat in Düsseldor ist, tritt auch Niclas Ehrenberg für die Partei Tierschutz in Düsseldorf an. Alexander Führer gehört aktuell zur Ratsgruppe Tierschutz Freie Wähler und tritt aktuell für die Tierschutzpartei an. Erkrather Kandidaten waren offensichtlich bei der Wahlkampfaktion nicht vor Ort. Wir haben in den letzten zwei Wochen mehrfach Erkrather gefragt, ob die Partei mit Wahlkampfständen gesichtet wurde, aber bisher scheint sie – außerhalb des Wahlkampfmanövers von Torsten Lemmer und anderen aus Düsseldorf – nicht aktiv gewesen zu sein.

Vor wenigen Tagen erreichte uns eine weitere Pressemitteilung, die wissen ließ, dass Torsten Lemmer mit dem „Tierschutzpreis 2025“ ausgezeichnet wurde. Den vergab rein zufällig ein Verein mit dem Namen „Tierschutz jetzt“ aus Lübeck. Schaut man auf der Vereinsseite ins Impressum findet man dort die gleiche Anschrift, wie auf der Seite der Partei für den ‚Kreisverband Düsseldorf‘. Geschicktes Wahlkampfmanöver.

Wer ist Torsten Lemmer?

Wikipedia ist zu entnehmen, dass er Politiker, Autor, Musikproduzent, Verleger und ehemaliger Neonazi ist. Dort heißt es: „Im Jahr 2001 verkündete Lemmer seinen Ausstieg aus der neonazistischen Szene, dessen Ernsthaftigkeit jedoch verschiedentlich angezweifelt wurde.“ 2009 wurde er vom Landgericht wegen Volksverhetzung verurteilt. Politisch scheint er die Richtung immer mal wieder ein wenig zu wechseln. Zuerst bei den Jungen Liberalen und der FDP, dann bei der Freien Wählergemeinschaft, laut Wikipedia eine Abspaltung der Republikaner im Düsseldorfer Stadtrat und davor auch schon für die Freiheitliche Volkspartei, die ebenfalls als Abspaltung der Republikaner gilt. Das sind nur die ersten Auszüge. Auf Wikipedia ist der politische Werdegang ausführlich aufgeführt. Auch bei den Piraten versuchte er in deren aktiveren Zeiten unterzukommen.

Kandidaten in Erkrath

Wie alle acht Parteien, die zur Erkrather Kommunalwahl antreten, hat die Partei für Tierschutz alle Wahlkreise besetzt. Die Kandidaten finden sich in der Anlage des Wahlausschuss auf Seite 8. Die Reserveliste der Partei enthält nur drei Kandidaten (Seite 9 der Anlage im Wahlausschuss). Die Spitzenkandidatin Margit Stengel hat das stolze Alter von 81 Jahren. Auf Platz 2 der Reserveliste findet sich Andre Zalbertus. Der Fernsehjournalist ist namentlich vielleicht noch einigen als „Macher des Kölner und Düsseldorfer Lokalfernsehsender center.tv ein Begriff. Recherchiert man ein wenig, findet man ihn zu unterschiedlichen Themen. Tierschutz gehörte, soweit wir recherchieren konnten, bisher weniger dazu. Allerdings kandidierte seine Frau Berit Zalbertus bei der Europawahl für die Partei und aktuell für das Amt des Oberbürgermeisters in Düsseldorf. Gemeinsam mit ihrer Tochter findet man sie als Züchterin der Hunderasse Coton de Tuléar auf der Homepage des Verbands für das Deutsche Hundewesen (VDH), sodass zumindest bei ihr ein Bezug zum Tierschutz zu sehen ist. Den dritten Platz auf der Erkrather Reserveliste belegt Petra Kriehn, bei der wir auf unsere E-Mail Anfrage eine Fehlermeldung erhielten, die besagte, dass die E-Mail-Adresse nicht existiert.

Morgen bei der Wahl wird sich zeigen, wieviele Menschen ihr Kreuz bei einer Partei machen, die den Tierschutz im Namen trägt, von der man aber nicht so wirklich beurteilen kann, wieviel Tierschutz drin steckt. Und vielleicht erlebt man die drei Kandidaten, die für den Erkrather Rat und für den Kreistag angetreten sind, dann ja auch einmal in der Öffentlichkeit und erfährt ein wenig mehr über sie.

3 Kommentare

  1. Bitte bezeichnen Sie diese Partei nicht als „Tierschutzpartei“, denn dieser Name ist die Kurzbezeichnung der Partei Mensch Umwelt Tierschutz. Das Kölner Landgericht hat am 11.09. 2025 der Partei für Tierschutz untersagt, diese Bezeichnung wegen der Verwechslungsgefahr zu führen. Für die Kommunalwahlen 2025 greift das Urteil leider zu spät.

  2. Nach meinen Recherchen ist die „Partei für Tierschutz“ deutlich konserativer und eher dem rechten Parteienspektrum zuzuordnen, was jetzt nicht rechtsextrem bedeuten soll. Hier liegt der Unterschied zur Tierschutzpartei.

    Um ehrlich zu sein: Das macht auch den Reiz der Partei aus. Auf den ganzen woken Gendermist hat doch keiner mehr Lust.

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