Missstände in LEG-Immobilien im Dialog

von Timo Kremerius und Ria Garcia

Die von Irene Thompson (rechts im Bild) erhoffte Hilfe für die von ihr betreuten Menschen, zeichnete sich am Ende nicht ab. Im Hintergrund mit Hut ist Mark Walsleben zu sehen, der über die SPD die Einladung zum Treffen übernommen hatte. Foto: Timo Kremerius

Schimmel, defekte Aufzüge, nicht funktionierende Gehweglaternen, beschädigte Klingelanlagen, vermüllte Wege. Die Liste der Mängel ist lang. Im Dialog, zu dem Irene Thompson mit Unterstützung von Mark Walsleben eingeladen hatte, ging es um mögliche Lösungsansätze.

Eingeladen wurden zum klärenden Gespräch in die AWO-Begegnungsstätte betroffene Mieter, der Deutsche Mieterbund NRW, der Mieterverein Düsseldorf und Mitarbeiter der LEG. Es sollte dabei um die Beschwerden von Mietern gehen. Sei es Schimmel in den Wohnungen, defekte Aufzüge, nicht funktionierende Gehweglaternen vor den Häusern, beschädigte Klingelanlagen, vermüllte Wege und einiges mehr. Die LEG hüllte sich fast immer in Schweigen. Auf schriftliche Anfragen antwortete sie nicht.

„Ich habe deshalb die LEG kontaktiert und eine Zusammenarbeit angeboten. Mein Ziel war klar: Die Mängel sollen beseitigt werden und wir brauchen eine Lösung, die dauerhaft für Ordnung und Sicherheit sorgt. Das geht nur in Kooperation – zwischen der LEG, und den Bewohnern und der Stadt. Doch bis heute habe ich keine Antwort erhalten“, sagte Mark Walsleben in Vorgespräch. Die Teilnehmerzahl blieb am vergangenen Dienstag übersichtlich. Nur etwa zehn akut betroffene Mieter waren gekommen. Neben Fachleuten vom Mieterbund und Mieterverein waren darüber hinaus Irene und Sonja Maria Thompson vom Nachrichtenclub, Dieter Thelen vom Freundeskreis für Flüchtlinge, einige SPD Mitglieder und ein Mitglied von Die Linke anwesend. Die LEG hatte trotz Einladung keinen Mitarbeiter entsandt.

Bei rund 600 Wohneinheiten der LEG in Erkrath war die Resonanz auf die Einladung sehr bescheiden. Irene Thompson vermutete, dass die geringe Teilnehmerzahl auf den Flyer zurückzuführen sei, der den Eindruck erweckt hatte, es sei eine SPD Veranstaltung. Dabei sei es eine Mieterinititiative, die von ihr und Mark Walsleben koordiniert wird. Der sei Ratsmitglied für die SPD und hätte auch den Flyer entwickelt, auf dem das SPD-Logo den falschen Eindruck entstehen ließ. Als dann beim Treffen vor der AWO auch noch eine SPD Fahne aufgestellt worden sei, hätte sich der falsche Eindruck vertieft. „So sehr, dass Markus Lenk von den Linken fragte, ob er denn teilnehmen könne oder ob das eine SPD Veranstaltung sei“, erzählt sie uns später. Das war auch Dieter Thelen aufgefallen, der befand, dass Schimmel kein Thema sei, mit dem politisiert werden sollte. In Zukunft, so ließ Irene Thompson uns wissen, wolle man klarer kommunizieren, dass die Mieterinitiative unabhängig von Parteien sei und bleibe.

Mieterintiative ist parteiunabhängig und soll es auch bleiben

Für die Veranstaltung und die Sache als Solche war der Eindruck einer SPD Veranstaltung in jedem Fall kontraproduktiv. Ein Teil der LEG Wohneinheiten liegen am Stadtweiher, ein Bezirk, der bei Wahlen nicht gerade als SPD Hochburg bekannt ist. Die Mieter, die sich schließlich zum Dialog eingefunden hatten, waren dann auch ausschließlich Menschen, die Irene Thompson persönlich bekannt waren und wussten, dass es keine Veranstaltung einer Partei war. Ein Vater von drei Kindern berichtete, dass er in einer von Schimmel befallenen Wohnung wohne. Er hatte schließlich in wochenlanger Eigenarbeit die notwendigen Arbeiten größtenteils selbst erledigt. Dafür hatte ihm die LEG gestattet die Miete für den Zeitraum zu kürzen. Die von den übrigen Mietern geschilderten Probleme verdeutlichten die Missstände, die insgesamt in und rund um die LEG Immobilien herrschen. Nach Beschwerden dauere es oft Monate bis zur Mängelbeseitigung.

„Ich kenne einen Fall, in dem eine Mutter sich im März 2025 erstmals bei der LEG meldete, weil Wasser durch die Decke tropfte. Im April kam ein Handwerker, der feststellte, dass es ein größerer Schaden sei, den er nicht allein beheben könne“, berichtete Dieter Thelen unserer Redaktion über einen Fall, in dem sich die Mutter an den Freundeskreis gewandt hatte. Sie hatte Videos geschickt, die die Schäden dokumentierten. Fast alle Räume waren von Schimmel befallen. Nachdem im August die Schäden immer noch nicht beseitigt waren, habe der Freundeskreis mit Hilfe eines Anwalts ein Schreiben an die LEG formuliert. Es habe dann noch bis Oktober 2025 gedauert, bis die Schäden endlich behoben wurden. „Und das ist nur ein Fall. Wir haben bei uns noch drei oder vier ähnlich gelagerte Fälle“, erzählt er. Die Hotline der LEG sei so gut wie nicht erreichbar und auf Mails gebe es keine Antworten.

Der Grundsatz „Eigentum verpflichtet“ ist in Artikel 14 des Grundgesetzes (GG) verankert und besagt, dass Eigentum nicht nur Rechte verleiht, sondern auch eine soziale Bindung hat. Der Gebrauch von Eigentum soll dem Wohl der Allgemeinheit dienen. 

Gemeinsam mehr erreichen, als mit Einzelbeschwerden

Die zentrale Idee hinter dem angebotenen Gespräch sei die Bündelung der Beschwerden, weil man gemeinsam mehr erreiche, als wenn jeder betroffene Mieter sich einzeln an die LEG wendet, erklärte Irene Thompson. Der weitere Ablauf war dennoch ein wenig holprig. Mark Walsleben hat einen Mängelbogen zur Dokumentation und Fristsetzung der Mängel entwickelt. Also protokollieren, dokumentieren und terminieren bzw. Fristen setzen. Offen blieb teils die Frage, wer nach Erreichen des Termins tätig wird. Es fehlte die Definition der Verantwortlichkeiten. Allerdings ist geplant die so dokumentierten Mängel und den erfolgten Schriftverkehr zu sammeln und sie bei der nächsten Jahreshauptversammlung der LEG zu präsentieren.

Die Vertreter des Mietervereins Düsseldorf und des Deutschen Mieterbunds konnten erwartungsgemäß nur ihre Standarthilfen anbieten. Sie koordinieren allerdings deutschlandweit Initiativen zur Stärkung der Mieterrechte. Die möglichen Verantwortlichkeit von Stadt- und Kreisverwaltung wurden hinterfragt, blieben aber teils ohne konkrekte Lösungsansätze. Für die anwesenden Mieter boten sich auch mangels Vertreter der LEG vor Ort keine direkten Lösungen für ihre Probleme, aber vom künftigen gemeinsamen Vorgehen erhoffen sie sich, dass die LEG künftig schneller reagiert und tätig wird.

Kontaktmöglichkeit für betroffene Mieter

Damit die Mieterinitiative möglichst viele Fälle protokollieren und dokumentieren kann, wurde inzwischen auch eine Homepage (www.mieterinitiative-erkrath.de) online gestellt, auf der man online ein Mängel-Protokoll ausfüllen kann. Über die Seite können Betroffene auch Kontakt aufnehmen und sich der Mieterinitiative anschließen sowie über weitere Treffen informiert werden.

Das von der Mieterinitiative entwickelte Mängelprotokoll:

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