Mehr als nur „Singen“

Der Madrigalchor drei Jahre nach der Gründung im Jahre 1948/ Foto: privat

Der Madrigalchor Millrath feiert in diesem Jahr sein 75. Jubiläum. Feste und Konzerte waren geplant, die nachgeholt werden müssen.

1945 hat sich der Madrigalchor Millrath gegründet. Eine 75-jährige Chorgeschichte liegt demnach hinter den rund 60 Sängerinnen und Sängern, die dieses besondere Jubiläum in diesem Jahr mit zahlreichen Jahreshöhepunkten feiern wollten. Doch dann kam Corona und die Pläne mussten vorerst auf Eis gelegt werden.

Claudia und Friedel Michel an der Dorfstraße.
Die Schaukästen vor dem Proberaum hält Mitglied Anne Stotz aktuell.
Foto: Tanja Bamme

Eine Reise in die Vergangenheit

In einem Gespräch mit dem Vorsitzenden Friedel Michel und seiner Frau Claudia wird deutlich, dass der Chor mehr ist als nur ein Ort des gemeinsamen Singens. „Hier sind mit den Jahren Freundschaften entstanden“, berichtet das Paar, das die Geschicke des Chores seit 2012 mitgestaltet. Und so ist es besonders die Geselligkeit, die von den Chormitgliedern schmerzlich vermisst wird. „Zwischen den beiden Lockdownphasen haben wir draußen, aber auch im Bürgerhaus Hochdahl  geprobt. Das hat fast vier Monate gut funktioniert“, weiß Friedel Michel. Eine Onlineprobe über diverse Plattformen hingegen war weniger von Erfolg gekrönt. Und so liegt das aktive Chorleben aktuell wieder brach. Sich an die Anfänge des Chores zu erinnern, dafür nehmen sich Claudia und Friedel Michel aber gerne Zeit und haben dafür in ihrem heimischen Analen geforscht.

Damen: „Herzlich willkommen“

So erinnert die Festschrift des 70. Jubiläums daran, dass es besonders das tiefe Bedürfnis eines neugestalteten Alltags nach dem Kriegsende war, das den Chor ins Leben gerufen hat. Der Männergesangverein Millrath hatte jedoch zu viele Mitglieder verloren, um singfähig zu bleiben. Die Damen durften sich dem Zusammenschluss anschließen, eine neue Chorgemeinschaft entstand. Peter Förster übernahm die musikalische Leitung des neu gegründeten Madrigal-Gesang-Verein Millrath, der am 10. Dezember 1945 offiziell seine Chorarbeit aufnahm. „Zur ersten Probe trafen sich 14 Damen und 15 Herren im Vereinslokal Kupp an der Bahnstraße“, lässt sich in der gut recherchierten Festschrift nachlesen. Am 9. Oktober 1949 wurde der Chor in Madrigalchor Millrath umbenannt.

Wenn Freundschaften entstehen…

Dass das Singen mit der Zunahme an Fernseh- und Radioprogrammen besonders bei den jungen Menschen außer Mode wurde, ließ den Madrigalchor nicht verzagen. Kontakte zu befreundeten Chören aus anderen, europäischen Ländern wurde aufgenommen. Gemeinsame Konzertauftritte und –reisen waren die Folge. Auch heute bestehen diese Freundschaften noch. „2018 waren wir in der Nähe von Liverpool und haben dort einen befreundeten Chor besucht“, berichtet Friedel Michel, der sich gerne an solche Reisen und das damit verbundene Miteinander erinnert. 75 Jahre Chorgeschichte wurden auch von einer Hand voll Dirigenten begleitet. Dem Mitbegründer Peter Förster folgte 1988 Werner Holzhauer, der dem Chor eine Bandbreite deutscher Chorliteratur eröffnete. Nach seinem viel zu frühen Tod übernahm Sven Morche die Arbeit, die nach drei Jahren von Carlos Reigadas fortgeführt wurde. Nach dessen Wegzug ist es aktuell an Dieter Lein, den Chor musikalisch auf der richtigen Bahn zu halten. „Wir sind sehr glücklich, einen so symphytischen und kompetenten Chorleiter gefunden zu haben“, freut sich Claudia Michel, die als ehemalige Studiendirektorin zwischenzeitig die Chorproben übernommen hat. „Wir waren von März bis Oktober 2019 ohne Chorleiter unterwegs, aber wir wussten uns zu helfen“, gibt sie lachend wieder.

Corona legt den Jahreskalender auf Eis

Eigentlich sollte am 28. Juni dieses Jahres ein großes Jubiläumskonzert im Hochdahler Bürgerhaus stattfinden. „Und auch unserer Brunnenfest im September wäre im Jubiläumsjahr etwas ganz besonderes gewesen“, ist sich Friedel Michel sicher. „Wir hatten zwischenzeitig die Hoffnung, zumindest unser Adventskonzert am 6. Dezember veranstalten zu können. Aber auch dazu ist es nicht gekommen“, zeigt sich das Paar sichtlich enttäuscht. Und so ist es die ungewisse Zukunft, die den Chor derzeit ausbremst. „Denn wir haben nichts, wofür wir proben können“, so Friedel Michel. Eine spontane Idee, den Hochdahler Markt musikalisch zu bespielen, ist auf Grund der steigenden Corona-Zahlen schnell wieder verworfen worden. Und auch die extra für das Jubiläumsjahr angefertigte Festschrift wurde bisher noch nicht gedruckt. „Sobald wir wissen, wie es weiter geht, werden wir auch die Festschrift drucken lassen“, zeigt sich Claudia Michel zuversichtlich.

Den Kopf in den Sand stecken, das kommt für die Sängerinnen und Sänger allerdings nicht in Frage. Mit der Software „Capella“ können Noten eingespielt und zuhause je nach Tonart erlernt werden. „Mit diesem Programm haben wir auch schon vor der Corona-Pandemie gearbeitet“, so Friedel Michel, der sich federführend um die Einspielung der Noten kümmert. Und während die Welt aktuell den Atem anhält, ist der Madrigalchor im Hintergrund aktiv, um das Jubiläumsjahr mit Pauken und Trompeten nachzuholen. Sobald ein gemeinsames Singen wieder sicher ist.

Wissenswertes: Der Madrigalchor Millrath hat seine Proberäume an der Dorfstraße 9 in Millrath (neben dem Kunsthaus Erkrath). Näheres hier.

Bilderläuterungen (Fotos: privat):

  • Bild 1: Adventskonzert 2019
  • Bild 2: Chorproben im Bürgerhaus in der Corona-Zeit
  • Bild 3: Außenprobe an der Dorfstraße
  • Bild 4: Gemeinsames Probenwochenende 2019
  • Bild 5: Romantikkonzert 2017
  • Bild 6: Chorreise 1948
  • Bild 7: Romantikkonzert 2017

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