Mega-Stimmung beim Sommerfest von ‘Die Linke’

von Susann Krüll

Superstimlung beim Auftritt von WBB (words beyond borders). Foto: Susann Krüll

Das erste Sommerfest, das die Partei in Erkrath veranstaltete, trug den Titel ‘Roter Sommer’.

„Mir tut es für alle Erkratherinnen und Erkrathern leid, die heute keine Zeit hatten, vorbeizukommen. Sie haben eine geniale Sommerparty verpasst“, fasst Markus Lenk, Ratsmitglied von ‘Die Linke’, zusammen, was er und seine Mitorganisatoren als Fazit des ersten Sommerfests, das die Partei veranstaltete, mitnehmen. Eine Wiederholung im nächsten Jahr ist bereits fest eingeplant.

Sommerfest für die, die nicht in den Urlaub fahren (können)

Daniela Lajios, (Medien- und Öffentlichkeitsarbeit für Die Linke NRW), übernahm die Moderation auf der Bühne. Ihre Frage an ihren Genossen Markus Lenk zum Auftakt des Festes: „Erzähl uns doch mal, warum Ihr dieses Sommerfest feiert?“ Seine kurze Antwort lautete: „Wir wollten extra mitten in den Ferien auf dem ‚roten Platz‘ ein Fest für all die, die zuhause geblieben sind.“ Bevor Lenk die Bühne für vier weitere Musik-Acts freimachte, wies er darauf hin, dass beim Fest auch mit der Sammlung von Unterschriften für den Erhalt des Bolzplatzes in der Sandheide gestartet wurde. „Wir von den Linken wehren uns dagegen, dass der Bolzplatz am Kinderhaus Sandheide weichen muss, weil dort Parkplätzen geplant sind für die Lehrer der zukünftigen Grund- und Förderschule. Wir hoffen, dass viele Erkratherinnenn und Erkrather uns mit ihrer Unterschrift unterstützen“, so sein Appell. Am Ende des Festes hatten die Mitglieder des Orts- und Kreisverbandes insgesamt 150 Unterschriften gesammelt.

Markus Lenk, Ratsmitglied “Die Linke” Erkrath, begrüßt die Besuchenden. Foto: SK

Auch die Bundestagsabgeordnete Kathrin Vogler besuchte das Fest und hielt sich bei ihrer Ansprache nicht mit Kritik an den regierenden Parteien zurück.

Nachrichten-Club, Friday for Future und Europas Sprachen

Besonders für die Kids hatten die Gäste, die der Einladung der Veranstalter gefolgt waren, sich am Fest zu beteiligen, Einiges vorbereitet: Irene und Sonja Thompson, das Tochter-Mutter-Gespann, das sich seit Jahren ehrenamtlich für die Integration von Menschen mit Flucht- und Migrationshintergrund einsetzt, hatten kurzerhand ihren „Nachrichten-Club“, der sonst im heimischen Wohnzimmer samstags online abgehalten wird, auf den Europaplatz verlegt. Während die Erwachsenen bequem in mit Kissen und Decken gemütlich ausstaffierten Campingstühlen bei Kaffee und kalten Getränken angeregte Unterhaltungen führten, hatten die Kids ihren Spaß beim Basteln. „Ich habe diese Pfefferminz-Döschen zuhause schon einmal mit einem Herz beklebt und bunte Steine zum Aufkleben dabei, mit denen sie sich ihre Dose nach Herzenslust verzieren können“, so Sonja Thompson, die laut ihrer Mutter „eindeutig die Kreativere von uns ist“. Einige Mädchen schmückten nicht nur die Dosen, sondern auch Arme, Finger und Ohrläppchen mit den bunten Glitzersteinen und hatten sichtlich Spaß dabei. Außerdem gab es Pixi-Bücher, die zahlreiche Handwerksberufe kindgerecht erklären. „Ich bin bei der Handwerkskammer in Düsseldorf beschäftigt und finde es wichtig, dass schon die Kids mit diesen Berufen etwas anzufangen wissen. Denn das Handwerk ist attraktiver als sein Ruf und es gibt viele spannende und lukrative Berufe, in denen Hände-ringend Azubis gesucht werden“, so Sonja Thompson. Die beiden Frauen wurden von Soroush Farshbaf unterstützt, Vorstand im ‘Freundeskreises für Flüchtlinge in Erkrath e. V.’ und dort ehrenamtlich als Berater tätig. Der gebürtige Iraner, der an der Fachhochschule Düsseldorf Soziale Arbeit studiert, regte bei den Veranstaltern an, für das nächste Sommerfest – und alle anderen – gezielt Einladungen in den Flüchtlingsunterkünften zu verteilen. Dies nahmen die Erkrather Ratsmitglieder Michaele Gincel-Reinhardt und Markus Lenk direkt auf die Agenda für 2023 auf. „Ich bin sicher, dass viele Bewohnerinnen und Bewohner gern gekommen wären, wenn sie gewusst hätten, dass heute dieses Sommerfest stattfindet“, so Farshbaf, der gemeinsam mit den beiden Thompsons dennoch zahlreiche Menschen, die in Erkrath einen neue Heimat gefunden haben, begrüßen konnte.
Infos auf Facebook: Nachrichten-Club

Am Stand der Erkrather Ortsgruppe von „Fridays for Future“ sorgte eine kleine Torwand für bei den Kids für viel Spaß beim Zielschießen. „Man merkt, wie sehr die Kinder solche Feste vermisst haben. Sie haben so viel nachzuholen, was während der Corona-Zeit nicht möglich war“, so Enya Sander, die wie ihre Mitstreiter auch das Thema Umwelt und deren Schutz bei den jungen Kickern ansprach. Es gab Armbändchen mit den Botschaften der FFF-Bewegung als Preise zu gewinnen und auch Info-Material lag an ihrem Stand aus. Was sie sich für die Umwelt wünscht und wie die Realität aussieht, ließ Abiturientin Enya bei ihrem Bühnen-Auftritt mit ihrem eindringlichen Poetry-Slam-Betrag die Zuhörer wissen.
Infos: www.https://fridaysforfuture.de oder auf Facebook: Fridays for Future Erkrath

Enya Sander, Fridays for Future Erkrath, trägt ihren Poetry-Slam-Text zu Umwelt
und Ökologie vor. Foto: SK

Um Sprache und Kunst als verbindendes Element zwischen den Völkern ging es bei einem riesigen von der Künstlerin Anna Owsiany-Masa und ihrer Tochter gestaltetem Kreuzworträtsel. Die gekennzeichneten Buchstaben Lösungsworte in  Deutsch, Englisch, Französisch, Serbisch, Polnisch oder Griechisch fügten sich zu dem Satz „Die Kunst ha kein Vaterland“ zusammen. Elke Nussbaum, die in Sachen Kultur ein Begriff in Erkrath ist, da sie u. a. in der VHS Erkrath das Kulturcafé verantwortet, ist Kulturvermittlung eine Herzensangelegenheit, so dass sie, trotz des Platzes direkt neben der Bühne das Gespräch mit den Besuchenden nutzte.

Prall gefülltes Musik-Programm

Musikschule Leichlingen

Den musikalischen Auftakt übernahm eine Formation der Musikschule Leichlingen mit zwei Schülern und drei Lehrern mit jazzigen bis souligen Stücken. „Der Kontakt kam zustande, weil Torsten Lehmen, der Mann am Klavier, und ich ebenfalls an der Erkrather Musikschule als Dozenten tätig sind,“ erzählte Schlagzeuger Jochen Wolter nach dem Auftritt. Der dritte im Bunde der Lehrkräfte war Frank Bremer am Bass. „In der Ferienzeit war es schwierig noch weitere Schülerinnen und Schüler zu aktivieren. Daher sind wir eingesprungen.“ Ihre Premiere jedenfalls meisterten sie zusammen perfekt, auch der Nachwuchs an Trompete und Saxofon.

Rapper „Tenor“ aus Duisburg-Marxloh
Moderatorin Daniela Laijos im Gespräch mit
Rapper ‘Tenor’ aus Duisburg Marxlow.
Foto: SK

‘Links-politisch’ wurde es mit Rapper Tenor, der nicht nur die Ausgrenzung und Polizei-Willkür in seinem Heimatort Duisburg Marxloh in seinen Songs zum Thema machte, sondern auch nicht mit Gesellschaft- und Kapitalismuskritik sparte, wie am vor Kurzem verabschiedeten Versammlungsgesetz oder an der Rüstungsindustrie, ‘die das Geld macht’. Gegen Nazis und rechte Tendenzen in seinem Heimatland grenzte sich der 23-jährige Student ebenfalls klar ab. Moderatorin Daniela Laijos führte mit dem jungen Mann vor seinem Auftritt ein Gespräch. Seine Affinität zum Rapp entdeckte mit etwa 10 Jahren bei einem Workshop in der Schule, wie er später im Gespräch mit unserer Redaktion erzählte. Dabei berichtete er auch von seinen Erfahrungen mit Polizei-Willkür: „Wenn wir abends im Viertel mit dem Auto unterwegs sind, dann lassen wir immer unseren blonden, ‚biologischen deutschen‘ Kumpel fahren. Dann entgehen wir vielleicht den ständigen Polizei-Kontrollen, bei denen nicht nur wir regelmäßig auf Drogen untersucht werden, sondern auch das Auto auseinandergenommen wird. Gefunden haben sie noch nie was, denn Drogen sind nicht unser Ding.“ In seinen Rapp-Texten findet der 23-Jährige dafür deutliche Worte: „Polizisten sind nicht unsere Freunde, weil wir die Hunde nicht dulden.“ Beim Publikum kamen seine Songs gut an, sie zeigten ihm, dass sie „Bock auf Rapp hatten“, wie seine Frage zu Beginn seines Auftritts lautete, indem sie sich vor der Bühne sammelten und seine Moves mitmachten. Wer Kostproben von „Tenor“ hören möchte, hat dazu auf dessen Instagramm-Account #tenoroffziell die Möglichkeit.

Rapp-Projekt aus Düsseldorf-Oberbilk

2016 als „Rapp-Projekt“ für minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge gegründet, hat sich die Formation WBB (words beyond borders) um einen festen Kern etabliert, zu dem der eine oder andere junge Oberbilker, egal welcher Nationalität, immer mal wieder dazu stößt, wenn ein neues Projekt ansteht. Martina Pophal hat die ‘Jungs’, wie sie sie liebevoll nennt, unter ‘ihre Fittiche’ genommen. Die Moderatorin und ‘Netzwerkknüpferin’ ist in der Musikszene aktiv und mit den jungen Rappern entsteht gerade ein Musikdreh (siehe: popahl.tv). Außerdem werden sie beim Internationalen Fest am 3.9. in Oberbilk einen Auftritt haben. Dieser wird das Publikum sicher wieder genauso mitreißen, wie am Samstag die Erkratherinnen und Erkrather aller Altersstufen, die vor der Bühne tanzten, während die ‘coolen Jungen’, gebürtig aus dem Iran, dem Irak, Afghanistan, Kenia oder auch Deutschland stammend, die Bühne rockten. Die Texte singen sie zum Teil in Deutsch, wie ‘ihr Oberbilk-Lied’, oder in ihrer Muttersprache.

Martina Pophal von der Agentur Tausendsassa im Gespräch mit Daniela Laijos. Rechts daneben:
Sänger Etiene Eden, der seit sechs Jahren beim Rapp-Projekt in Düsseldorf-Oberbilk dabei ist. Foto: SK

„Die Songs erarbeiten die Jungs und Mädels selbst in den Workshops,“ so Martina Pophal, der man nicht nur im Interview vor dem Auftritt, sondern auch währenddessen anmerkt, wie begeistert sie von ‘ihren Rappern’ ist. Besonders der 12-jährige Utku beeindruckte mit seinen Auftritten die Zuschauer. Mit seiner Stimme und Bühnen-Präsenz beeindruckte der begabte Teenie nachhaltig. „Ich bin schon in der Kita mit Rapp in Berührung gekommen. Aber so richtig durch meinen älteren Cousin. Aber auch meine Mutter steht auf Rapp-Musik“, verrät er uns von der Redaktion nach seinen Solo- und den Auftritten mit seinen Rapper-Kollegen. Seinen ersten Song habe er mit 10 oder 11 geschrieben, verrät er noch, bevor er zurück zu seinen Kumpeln geht „In Oberbilk ist er eine kleine Berühmtheit. Da kennen und grüßen ihn die anderen Kids respektvoll“, erzählt Martina Pophal, die von ihren Jungs auch auf die Bühne geholt wurde zum Mitsingen und -tanzen. Erst nach einer Zugabe ließen die Zuschauer die Truppe von der Bühne, denn es standen noch der Auftritt der Lokalmatadore, Ravayella und ihrer Band sowie von Entertainer Sven Hansen auf dem Programm.

„Ravayella“ and Friends aus Hochdahl

Nach ihrem Auftritt beim Sommerfest des Vereins ‘Sandheider Markt4you’ auf dem gleichnamigen Platz im letzten Monat ist die junge Sängerin, die dort im Quartier lebt, keine Unbekannte in ihrem Heimatort mehr. Vom Fleck weg habe Markus Lenk sie für das Fest engagiert erzählt sie im Gespräch mit Daniela Lajios, bevor sie mit ihrer soulig-weichen Stimme loslegt, begleitet von ihrer Band, einem Gitarristen und einem Cajón-Spieler (Kistentrommel). Auch diesmal zog sie ihre Zuschauer in den Bann, allen voran auch die Jungs von WBB und Tenor, die alle bis zum Ende ihres Auftritts blieben

Sventertainment setzte den Schlusspunkt.

Der Sänger und Entertainer Sven Hansen hatte im Hintergrund bereits bei allen Bands für den ‘richtigen Ton’ gesorgt und war dann der Schluss-Akt des Abends. Bis um 21h brachte er alte und neue Hits gewohnt professionell zum Besten. Frank Sinatras Evergreen ‘New York. New York’ erklang auch beim ‘Roten Sommer’ als eines der letzten Lieder und setzte den musikalischen Schlusspunkt beim gelungenen, ersten Sommerfest von ‘Die Linke Erkrath’. Wiederholung erwünscht.

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