
Ein Hauch der Copacabana direkt aus Rio de Janeiro wehte am Freitag im Lokschuppen, als die brasilianische Sängerin Marcia Bittencourt das Publikum mit ihrer ausdrucksstarken Stimme und lateinamerikanischen Rhythmen verzauberte.
Die brasilianische Sängerin Marcia Bittencourt, Sängerin aus Rio de Janeiro, ist in Brasilia, der modernen und auch futuristisch anmutenden Hauptstadt Brasiliens, aufgewachsen. Sie studierte an der bekannten Theater Fakultät Dulcina de Moares. Nach dem Abschluss in darstellender Kunst, begann sie ein klassisches Gesangstudium an der Musikschule Brasilias. Bevor sie sich 1994 entschied nach Deutschland umzusiedeln säumten noch einige Highlights ihren Weg.
Nicht nur in Rio de Janeiro singt sie auf großen Festivals und ist auf vielen Bühnen zu Hause, Marcie stand auch mit den Grammy-Preisträgern Cassandra Wilson, Rachel Ferrel und Ivan Lins auf der Bühne anlässlich des Blackart Festival Atlanta. Bei der PRESS AWARD Gala 2018 in Florida, bei der 60 Jahre Bossa Nova gefeiert wurden, stand sie ebenfalls auf der Bühne. Dann reifte in Marcia der Wunsch andere Länder und deren Bühnen kennenzulernen.

Mit ihrer ausdrucksstarken Stimme und ihrer Bühnenpräsenz begeisterte sie auch auf Anhieb das deutsche Publikum. Ihr Repertoire beinhaltet auch brasilianischer Jazz, Bossa Nova und Choro auf höchstem Niveau, Klassiker der brasilianischen Musik und Eigenkompositionen. Einige Meilensteine in ihrem Leben sind die Zugehörigkeit von 1995 bis 2000 zum Ensemble der “Comedia Futura” in Hannover, was sie aber nicht davon abhielt weiterhin an Ihrer Stimme zu arbeiten. Entscheidend war ihr Schritt, sich ganz aufs Singen zu konzentrieren. Seit dieser Zeit war Marcia die Frontfrau zweier Bands: “Jamborio”, einer Formation, die sich brasilianischem Pop verschrieben hatte und “Misturas”, die sich ganz brasilianischem Jazz widmete. Beide Gruppen hatten sowohl original brasilianische als auch eigene Kompositionen im Programm, wobei Marcia die Texte schrieb.
Ende 2009 entschied sich Marcia zur Solokarriere. Originalton Marcia: „Ich wollte zurück zu meinen Wurzeln, der „Bossa Nova“, die meine Kindheit mit Farbe und wunderbaren Melodien geprägt hat. Rios Musik ist meine Wiege. Es war die Musik, die wir zuhause hörten und die ich liebe, seit ich denken kann.“
Die Liveauftritte von Marcia Bittencourt sind ein ganz besonderer Zauber, der den Zuhörer mitnimmt auf eine ganz besondere Reise. Und so geschah es auch im Hochdahler Lokschuppen. Marcie Bittencourt betrat mit Ihrer Band, Rafael Müller an den Drums, Martin Flindt an der Gitarre sowie Hans Malte Witte am Saxophon die Bühne und der Zauber begann. Die Voraussetzungen für eine „Brazilian Night“ waren optimal. Es war sehr warm und dann begann die Musik wie sie eindrucksvoller mit lateinamerikanischen Rhythmen nicht sein konnte. Wenn die Besucher die Augen geschlossen hätten, wären sie an der Copacabana wieder aufgewacht.
Marcia hatte alles, was ein Publikum begeistern konnte. Ihre Ausstrahlung, ihre Bewegung, ihre Musik, einfach alles, was man benötigt, um das Publikum zu begeistern. Begrüßte Marcia das Publikum auf Portugiesisch, überraschte sie in der Fortführung des Programms mit deutschen Ansagen. Vor jedem Stück erzählte sie kurz, wovon es handelt, aber es war gar nicht nötig. Selbst, wenn man die Sprache nicht verstand, so sang Marcia mit ihrem Körper ihren Händen, ihrem Temperament Geschichten, die jeder verstand.
Die selbstkomponierten Werke wechselten mit den bekannten brasilianischen Ohrwürmern, die das Publikum im nahezu ausverkauften Lokschuppen auch zum Mitsingen animierten, wenn auch nur den Refrain. Einige wenige brasilianische Zuschauer oder auch langjährige Sympathisanten konnten auch den Gesamttext mitsingen. Rundherum, alle waren begeistert.

Hier das geniale komplette Programm von Freitag, teilweise musikalisch unterstützt von den Zuschauern: 1) Anjo fugaz (Bossa nova von Marcia Bittencourt und Herve Jeanne) | 2) Serena (Samba von Marcia Bittencourt) | 3) O pato (Bossa) | 4) Sorrisos (Choro von Martin Flindt und Marcia Bittencourt) | 5) Desapego (Samba von Marcia Bittencourt) | 6) Me nega (Bolero von Marcia Bittencourt) | 7) Cante (Pop von Marcia Bittencourt) | PAUSE | 1) Dengo (Baião von Marcia Bittencourt und Yorio da Costa) | 2) Muitos Lugares (Samba von Marcia Bittencourt und Hervé Jeanne) | 3) Damas do som (Valsa von Marcia Bittencourt) | 4) Três Marias (MPB von Marcia Bittencourt und Yorio da Costa) | 5) Consolo (Bossa von Marcia Bittencourt) | 6) João (Baião von Marcia Bittencourt und Yorio da Costa | Zugabe: Mais que nada (samba) | Girl von Ipanema (Bossa)
Die Musiker, die Marcia Bittencourt auf der Bühne begleiteten, waren allesamt Meister ihres Fachs. Rafael Müller, trotz seines Namens ein Brasilianer, studierte in Hamburg Musik und Theater und ist in der Band der Drummer. Seine Soloeinlagen veranlassten das Publikum zu tosendem Applaus. Martin Flindt, der in Arnheim und Hilversum unter anderen bei Maarten van der Grinten und Jesse van Ruller Jazz-Gitarre studierte, riss mit seinen Soloeinlagen das Publikum mit. Last but not least Hans Malte Witte, der 1975 in Lüneburg geboren wurde. Er ist diplomierter Saxophonist und Saxophonlehrer mit Abschluss an der Hochschule der Künste in Hilversum und Amsterdam. In Hilversum studierte Hans Malte sein Hauptfach Jazz-Saxophon. Er vertiefte außerdem seine Nebenfächer Klarinette, Flöte und Piano. Er bekam immer wieder frenetischen Zwischenbeifall für seine virtuosen Darbietungen. Dazu der vereinnahmende Gesang von Marcia Bittencourt und fertig ist ein Konzert in der Wohlfühlzone.
Alle Musiker haben außer ihren Konzerten mit Marcia noch Soloprojekte während des Jahres. In der Kombination mit Marcia geben sie ca. 20 Konzerte im Jahr. Das Marcia Bittencourt Quartett besteht seit 2015.
Kein Cool down während des Konzerts
Während der Pause gaben einige Zuschauer ihre Statements. Gabi die ihrem Otto dieses Konzert zum Geburtstag geschenkt hat und aus Ratingen gekommen sind, waren zum ersten Mal in Hochdahl. „Es war so ein tolles Konzert, dass wir den Lokschuppen fest in unseren Terminkalender aufnehmen“, sagte sie uns. Sabine aus Hilden, ihrerseits Brasilien affin und der portugiesischen Sprache mächtig, sang bei jedem Stück mit. Ihr war die Freude am Konzert anzumerken. Sie ist Besucherin der ersten Stunde und immer von den Konzerten begeistert gewesen.
Natürlich waren auch, wie jedes Jahr, unsere Trillser / Erkrather Honoratioren Herbert und Gottfried Bander beim Konzert anwesend, waren sie doch die Mitbegründer des Jazzsommers. Nach dem Konzert, man saß bei einer angenehmen Temperatur in vertrauter Runde zusammen, bekräftigten sie nochmal, wie wichtig ein Ausgleich zum täglichen Leben ist. Umso schöner, wenn es solche Konzerte sind, die auch für das Wohlbefinden nachhaltig sind.
Die Organisatoren des Jazzsommers, allen voran der unermüdliche Dr. Helmut Stein, wurden von den Besuchern für ihre Arbeit und die Auswahl der Künstler gelobt. Viele bedankten sich bei ihm für das „Wohlfühlkonzert“, das in seinen Bann zog. Mit diesem Abend hat Dr. Stein einmal mehr unter Beweis gestellt, dass er ein Händchen für die Jazzkultur in der Region hat.


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