
Das historische Niedrigzinsniveau macht Banken zu schaffen. Die Kreissparkasse Düsseldorf zieht jetzt Konsequenzen. Nach Filialschließungen im Vorjahr sind jetzt Privatkunden und ihre Prämiensparverträge an der Reihe.
1.600 Prämienverträge werden gekündigt. In einer Pressekonferenz verdeutlichte der Vorstand, warum der Schritt nötig ist. „Die Kunden der 1.600 Prämiensparverträge haben die höchste Prämienstaffel erreicht. Die Kündigung ist rechtskräftig, das hat auch ein Urteil des Bundesgerichtshofes von Mai 2019 bestätigt“, erklärt Vorstandsmitglied Prof. Dr. Svend Reuse. Die Holzhammermetode möchte die Kreissparkasse Düsseldorf, die in den Städten Mettmann, Wülfrath, Erkrath und Heiligenhaus vertreten ist, aber nicht fahren. „Wir möchten gerne jeden Kunden persönlich beraten und ihnen Alternativen aufzeigen“, ergänzt Vorstandsvorsitzender Christoph Wintgen, der die Alternativen auch direkt aufzählt: Immobilien und Aktien. Und gerade letztere sprechen für sich, haben in den vergangenen Jahren ordentliche Renditen von bis zu zehn Prozent in 20 Jahren eingefahren. Risiko, das schwingt natürlich bei der Geldanlage in Aktien immer eine Rolle. Um dieses jedoch gering zu halten, sollen die Kunden gleich in einen ganzen Korb (sogenannte Mischfonds) investieren. Die Kreissparkasse wiederum verdient an der Vermarktung der Aktien. Ein wirtschaftlich lohnenswerteres Geschäft als die Sparverträge, denn die kosten das Unternehmen Kreissparkasse Geld. Die Zinserträge sind allein in den vergangenen fünf Jahren von 58,3 Millionen Euro auf 43,7 Millionen Euro gesunken. Und das „bei steigendem Kreditvolumen“. Heißt, die teuren Sparverträge, die beispielsweise gerne von Großeltern für ihre Enkel eröffnet wurden, müssen weichen.
Strafzinsen werden für Firmenkunden ab 100.000 Euro fällig
Bei den 1.600 Verträgen soll es jedoch nicht bleiben. Bis 2026 werden weitere Kündigungen folgen. Eine Maßnahme von vielen, um den wirtschaftlichen Aufschwung für das Geldinstitut herbeizuführen. Und dazu gehört auch ein „geräuschloser“ Personalabbau von 20 Prozent bis Ende dieses Jahres und ein Verwahrentgelt für hohe Geldbeträge. „Das betrifft Firmenkunden ab einer Einlage von 100.000 Euro sowie Neukunden ab 10.000 Euro“, erklärt der Vorstand, der perspektivisch aber auch auf die Privatkunden zugehen muss. Leicht gefallen sei die Entscheidung keinesfalls, Alternativen gibt es aber kaum. „Und das werden auch die anderen Banken in Zukunft so handhaben müssen“, ist sich Vorstandsmitglied Reuse sicher, der jedoch ergänzt, dass die transparente Herangehensweise augenscheinlich die richtige ist. „Denn unsere Beschwerdestelle läuft nicht heiß. Und im vergangenen Jahr haben wir rund 400 Neukunden gezählt.“
Wissenswertes: 370 Prämiensparverträge gehören Erkrather Kreissparkassenkunden. In Mettmann sind es 400 Verträge, in Heiligenhaus 160 Verträge und in Wülfrath rund 300 Verträge.

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