
Vorhang auf für ein Heimspiel der Extraklasse: Nach fast genau zwei Jahren Abwesenheit kehrt das legendäre Düsseldorfer Kom(m)ödchen endlich zurück auf die Bühne der Erkrather Stadthalle.
Wenn das Ensemble den kurzen Weg aus der Landeshauptstadt nach Erkrath antritt, ist eines bereits im Vorfeld gewiss: Ein restlos ausverkauftes Haus und ein Abend voller politisch-satirischer Glanzpunkte, der das Publikum garantiert von den Sitzen reißen wird. Und so war es auch. Die Stadthalle war bis auf den letzten Platz gefüllt. Es war alles für einen schönen, unterhaltsamen und teilweise auch spektakulären Abend vorbereitet. Die Zuschauer in heller Vorfreude warteten darauf, dass sich der Vorhang endlich bewegte und die Bühne belebte.
Nö. Eine Entgleisung
Die Welt ist irre! Nur noch Meldungen von Kriegen, Krisen und Katastrophen. Die Grenzen zwischen Horrorfilm und Nachrichten scheinen fließend. Immer mehr Menschen halten das nicht mehr aus und sagen „Nö!“. So auch der an sich weltoffene Malte, der keine Bad-News mehr hören kann und sich entschließt, ein paar Tage friedlich, still und ruhig zu Hause zu verbringen. Allein mit seinem etwas skurrilen Hobby.
Leider hat er die Rechnung ohne seine Freunde gemacht, die sich Sorgen machen. Es sind allesamt sehr spezielle Zeitgenossen, die zwar verstehen, dass er sich alleine zurückziehen will… Aber wenn schon alleine, dann doch bitte gemeinsam…
Es wird turbulent. Immer mehr schräge Figuren, durchgeknallte Charaktere und hochkomische Gestalten fluten im Laufe des Abends seine Bude, und nehmen Malte und die Kom(m)ödchen-Zuschauer mit auf eine verrückte Achterbahnfahrt durch unsere aufgewühlte Zeit. Politisch, pointiert und mit immer unbändiger Spiellust stellen sich unsere vier Schauspieler in 21 Rollen, Parodien und Songs den großen Fragen unserer Zeit. Die Antwort?
Wird nicht gespoilert… Quelle: Düsseldorfer Kom(m)ödchen
Es war kaum möglich sich die schlagartig aufschlagenden Gags zu merken. Die vier Kabarettisten schlüpften in 21 unterschiedliche Rollen. Eine schräger als die andere. Es war einfach nur über zwei Stunden Unterhaltung pur. Jeder der vier Darsteller verkörperte die ihm übertragende Rolle atemberaubend. Heiko Seidel, das Sprachtalent, vermittelte dem Publikum den Eindruck alle Sprachen dieser Welt zu beherrschen. Er ist besonders in seinem Metier, wenn er mit seinem Düsseldorfer Platt schnodderig rüberkommt. Einfach der Brüller.
Ein besonderer Gewinn für das Ensemble war Susanne Pätzold. Obwohl sie neu dabei ist, hatte man den Eindruck, sie gehöre schon seit jeher zum festen Inventar des Kom(m)ödchens. Brillant war vor allem ihre Darstellung der Ursula von der Leyen: Einmal ganz ohne staatsfrauliche Etikette, verkörperte sie die Politikerin in einem herrlich „angeschickerten“ Zustand. Lauthals und ohne Blatt vor den Mund zu nehmen, teilte diese berauschte Version der EU-Kommissionspräsidentin dem Publikum mit, was sie wirklich von all den politischen Größen hält, denen sie bei ihren Gipfeltreffen begegnet. Ein komödiantisches Highlight, das beim Erkrather Publikum für Begeisterungsstürme sorgte. Auch ihre Darstellung als Jörg Schönborn war einfach klasse.



Für die wohl skurrilste Rahmenhandlung des Abends sorgte die Figur des Malte. Eigentlich wollte dieser sich nur eine wohlverdiente Auszeit mit seiner Modelleisenbahn gönnen und in aller Stille die einsamen Bahngleise genießen. Doch er hatte die Rechnung ohne die fast schon beängstigende Hartnäckigkeit seiner Freunde gemacht. In einer Mischung aus Übereifer und völliger Fehlinterpretation der Lage vermuteten diese hinter Maltes Rückzug alles – nur nicht den Wunsch nach Ruhe. Von der Sorge, er sei einsam oder gar suizidgefährdet, bis hin zur schlichten Vermutung eines heimlichen Urlaubs reichten die absurden Theorien. Die Versuche der Freunde, Malte aus seiner vermeintlichen Not zu „retten“, boten dem Ensemble reichlich Stoff für pointierte Dialoge über falsch verstandene Fürsorge.
Als wäre das Chaos nicht schon perfekt, setzten die Freunde noch eins drauf: Ein finanziell klammer Kumpel kam auf die glänzende Idee, Maltes Wohnung kurzerhand bei „Airbnb“ zu inserieren – und sie prompt an gefühlt halb Europa zu vermieten. Damit brachen schlussendlich alle Dämme. Was folgte, war ein rasantes Kommen und Gehen in der eigentlich so friedlich geplanten Zufluchtsstätte. Eine Vielzahl von völlig „durchgeknallten“, kaputten und herrlich schrägen Mitmenschen durchliefen Maltes vier Wände und ließen dem Publikum (und dem armen Malte) keine ruhige Sekunde mehr.



Bei der Darstellung der verschiedenen Mieter glänzte Heiko Seidel einmal mehr mit einer verblüffenden Vielzahl an Dialekten. Das Faszinierende dabei: Er gab die jeweilige Sprache akustisch so perfekt wieder, dass das Gehör sie sofort zuordnen konnte – auch wenn die Sätze inhaltlich natürlich keinen Sinn ergaben. Ein genialer, lautmalerischer Spaß, der als einer der Höhepunkte das Publikum begeisterte.
Bei all dem Slapstick und den schrägen Rollen blieb jedoch eines nicht verborgen: Die Akteure des Kom(m)ödchens sind wieder spürbar politischer geworden. In einer Zeit, die von nationalen und internationalen Unwägbarkeiten geprägt ist, griffen die Darsteller die aktuellen Spannungen unserer Gesellschaft ungefiltert auf. Das Publikum nahm diese scharfzüngigen Analysen dankbar mit nach Hause. Im Vergleich zu früheren Programmen blitzte hier wieder die Ur-DNA des Düsseldorfer Kabaretts auf – die Fähigkeit, den Finger tief in die Wunden der Zeit zu legen.
Nach insgesamt zweieinhalb Stunden endete ein Abend mit geballtem Kabarett vom Feinsten. Die Belohnung war ein nicht abreißender, langanhaltender Applaus bis hin zum Klatschmarsch, der sich fast bis hin zum Orkan entwickelte. Zum Leidwesen der Zuschauer, die trotzdem zufrieden nach Hause gingen, gab es keine Zugabe. Aber bei dem Full Power Kabarett wäre es vom Ensemble auch etwas zu viel verlangt gewesen. Als die Halle fast leer war, gab es noch ein Foto und einen small talk mit den Mitgliedern des Kom(m)ödchens mit der Bitte Erkrath nicht wieder zwei Jahre warten zu lassen, was sie auch versprachen.
Die letzten Veranstaltungen der Theater- und Kabarettsaison 2025/2026 sind:
Am Mittwoch, den 25.03.2026 kommt das Ensemble des Westfälischen Landestheaters mit der Komödie „Außer Kontrolle“ von Ray Cooney nach Erkrath in die Stadthalle.
Christian Ehring kommt mit seinem neuen Programm „Versöhnung“ am Freitag, den 17.04.2026 nach Erkrath.
Zum Abschluss der Saison gibt es das Schauspiel „Bis das der Tod“ von Stefan Vögel unter anderem mit Alice von Lindenau, Julian Boine, Markus Schöttl, Elisabeth Ebner, Stefan Schneider und Andere.
Die Abteilung Kultur der Stadt verschickt die Karten auch kostenfrei nach Hause. Telefon 0211 240740 09.

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