Klassiker Arsen und Spitzenhäubchen begeisterte

von Timo Kremerius

Arsen und Spitzenhäubchen. Foto: J. Quast | Landestheater Detmold

Die Theatersaison in der Erkrather Stadthalle startete im September mit der Komödie von Joseph Kesselring ‚Arsen und Spitzenhäubchen‘. Vom ‚Klassiker‘ zum modernen Begegnungsraum hat sich indes das Foyer der Stadthalle gewandelt.

Nach vier Monaten Sommerpause war es ein gelungener Start in die neue Saison. Michael Pfleging, Beigeordneter der Stadt Erkrath, übernahm die kurze und prägnante Begrüßung des Publikums persönlich. „Den älteren Herren unter Ihnen, ich zähle mich dazu, rate ich auf sich aufzupassen“, wies er auf das Stück hin. Die Zuschauer seien überdies an diesem Abend Premieregäste für das neue Foyer, in dem ab sofort nach den Theaterveranstaltungen auch noch Catering angeboten werde, was vom Publikum begeistert aufgenommen wurde. Möglich macht das die neue Pächterin LuMi Event GmbH, die in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung auch eine Umgestaltung vorgenommen hat. Einen neuen Namen fürs Foyer gibt es auch: „Kultur│Bar“.

Dann aber gehörte die Bühne den Schauspielern. Wer den Klassiker bereits kannte, wurde erst einmal überrascht und wähnte sich für einen Moment eher im Musikvideo zu Michael Jacksons ‚Thriller‘. Hieß es doch in der Ankündigung noch ganz klassisch:

Die beiden schrulligen Schwestern Abby und Martha sind die Hilfsbereitschaft in Person: Mit zu ihren wohltätigen Aktivitäten gehört es, ältere Herren vor einem Lebensende in Einsamkeit zu bewahren – und zwar, indem sie diese sanft aus dem Leben befördern. Die Leichen lassen sie mit Hilfe ihres geistig verwirrten Neffen Teddy verschwinden. Als Mortimer, der zweite Neffe des allseits beliebten Mörderinnen- Duos, eine der Leichen entdeckt, hat er alle Hände voll damit zu tun, die Tanten vor dem Gesetz zu bewahren. Keine einfache Angelegenheit, wenn andauernd Polizisten zum Tee vorbeikommen. Das Auftauchen des lange verschollenen dritten Neffen Jonathan, der seinerseits eine Leiche im Gepäck hat, macht das Chaos perfekt. Die Krimikomödie »Arsen und Spitzenhäubchen« war als Verfilmung mit Cary Grant in der Hauptrolle ein Kassenschlager und ist mit ihrem schwarzen Humor auch auf der Bühne bis heute nicht totzukriegen.

Mechanisch sich über die Bühne bewegende Schauspieler, die den Eindruck von Zombies oder Scheintoten vermittelten, ließen an jenes Musikvideo denken. In der Mitte der Bühne war ein Raum aufgebaut, die gute Stube der beiden älteren Damen, die eine gewisse Normalität, wenn man überhaupt davon sprechen konnte, vermittelte. Doch ein wenig verunsichert gab mir das Programm schließlich einen Hinweis in Form einer Erklärung von Regisseur Jan Langbein:

Die Aktualität des Stückes stellt sich wahrscheinlich dadurch ein, dass man es vor dem Hintergrund liest, vor dem es spielt und dem Kontext, in dem es aufgeführt wurde. Damals – Anfang der 40er Jahre – nach dem Angriff auf Pearl Harbor, hatten die Vereinigten Staaten mit Japan zum ersten Mal einer anderen Nation den Krieg erklärt, es herrschte der zweite Weltkrieg-.“diese ganzen Kriegsängste“, die im Stück vorkommen, waren also sehr real und prägten das Lebensklima. Trotzdem oder gerade deshalb war das Stück extrem erfolgreich. Zwar ist der Text skurril und im besten Sinne Quatsch, aber dieser Quatsch setzte sich mit der Lebensqualität des Publikums auseinander und ließ seine Zuschauer darüber lachen.
Das Stück setzt setzt der aus den Fugen geratenen Realität eine scheinbare Stabilität entgegen. Das tut es auch heute noch. In dieser stabilen Welt ist jedoch nichts, wie es aussieht. Wenn man sich wirklich in die Welt der Figuren rein begibt, merkt man: Diese Welt trägt das Chaos im Herzen. Das Grauen der Außenwelt spiegelt sich in dem Zuhause der Tanten, in dieser Puppenstube, in der die beiden Tanten leben. Darin gerät die Realität wie in einem Dampfkochtopf so unter Hochdruck, dass man darüber lachen kann.

Mit diesem Wissen ausgestattet, rundete sich das Theaterstück ab. Man muss sagen es war eine bodenständige Komödie, die dem Zuschauer mit viel Spielwitz, Spielfreude, Engagement und Professionalität geboten wurde. Es gab sehr viel Szenenapplaus und Lacher, die der Aufführung in jedem Fall gerecht wurden. Zur Freude des Publikums waren die Schauspieler mit Herzblut bei der Sache. Das Stück war inhaltlich nicht besonders anspruchsvoll, wurde aber durch die schauspielerische Leistung und dem darauf reagierenden Publikum aufgepeppt. Nach allen Irrungen und Wirrungen und dem Ende, bei dem die älteren Schwestern – 13 ältere Herren hatten sie ja schon mit ihrem schmackhaften Holunderwein ins Jenseits befördert und im Keller liebevoll bestattet – einen einsamen Mann, nämlich den Leiter einer Geistesheilanstalt, der die Schwestern eigentlich mitnehmen wollte, mit einem leckeren Gläschen Holunderwein verköstigten. „Nummer vierzehn“. Am Ende gab es einen verdienten Schlussapplaus.

Neben der ‚Kultur | Bar‘ gab es natürlich auch wieder die Kulturpause im Foyer

Künstlerin der Kulturpause war an diesem Abend Tanja Kühn.  Sie bereicherte das Foyer mit ihren Popart Bildern und filigranem Schmuck.

Die Künstlerin Tanja Kühn über sich:
Meine Kunst: Farben sind meine Welt. Ich liebe es surrealistische Bilder anzufertigen und mit Farben zu spielen. Die triste und eintönige Welt versehe ich mit einem Klecks Farbe und lasse sie damit wieder zum Leben erwachen. Neben meiner Kunst bin ich auch noch ArtNight Künstlerin und bringe 3 x/Woche anderen Menschen die Kunst nahe.
Meine Techniken: Ich male mit Acrylfarben auf Leinwand und verfeinere dabei gerne mit Lack (Sprayart). Besonders gerne verwende ich fluoreszierende Farben, unter Einfluss von Schwarzlicht. ModernPopart, Abstrakt, Collagenart, Akt, Disney…..ich versuche Vielseitig zu bleiben, um mich in meiner Kunst nicht beschränken zu müssen.
Meine Themen, meine Motive: Ich male gerne abstrakte Portraits von Menschen und Tieren. Auch hier kommt es meist zum Einsatz von viel bunter Farbe. Auch abstrakte Kunst regt mein Interesse immer mehr.
Künstlerisch tätig seit: Schon als Kind habe ich sehr viel gemalt. Dies ging später in Portraits und Tattoostifte über, bis hin zur Tattookunst. Auch handwerklich war ich schon immer begabt, so dass ich dann 2002 meine Ausbildung zur Kfz-Mechanikerin absolviert habe. Seit Dezember 2018 bin ich mit meiner Kunst selbstständig und habe ein Atelier in Düsseldorf-Eller.
Mein Weg zur Kunst: In meiner Familie gab es Niemanden der mir Kunst nahe brachte. Es war ehr die eigene Neugier und das große Interesse an Farben, was mich eigenständig an meine große Leidenschaft heranführte. Schon als Jugendliche fing ich an z.B. Bäume nicht nur als Bäume zu sehen, sondern ich nahm ihre einzelnen Farben, Strukturen, Schatten und Lichtpunkte auf und malte sie im Kopf nach. Als ich mit dem Tätowieren begann, verschärfte sich mein Blick nochmal um Einiges und so kam ich dann irgendwann dazu, zur Leinwand und Acrylfarben zu greifen. Somit erlernte ich meine Kunst autodidaktisch.

Vorschau: Am 18. Oktober 2023 kommt das a.gon Theater mit dem Schauspiel „Das perfekte Geheimnis“ von Paolo Genovese in die Erkrather Stadthalle. Schauspieler: Saskia Valencia, Lara Joy Körner, Armin H. Köstler, Sven Schöcker, Johanna Bogner, Paul Kaiser und Nikola Norgauer.
Die Abteilung Kultur der Stadt verschickt die Karten auch kostenfrei nach Hause. Telefon 0211 240740 09.

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