‚Klarer‘ Sieger beim Jurypreis der Erk@Art

Die Vernissage der diesjährigen Erk@Art war gut besucht. © LW

Nach einem digitalen Jahr, startete die Erk@Art in diesem Jahr wieder für Besucher im Lokschuppen. Ein bisschen anders, aber nicht weniger schön.

Bürgermeister Christoph Schultz freute sich,
die Erk@Art wieder in Präsenz zu eröffnen.
Foto: Lutz Wulfestieg

„Kunst hat wieder einen Raum“, startete Bürgermeister Christoph Schultz dann auch seine Begrüßungsrede bei der diesjährigen Vernissage der Erk@Art im Lokschuppen. Er begrüßte die Ehrengäste, wie Landrat Thomas Hendele oder die stellvertretende Bürgermeisterin Regina Wedding genauso wie den Vorsitzenden des Kulturausschusses Andreas Kuchenbecker und Ratsmitglieder. Und er dankte Gottfried Bander, der wie schon viele Jahre vorher, diese wunderbare Lokation mit historischem Ambiente für die Erk@Art zur Verfügung stellt und Dr. Helmut Stein für seine Unterstützung und der Kulturabteilung für die Organisation. Ebenso der Jury, bestehend aus Monika Kiesling vom Kunsthaus Mettmann, Sybille Mall und Julia Horn vom Fotoraum Köln und Dirk Balke, der an diesem Tag die Laudatio für den Preisträger des Jurypreises halten sollte. „Ich freue mich auch sehr darüber, dass drei Grundschulen ihren Besuch für Montag angemeldet haben und das so auch schon den jüngsten Kunst näher gebracht wird.“

Nachdem die Erk@Art im vergangenen Jahr nur online stattfinden konnte, genossen die Gäste die Präsenzverantstaltung, auch wenn Pandemie-bedingt auf eine Bewirtung verzichtet wurde und jeder der Anwesenden Maske trug und die Zugangsbeschränkungen akzeptieren musste. Die Freude Kunst zu genießen hat es offensichtlich nicht getrübt, wie auch Christoph Schultz bei der Begrüßung feststellte. Schnell gab es hier und da angeregte Gespräche und geselligen Austausch.

Der Jury-Preis

„Der diesjährige Jurypreis geht an Jan Masa“, begann Dirk Balke als Vertreter der Jury die Laudatio. Masa ist in Danzig geboren und studierte als Bildhauer an der dortigen Kunstakademie, erfuhren die Besucher. Und weil man ‚in der Presse‘ in gekürzter Form nur schwer wiedergeben könnte, was Dirk Balke zusammengefasst hatte, geben wir hier den Rest der Laudatio im Wortlaut wieder:

Dirk Balke hielt als Vertreter der Jury die
Laudatio für den Jurypreisträger.
Foto: Lutz Wulfestieg

Das zentrale Thema seiner künstlerischen Arbeit ist (ich zitiere):

„Der Mensch – sein Leben, seine Lebens-Räume, seine Leidenschaften und Gefühle von Hass bis Liebe, seine Suche nach Gott und seine Sehnsucht nach Spiritualität und Harmonie.“

Seine hier gezeigten Installationen sind einfach und klar in der Zusammenstellung, sowie gleichzeitig komplex und tiefgreifend in Ihrer Ausstrahlung und Botschaft. Wir sehen Menschliche Figuren in weitläufiger Kulisse, theaterartig inszeniert, in Anbetracht Ihres scheinbar kleinen Lebens in der Weite einer ausufernden Welt.
Besonders deutlich zeigt sich die Verlorenheit des Menschen in der Weite der Natur, in dem Werk „Ich werde 70 höchstens achtzig Jahre alt“. Es kommt einem direkt der Mönch am Meer von Casper David Friedrich in den Sinn, der verloren als Sinnbild des menschlichen Daseins vor der riesigen Weite des Meeres steht und von einem gewaltigen Himmel quasi verschluckt wird. Dieses Werk, dass schon mehr oder weniger ins kollektive Gedächtnis der Deutschen Bevölkerung verankert ist, wird hier von Jan Masa auf einfache aber eindrucksvolle Weise zitiert. Eine einsame menschliche Gestalt steht auf einem, in leichtem Schwung gezeichneten Strich – mehr nicht! Die Linie ist gleichzeitig Standort wie Horizont und lässt uns nur erahnen, dass hier eine ganze Welt angedeutet wird. Wie der Mönch am Meer steht hier der Mensch einsam und verloren in der Weite und wir hoffen und fürchten, dass er etwas mit uns selbst zu tun hat. Einerseits wird die Großartigkeit der Welt in der wir leben deutlich, andererseits unsere kleine unbedeutende Existenz im Universum.

Auch wie in dem Werk „Die goldene Stadt“ stehen hier zwar mehrere Menschen zusammen und bilden eine Art Gruppe, trotzdem hat man den Eindruck, jeder ist für sich allein und schaut hinauf zu seinem Sehnsuchtsort, der goldenen Stadt, die unerreichbar erscheint.

Wieder wird durch flüchtige Striche eine Landschaft angedeutet, in diesem Fall ein riesiger Berg. Mit einem Gefälle, dass Einen an die Aufgabe von Sisyphos erinnert, der die Last des Lebens in Form einer riesige steinernen Kugel den Berg hinauf rollen muss und der jedes Mal als er fast oben war die Kräfte verließen und dann von seiner Strafe überrollt wurde und dazu verdammt war, wieder von vorn zu beginnen. So wirken die Figuren vor der goldenen Stadt, die unerreichbar scheint, im Werk von Jan Masa, unentschlossen und verloren.

In Tabula Rasa will uns der Künstler an unser eigenes Leben erinnern, dass vielleicht als Schicksal schon geschrieben steht oder, dass wir wie ein unbeschriebenes Blatt selbst füllen können. Es liegt eine Frage in der Luft -zwischen der kleinen menschlichen Figur und dem großen Buch des Lebens -Was machst Du damit? Was schreibst Du in das Buch des Lebens? – DEINES Lebens? Welche Spuren hinterlässt Du? Wie gibst Du am Ende deines Lebens die Fackel weiter?
Und am Ende steht der goldene Baum mit seinen goldenen Früchten – ein Bildnis, wie aus einer Mythologie, einem Märchen oder Gleichnis. Wir Deutschen, als ein Baum-liebendes Volk, haben viele Erzählungen in dem ein Baum oder ein ganzer Wald eine wichtige Rolle spielt – als Versteck, als Ort des Verirrens, als Ort der Räuber und Eremiten, Als Heimat von Wölfen und Kobolden, als Wohnungsort für Zwerge und Zauberer. Und tief in diesen Wäldern finden wir versteckt und nur den Eingeweihten bekannt, den goldenen Baum mit seinen goldenen Früchten.

Für diese Geschichten und tiefen Fragen haben wir, die Juroren, Jan Masa den diesjährigen Jurypreis vergeben.
Herzlichen Glückwunsch!

Diesem Glückwunsch schließen wir uns von der Redaktion gerne an.

Auch wenn unser Kunstverständnis sicher nicht annähernd an das der Jury heran reicht, ist auch für uns sichtbar, dass sich die Werke von Jan Masa durch eine sich abhebende Klarheit ausdrücken. Aber Kunst liegt ja immer auch im Auge des Betrachters und der Publikumspreis wurde in diesem Jahr nicht während der Vernissage bestimmt. Bis zum letzten Tag, an dem die Erk@Art in diesem Jahr ihre Werke präsentiert, können Besucher abstimmen. Alle Abstimmungskarten werden gesammelt. „Die offizielle Vergabe des Publikumspreises erfolgt dann voraussichtlich in der Ratssitzung im Dezember oder im ersten Kulturausschuss zu Beginn des neuen Jahres“, erklärt uns Lydia Winnik aus der Kulturabteilung der Stadt Erkrath. Es bleibt also spannend.

Spannend ist auch die Vielfalt der ausgestellten Werke, die von der Jury vorausgewählt wurden. Die Jury kennt bei der Vorauswahl die Namen der Künstler nicht. Zusätzlich stammt kein einziges Jury-Mitglied aus Erkrath, um eine größtmögliche Neutralität zu erreichen. Dennoch schaffen es einige Künstler mehrmals in die Erk@Art. Aufgefallen ist uns bei der Vernissage Fotograf Klaus Sobotta und die ‚Wandelbarkeit‘ seiner Fotografien. In den letzten Jahren haben wir schon Bilder gesehen, die von Komplementärfarben bestimmt waren, die ‚Linien‘ verfolgten oder die Geschwindigkeit im Sport eingefangen haben. In diesem Jahr überraschte er mit Winterlandschaften und ‚Bruchstücken‘, die in der Farbe eher an Schwarz-Weiß-Fotografie erinnern. In der Beschreibung werden die drei Fotografien als ‚leise Bilder‘ bezeichnet, die in der Farbe ‚entsättigt‘ sind. Spannend in jedem Fall die Vielfalt zu verfolgen, die Klaus Sobotta in den letzten Jahren präsentiert hat.

Aber neben Sobottas Fotografien und den Werken des Jury-Preisträgers Jan Masa gibt es auf der Erk@Art noch viel mehr zu entdecken und zwischen ‚Klarheit und Entsättigtkeit‘ ist viel für das Auge dabei. In die Erk@Art über die Jury-Auswahl und damit auch in den Genuss der Wahl, die die Besucher als Publikumspreis bestimmen, sind folgende Künstler gekommen:

Henriette Astor & Friedel W. Warhus | Claudia Beiermann | Dagmar Branca | Gerd Clemens | Sabine Clemens | Irmgard Hamacher | Irmgard Haumann | Wolfgang Haumann | Anita Herzog-Graf | Sandra Hoitz | Ulrike Lieb | Heidi Luft | Herbert Marschlich | Jan Masa | Sabine Minkwitz | Henriette Ellen Mittelviefhaus | Werner Rutz | Viktoria Schwarzmann-Bandhuhn | Klaus SLobotta | Irina Trott (Motovilova)

Eine Auswahl der Kunstwerke bei der diesjährigen Erk@Art

(Ein bisschen dürfen unsere Leser auch selbst noch entdecken …)

  • Anzeige

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*