Kinderrechte kreativ umgesetzt

von Ria Garcia

Die neu gestaltete Graffiti-Wand am TSV Jugendzentrum und die jungen Künstlerinnen und Künstler. Foto: Gabriela Klosa

Mit der TSV Ferienspaßwoche „TSV FUN mit Graffiti“ haben Kinder zwischen 9 und 14 Jahren ein vorerst bleibendes Zeichen für Kinderrechte direkt am TSV Jugendzentrum verwirklicht.

„Die Kids haben wirklich tolle Ideen. Man muss für ein solches Projekt aber viel Zeit einplanen“, sagt Gabriela Klosa, Leiterin des TSV Jugendzentrums. Der Projektauftakt begann erst einmal mit einer unvorhersehbaren Panne. Eigentlich sollte es für die Kinder in den Rheinpark nach Duisburg gehen, in dem rund 4.800 qm Wandflächen von 65 Graffitikünstlern gestaltet wurden. Diese Inspiration musste ausfallen. Der Wagen des TSV statt unweit der auf dem Parkplatz abgebrannten PKW und beim Versuch zu starten leuchteten zahlreiche Warnlampen auf. „Sicherheit geht vor und so mussten wir leider umdiponieren“, erklärt Gabriela Klosa. Alternativ sind die Kids dann mit ihren Betreuern zu Fuß losgezogen und haben sich Graffitis angesehen, die in den letzten Jahren in Hochdahl umgesetzt wurden. „Die Erwartungshaltung war aber anders. Das mussten wir erst einmal wieder auffangen“, verrät Klosa.

Zur Ferienspaßwoche hatten sich auch viele Jungen gemeldet, die mit der Vorstellung „man geht mit der Spraydose los und sprüht“ gestartet waren. Schnell mussten auch sie erfahren, dass das Sprayen gar nicht so einfach ist. Zum Sprayen braucht man Kraft. Das mussten vor allen die jüngeren Teilnehmerinnen und Teilnehmer erst einmal erfahren. Teils entstand die Wand dann später auch in Kombination aus gespraytem Graffiti und gemalten Teilen, aber bevor es überhaupt „an die Wand ging“, mussten die Kids erst einmal eigene Ideen entwickeln und Entwürfe erstellen.

Kinderrechte als Thema für die Entwürfe

„Wir haben erst einmal gefragt, wo Kinderrechte den Alltag der Kinder berühren und wo sie auf das TSV Jugendzentrum treffen“, erzählt Klosa. Im Jugenzentrum trifft sich auch das Kinderparlament, sodass es hier auch schon Berührung zu demokratischem Handeln gibt. Ein ganzer Tag war der Ideenfindung gewidmet. Zwei größere Mädchen aus der Gruppe haben die Ideen schließlich zusammengeführt, da es mehrfahr gleich mehrere Ideen und Entwürfe zum gleichen Thema, wie beispielsweise zum Recht auf Freizeit, gab. Der Abstimmungsprozess, welcher Entwurf es jeweils schließlich in die Umsetzung schaffte, fand dann auch wieder sehr demokratisch statt. „Dabei haben sich die Kids mit dem Thema auseinandergesetzt, bevor sie sich schließlich auf einen von drei Entwürfen geeinigt haben“, so Klosa.

Gabriela Klosa erzählt, dass die Kids wirklich gut im Team gearbeitet haben, es aber auch mal Lustlosigkeit gab, dann sei es zum Sport in Halle gegangen. Mit den abgestimmten Entwürfen haben die Kids dann erst einmal grundsätzlich das Sprayen auf Leinwand geübt und die Erfahrung gemacht, dass es beim Sprayen schnell auch mal „Nasen“ geben kann. Geübt wurde auf größeren und kleineren Leinwänden und die Kids konnten ihre ersten Versuche dann auch mit nach Hause nehmen.

Die Farben hatte Klosa in einem Unternehmen für Farben und Lacke in Unterfeldhaus besorgt und sich beraten lassen. „Wir hatten zwar von vorn herein geplant mit Masken zu sprayen, es ist aber noch einmal ein deutlicher Unterschied, ob man Sprühdosen aus dem Baumarkt nimmt oder aus dem Fachhandel“, erklärt sie. Claudia Andraczek und Gabriela Klosa haben die Ferienspaßwoche begleitet. Da beiden die Erfahrung in der Umsetzung von Graffitis fehlte, haben sie Unterstützung von Gabriele Kuert-Klein bekommen. Die Leichtathletiktrainerin des TSV hat schon früher in Graffiti-Projekten mitgewirkt. Möglich wurde das Projekt vor allem durch die Unterstützung des Paritätisches Jugendwerks NRW, denn ganz billig sind die Materialien nicht.

Es geht in die Umsetzung

Ab Mittwoch ging es für die Kids dann an die Wand. „Ich hab so ein bisschen gezittert. Das ist schon ein großes Projekt“, gesteht Gabriela Klosa. Eines der Themen, die den Kindern besonders wichtig waren, ist Schutz und dabei nicht nur der eigene Schutz, sondern auch der anderer Kinder, vor allem geflüchteter.

Die Ideen und die Kreativität der Umsetzung haben am Ende sogar Gabriela Klosa überrascht. In das Recht auf Freizeit hatten die Kids eine Uhr mit der Uhrzeit 15 Uhr eingearbeitet, die ab sofort den Kindern schon draußen signalisiert, dass nach der Hausaufgabenbetreuung um 15 Uhr für alle geöffnet ist. Inbegriffen war sogar die Projektentstehung mit dem Hinweis auf die Kreativität und das Sprayen. „Was mich am meisten überrascht und beeindruckt hat, war die Hervorhebung der Buchstaben TSV in den Worten Respekt, Selbstbestimmung und Privatsphäre. Das war die Idee der Kinder“, freut sich Klosa. Direkt darunter ein Baskettballspieler, der die sportliche Seite des TSV unterstreicht. Aber auch Musik hören und selbst die Pizza, die für den Kochclub steht, sind ins Gesamtwerk eingeflossen.

Während der Arbeit an der Wand gab es direkt auch ein Lob. „Endlich sieht die Wand toll aus“, lobten einige ältere Passanten. Das hat die Kids natürlich noch einmal motiviert. Und wie in der Kunstszene üblich, gab es dann auch eine richtige Vernissage. Die Gäste waren die Eltern der Kids. Vier aus der Gruppe übernahmen die Präsentation und erklärten selbstbewusst und nicht ohne Stolz den Sinn des Gesamtwerks und die Entstehung. Eine Sorge treibt die jungen Künstler und das Team des Jugendzentrum nach Fertigstellung aber um: Alle hoffen, dass keine „wilden Sprayer“ das Kunstwerk zerstören. Auf einen speziellen Schutzlack, der dauerhaftes Übersprühen unmöglich macht, hat man am Ende verzichtet. „Wir hatten uns ja beraten lassen. Der Schutzlack hätte es gleichzeitig erschwert in ein paar Jahren vielleicht auch einmal wieder etwas neues auf die Wand zu bringen“, erklärt Klosa.

Wir drücken die Daumen, dass auch hier „wilde Sprayer“ Rücksicht auf das Werk anderer Sprayer nehmen und das Wandbild so lange erhalten bleibt.

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