
Aufschlag, Satz und (Grill-)Sieg: Wenn die Vereinsmeierei zur Staatsaffäre wird.
Man kennt das: In deutschen Vereinen ist die Tagesordnung heilig, und die Wahl des Kassenwarts gleicht oft einer Papstkrönung. Doch was sich am Mittwochabend in der Erkrather Stadthalle abspielte, sprengte selbst den Rahmen der kühnsten Satzungsdebatten. Es ging um einen Grill. Nur um einen Grill? Weit gefehlt. Es ging um alles.
Ein Rost, zwei Welten
Eigentlich sollte die Mitgliederversammlung des Tennisclubs nur eine Formsache sein: Ein neuer Grill muss her. Doch als der Vorschlag fällt, für das einzige türkische Mitglied einen eigenen, schweinefleischfreien Grill zu finanzieren, mutiert die gemütliche Runde zum ideologischen Schlachtfeld. Was als Akt der Fürsorge beginnt, eskaliert in einem atemberaubenden Aufschlagwechsel der Argumente. Plötzlich steht nicht mehr die Wurst im Vordergrund, sondern die ganz großen Fragen: Wie viel Minderheit verträgt die Mehrheit? Gibt es eine „Grill-Leitkultur“? Und sind Vegetarier eigentlich eine anerkannte Religionsgemeinschaft? In dieser rasanten Dramödie prallten Atheisten auf Gläubige und „Gutmenschen“ auf Hardliner – ein Spiegelbild unserer Gesellschaft, plastisch und bisweilen schmerzhaft komisch vorgeführt.
Das Publikum mittendrin statt nur dabei
Das Besondere an dieser Inszenierung: Die fast 400 Zuschauer in der Stadthalle waren nicht bloß Beobachter. Die fünf exzellenten Schauspieler banden das Publikum von der ersten Minute an als Vereinsmitglieder in das Geschehen ein. Man erlebte hautnah mit, wie sich eine Gemeinschaft innerhalb kürzester Zeit rhetorisch selbst zerlegt.
Die Zuschauer waren begeistert von der Authentizität. „Das Stück hielt sich eng an den bekannten Film und wirkte absolut echt“, stellte Besucherin Anna G. fest. Auch das Ehepaar Uwe und Ronja S. zeigte sich beeindruckt, wenn auch nachdenklich.
Bier, Pfand und die Rettung der Kultur
Zum versöhnlichen Abschluss gab es für das „Vereinspublikum“ sogar ein paar Fläschchen Bier – stilecht mit der Bitte um Rückgabe wegen des Pfands. Ein herrlich bodenständiger Abschluss für einen Abend, der mit stehenden Ovationen und einem verdienten Klatschmarsch endete.
Angesichts der aktuellen Debatten um die städtische Haushaltslage bleibt nur zu hoffen, dass Erkrath sich sein beliebtes Theater weiterhin leistet. Denn wie hieß es so schön am Abend: Kultur streichelt die Seele. Dieses Wohlgefühl sollten wir uns gerade in stürmischen Zeiten nicht nehmen lassen.
Termine zum Vormerken: Wer Lust auf mehr hochkarätige Unterhaltung hat, sollte sich diese Daten rot im Kalender markieren: Am Freitag, den 20.03.26 kommt das immer wieder gerne gesehene Kom(m)ödchen mit seinem neuen Programm „Nö. Eine Entgleisung“ in die Stadthalle Erkrath. Am Mittwoch, den 25.03.2026 kommt das Ensemble des Westfälischen Landestheaters mit der Komödie „Außer Kontrolle“ von Ray Cooney nach Erkrath in die Stadthalle. Die Abteilung Kultur der Stadt verschickt die Karten auch kostenfrei nach Hause. Telefon 0211 240740 09.

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