In der Stadthalle wurde achtsam gemordet

von Timo Kremerius

„Achtsam Morden“ Szenenbild. Foto: © Dietrich Dettmann

Vom Erstlingswerk zum Bestseller, das ist Karsten Dusse mit Achtsam morden gelungen. In der letzten Woche war die Geschichte als Theaterstück in der Stadthalle zu erleben.

Im Juni 2019 erschien Achtsam morden als Buch und schon im Oktober 2019 hatten Erkrather die Möglichkeit Karsten Dusses in einer Lesung aus seinem ersten Buch in der Buchhandlung Weber zu erleben. Das Buch wurde zum Selbstläufer. Achtsam morden hat es darüberhinaus auf die Theaterbühne und sogar zum Dreh einer Netflix-Serie geschafft. Letzte Woche wurde schließlich auf der Erkrather Theaterbühne achtsam gemordet.

Als Karsten Dusse seine Lesung 2019 in der damaligen Buchhandlung Weber, heute Thalia Buchhandlung hielt, wusste er auch nicht welche Lawine er lostreten würde. Die ca. 60 Zuschauer waren aber hin und weg und Dusse fortan auf der Erfolgsspur. Bis heute hat er inklusive dem Erstlingswerk fünf Bücher geschrieben, alle erfolgreich. Das war auch an der Besucherzahl in der Stadthalle abzulesen, die mit mehr als 460 Zuschauern gut gefüllt war. Das lässt auch die Kulturabteilung zuversichtlich auf das laufende Jahr blicken, dessen Kulturprogramm trotz angespannter Haushaltslage für das laufende Jahr bereits geplant ist und wie vorgesehen umgesetzt wird.

Erfreulicherweise wurden einige Theaterstücke dieser Saison sehr gut besucht und auch für die kommenden Veranstaltungen zeigt sich eine hohe Nachfrage. Für einige Veranstaltungen (u.a. Kom(m)ödchen Ensemble) sind die Tickets bereits ausverkauft oder es ist absehbar, dass sie ausverkauft sein werden (u.a. Christian Ehring).

Zu dem Stück. Der gestresste Erfolgsanwalt Björn Diemel besucht auf Wunsch seiner Frau ein Achtsamkeitsseminar bei dem Therapeuten Joschka Breitner. Um seine Work-Life-Balance zu verbessern. Die praktische Anwendung der erlernten Lektionen macht Diemel zum vorbildlichen Musterschüler – spätestens, als er begreift, dass er durch die neu erlernten Techniken nicht nur eine optimale Lösung für seine privaten, sondern auch für seine beruflichen Probleme gefunden hat. Die fatalen Konsequenzen tragen anschließend die nervigen Mandanten des Anwalts, die streng nach den neu erlernten Prinzipien der Achtsamkeit, Stück für Stück beseitigt werden, damit Diemel endlich mehr Zeit für seine Familie hat. Autor Dusse spielt die Klaviatur des schwarzen Humors exzellent, das zeigt sich unter anderem in den leider fatalen Konsequenzen für Diemels Mandanten. Mafiaboss Dragan verlässt den Lebensweg, der für ihn bisher recht unachtsam war für immer. Nach den neu erlernten Prinzipien wird er von Björn Diemel mit höchster Achtsamkeit ermordet. Das gelingt ihm grandios.

Die Befragung der Zuschauer vorab ergab vielfältiges. Einige sind wegen des Titels gekommen und wollten sich unterhalten lassen. Einige kannten das Buch und waren interessiert, wie authentisch das Bühnenstück rüberkam.

Es war eine geniale Vorstellung, die den Zuschauern sicherlich noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Einige von ihnen, hatten wir vor der Vorstellung erfahren, hatten sich vom Titel des Stücks anlocken lassen, andere hatten das Buch gelesen und waren interessiert, wie authentisch das Bühnenstück war. Drei hervorragende Schauspieler, bei denen keiner herausgehoben werden sollte und die mit ihren unterschiedlichen Verkleidungen in viele Charaktere schlüpften und die Bühne rockten, überzeugten schließlich auf der Bühne. Die Zuschauer kamen gar nicht dazu einmal durchzuatmen, aber aufgrund des Schreibstils von Dusse gab es immer etwas zu lachen und kichern, da die Texte teilweise, wie auch im Buch, urkomisch sind.

Die Besucher, die das Buch bereits kannten, waren klar im Vorteil. Auch das Buch musste man sehr konzentriert leben, um die Zusammenhänge zu verstehen. Der schnelle Ablauf im Bühnenstücks machte es für die, die das Buch nicht kennen, schwer. „Wir kennen das Buch nicht und verstehen nicht, worum es geht. Der Zusammenhang ist sehr schwer nachzuvollziehen. Außerdem spricht der Hauptdarsteller zu schnell“, erklärten uns Achim und Regina R., die deshalb zur Pause die Vorstellung verließen. Anders sah es bei Gudrung und Nathalie aus. Gudrun hat alle fünf Bücher gelesen, Nathalie keins. Dennoch waren beide gleich von der Vorstellung angetan und lobten das Stück in höchsten Tönen. Einige andere Zuschauerstimmen spiegelten, dass nicht jedem der Zugang zum Stück gelang und andere hellauf begeistert waren.

Nach den zwei Stunden Vollpower Theater bekamen die drei Schauspieler, die für gefühlte zwanzig Schauspieler gearbeitet haben, einen frenetischen langanhaltenden Applaus, der von zahlreichen Bravo Rufen unterbrochen wurde. So etwas gibt es in der Stadthalle nicht so oft. Hier hat das Kulturamt wieder einen Glücksgriff getätigt. Zukünftige Stücke dieser Saison müssen sich an der Veranstaltung vom letzten Mittwoch messen lassen.

Am Mittwoch, den 25.02.26 kommt die „Extrawurst“, eine Dramödie in die Stadthalle Erkrath. In dem Stück von Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob spielen unter anderem Gerd Silberbauer, Daniel Pietzuch, Matthias Happach und Susanne Theil. Die Abteilung Kultur der Stadt verschickt die Karten auch kostenfrei nach Hause. Telefon 0211 240740 09.

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