Ich bin für die Freude zuständig …

von Ria Garcia

Freude und andere Gefühle ist der Titel der gemeinsamen Ausstellung von Anna Owsiany-Masa und Klaus Stecher. Foto: Ria Garcia

… und Anna für die anderen Gefühle. So sagte es Klaus Stecher (Klasté) vor Ausstellungsbeginn. Kunst ist immer auch Emotion, hat Anna Owsiany-Masa ergänzt. Aber das ist einfach ausgedrückt. Dahinter verbirgt sich viel mehr.

Die Ausstellung mit dem Titel „Freude und andere Gefühle“ lädt nicht nur zum vertieften Anschauen ein, sie lädt auch ein, sich einzulesen und sich mit Emotionen zu befassen. „Wir haben kein gemeinsames Thema gemacht“, finden aber, dass wir im Kontrast Freude, den ich abbilde, und anderen Gefühlen, die Anna einbringt“, erklärt Klaus Stecher. Er selbst möchte mit seiner Kunst die Menschen in erster Linie erfreuen. Kunst müsse für ihn Freude bereiten. Ihm selbst, aber auch dem Betrachter der Kunst. Das ist ihm wichtig. Selbst ist er in einem Alter, in dem er noch Erinnerungen an traurige Nachkriegszeiten hat. „Ich mache keine Probleme“, fasst er deshalb zusammen, was er in seinem künstlerischen Schaffen nicht abbildet.

Stecher liebt das Ursprüngliche, ist fasziniert von der Höhlenmalerei unserer Vorfahren aus grauer Vorzeit. Auf seinem Nachttisch liegen immer Stift und Papier bereit. „Ich habe eine wunderbare Frau, die mir morgens einen Kaffee ans Bett bringt“, verrät er. Oft hätte er dann morgens im Bett die besten Einfälle für Texte, die er sofort zu Papier bringt.

Das Ursprüngliche spiegelt sich in seiner gesamten Kunst. Es sind die einfachen Elemente, die er abbildet, ob großformatig in Bildern oder seit einigen Jahren vermehrt in kleinen Text-Bild-Büchlein oder Leporellos, die einmal Geschichten aus dem Leben erzählen und ein anderes Mal der Fantasie freien Lauf lassen, wie in „Der Präsident“. In der Geschichte, die sich auf den amerikanischen Präsidenten bezieht, spinnt er den Gedanken „Wenn ich Präsident wäre“ weiter und macht aus „Amerika first“ kurzer Hand „Art first“. Geschrieben hat er die humorvolle Geschichte bevor Präsident Trump wieder gewählt wurde. „Das war Klaus richtig visionär“, lacht Anna Owsiany-Masa über das Ende der Geschichte, das wie folgt lautet: „Bestimmt bekomme ich den Friedensnobelpreis oder werde heilig gesprochen.“ Dieses kleine Beispiel zeigt, wieviel Humor in Klastés Kunst steckt.

Wirft man dann einen Blick auf die großformatigen Bilder, die er mit in die Ausstellung eingebracht hat, erkennt man, was er mit „Ursprünglichem“ meint. Sie wirken fast selbst wie Höhlenmalerei oder Verzierungen auf alten Tonkrügen. Dabei malt er nicht nur, er nutzt teils auch Materialien, die eher typisch für unsere moderne Welt des Überflusses im Onlinehandel sind. Er baut Kollagen aus zerschnittenem und grafisch wieder zusammengefügtem Karton, den er – wie in der Malerei – mit farbigen Akzenten versieht und doch in allem immer wieder die ganz ursprüngliche Bildsprache nutzt.

Die anderen Gefühle

„Das ist schon unsere dritte gemeinsame Ausstellung“, erzählt uns Anna Owsiany-Masa. „Wir haben gemerkt, dass wir uns wunderbar in unserer Kunst ergänzen.“ Mit ihrer Kunst wolle sie überhaupt nichts. Für sie sei Kunst ihr Ventil Gefühle und Erlebnisse zu verarbeiten. „Kunst ist für mich eine Form von Selbstreflektion und Selbsttherapie“, erklärt sie. Besonders deutlich wird das anhand einer Serie von Bildern, die von ihrem Vater nach dessen Tod gezeichnet und gemalt hat. Das aktuellste ist in der Ausstellung zu sehen. „Mit dieser Zeichnung habe ich meine Trauerphase abgeschlossen“, sagt sie uns. Ganz so einfach, wie Klaus Stecher für sich Kunst mit Freude verbindet, sei das allerdings nicht. „Auch wenn er am Ende in seinen Texten Freude ausdrückt, beschäftigt er sich ja auch mit den anderen Gefühlen.“ Sie selbst sei direkter. „Was mich beschäftigt, bilde ich in der Zeit, in der ich auf Erden sein darf, ab.“

Aufgewachsen ist Anna Owsiany-Masa auf dem Gebiet des Warschauer Ghettos. Als Kinder hätten sie damals Scherben ausgegraben. Das sei etwas, was sie mit sich klären wolle. „Menschen ignorieren allzu leicht die Lehren aus der Geschichte“, sagt sie dazu. Wir müssten uns fragen, welche Folgen es habe, wenn wir heute nicht für den Frieden kämpfen. Ihre Kunst sei eine Auseinandersetzung mit einem breiten Fächer der Gefühle. Durch eines von Annas Bildern fühlt sich Klaus Stecher traurig an die Krieg erinnert. „Ich könnte so etwas vom Leben belastetes nicht darstellen“, gesteht er. Bei dem Bild müsse er an die eigene Mutter denken, wie sie der Familie selbstlos gedient habe. „Deshalb habe ich wohl die Tendenz zur Freude“, erklärt er seinen anders gelagerten Kunstansatz.

Ausgestellt sind auch viele Aktzeichnungen von Anna Owsiany-Masa. Das seien Gefühle in der nackten Form. Die Modelle würden ihre jeweilige Pose selbst konzipieren. Drei andere Bilder, die untereinander hängen, bilden für sie die Phasen des Glücks ab. Der Kuss eines verliebten Paares, die Schwangerschaft der Frau und schließlich eine Frau mit ihrem Baby. Das letzte Bild zeigt, dass die Phasen des Glücks nicht verlässlich sind, dass Leid nach beim Glück liegen kann, wenn Not oder Hunger das Leben bestimmen.

Mit in die Ausstellung hat sie eine Serie von Bildern zum Thema Märchen gebracht. Die seien Teil eines Projekts mit anderen Künstlern gewesen. Märchen vermitteln Freude als Botschaft, hätten aber auch viele dunkle Aspekte des Lebens zum Inhalt. „Ich habe die Gabe des Vergessens. Mir sind immer nur Segmente der jeweiligen Märchen in Erinnerung geblieben“, so Anna Owsiany-Masa. Als die Bilder entstanden, habe sie sich gefragt, wie naiv Rotkäppchen war. „Die Bilder sind mein erwachsener Blick auf die Märchen. Ich hatte einen Riesenspaß dabei“, verrät sie. Kunst sei heute ihre „gemütliche Nische im Leben“, nachdem sie über Jahrzehnt beruflich als Grafikerin im Auftrag anderer gearbeitet habe, genieße sie heute die große künstlerische Freiheit. Zwar nutzt Anna Owsiany-Masa überwiegend die Bildsprache, dass sie aber durchaus auch die Kunst des Textes beherrscht, drückt eine Erläuterung aus, die sie zur Serie der Märchenbilder gehängt hat und die wir hier unseren Lesern nicht vorenthalten wollen:

„Faszination Märchenwelten!
Märchen – jene wundersamen Geschichten mit unscharfen Grenzen zwischen Realität und Fantasie – haben bestimmt nicht nur meine Kindheit stark geprägt.
Zunächst wurden sie uns Kindern vorgelesen, später, als wir schon die Kunst des Lesens beherrscht hatten, lasen wir sie gierig selbst. Die Welt schien damals für uns grenzenlos zu sein – gefüllt mit fliegenden Teppichen, winzig kleinen, aber dafür umso tapfereren Wesen,· mit Menschen, die sich problemlos in andere Formen verwandeln konnten oder in der Lage waren, sich in einem Augenblick Tausende Kilometer zu versetzen, mit Zauberern und Drachen – kulturübergreifend, phantasieerregend, vermittelten sie auch den Ausdruck der auf der Welt angestrebten Gerechtigkeit! Die sich nicht selten oft brutal entwickelnden Szenarien innerhalb der Märchen nahmen unerwartet einen guten Ausgang.
Die unerreichbar scheinenden Wünsche gingen in Erfüllung. Die Armen wurden reich. Die Hässlichen verwandelten sich in Schönheiten. Die Bösen wurden bestraft und die Klugheit sowie Aufrichtigkeit der Einzelnen wurde belohnt.
Alles war in den Märchenwelten möglich und nichts hat bei uns wirklich Skepsis hervorgerufen.
Zurückblickend stelle ich fest, dass die gelesenen Märchen unauffällig zur Bildung meiner ersten ethischen Prinzipien und der Weltanschauung beigetragen haben. Aufgrund der Lebensereignisse musste das Idealbild leider nach und nach von mir korrigiert und der Realität angepasst werden.
Im Laufe der Jahre sind auch Märchen in meinen Erinnerungen verblasst.
Die Handlungen der einzelnen Geschichten haben sich immer mehr in einer homogenen Masse verbunden.
Diese unscharfen Erinnerungen sind Basis für die Entstehung meiner hier präsentierten Bilder geworden, In denen sich meine Faszination für märchenhafte Symbole manchmal mit dem erwachsenen Blick und gewissem Augenzwinkern vereint.“
Anna Owsiany-Masa

Freude und andere Gefühle: Ausstellung von Anna Owsiany-Masa und Klaus Stecher | Dauer: 14. Februar – 01. März 2026 | Öffnungszeiten: samstags 14., 21. und 28. Februar von 14 bis 18 Uhr und sonntags 15. und 22. Februar sowie am 1. März von 11 bis 18 Uhr im KunsTHaus Erkrath, Dorfstraße 9-11

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