Hospizverein schaut auf zwei Jahre zurück

Hochdahler Hospizverein

Mitgliedersammlung vom Hospizverein/ Foto: Andreas Feller

Zwei Jahresrückblicke in einer Mitgliederversammlung – das hat es bisher in der 32-jährigen Geschichte des Franziskus-Hospiz e. V. Hochdahl wohl noch nicht gegeben: Es war der Tatsache geschuldet, dass die Mitgliederversammlung 2020 wegen der Corona-Pandemie zwangsläufig ausfallen musste.

Deswegen ließ Vereinsvorsitzender Christoph Herwald am 12. August die Hospizarbeit von 2019 und 2020 Revue passieren. Dazu waren mehr als 50 Vereinsmitglieder ins Hochdahler Paul-Schneider-Haus gekommen. Sehr gut eingestimmt wurden die Teilnehmer durch einen Video-Clip aus der Reihe „Pflege-Held:innen“ der Marienhaus GmbH: In drei Minuten erklärte die junge Fachpflegerin Franziska Lichan, warum sie ihre Arbeit und das Team-Gefühl im stationären Bereich des Franziskus-Hospizzentrums besonders schätzt.

Hospizleiterin Silke Kirchmann und Geschäftsführer Christoph Drolshagen kombinierten ihre Jahresrückblicke mit der Aussicht auf wichtige Zukunftsaufgaben im Franziskus-Hospizzentrum (FHH) – so die Neuausrichtung der Ehrenamtsarbeit wie auch das geplante Tageshospiz: Dazu haben die Umbauarbeiten inzwischen begonnen. Fertiggestellt wird die neue Einrichtung, die zunächst für zwei Tage der Woche geöffnet werden soll, voraussichtlich im Frühjahr 2022. Geschäftsführer Christoph Drolshagen erinnerte daran, dass das Franziskus-Hospiz bereits bis 2005 ein Tageshospiz hatte. Inzwischen seien dafür die gesellschaftliche Akzeptanz und damit die Nachfrage sowie die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen günstiger und erfolgversprechend.

Koordinatorin Kornelia Smailes, die seit Jahresbeginn den ambulanten Kinder- und Jugendhospizbereich leitet, stellte die Besonderheit ihrer Arbeit vor: Anders als im Erwachsenbereich fange Kinderhospizarbeit schon dann an, wenn eine lebensbedrohliche Krankheit diagnostiziert werde. Die Begleitung betreffe dabei die ganze Familie, vor allem auch die oft ins Hintertreffen geratenen Geschwisterkinder – eine sehr komplexe Aufgabe, die aufgrund ihrer zeitlichen Ausdehnung meist zwei ehrenamtliche Helferinnen (EA) pro Familie erfordere. Dafür sei das FHH (mit derzeit 14 fachlich kompetenten EA) jedenfalls gut gerüstet.

Die Mitgliederversammlung kam nicht ganz ohne Zahlen und Leistungsfakten aus: Trotz der Corona-Pandemie, die ab März 2020 das Hospizteam vor große Herausforderungen stellte, war das Stationäre Hospiz 2020 mit 93,4 % (und 2019 mit 89,1 %) gut ausgelastet. Vereinsvorsitzender Christoph Herwald erinnerte außerdem an besondere Ereignisse im Hospizleben der beiden Jahre: Im Juni 2019 sorgte ein zahmes Pferd im Hospiz für Aufsehen, weil es mit seiner Halterin den Bewohnern einen Besuch abstattete und sehr zutraulich auf sie zuging, was großen Anklang fand. Im Jahr 2020 feierte das Stationäre Hospiz sein 25jähriges Jubiläum. Immerhin konnte die Hälfte der geplanten Jubiläums-Veranstaltungen (trotz der sich ausbreitenden Corona-Pandemie) in kleinerem Rahmen dennoch stattfinden. Hospizleiterin Silke Kirchmann freut sich darüber, dass das Hospiz – dank einer großzügigen privaten Spende – seit 2019 auf eine neue Produktionsküche wie auch eine neue Bewohnerküche zurückgreifen kann.

Hauptamtliches und ehrenamtliches Engagement in schwierigen Zeiten

Covid-19 bedeutete im Hospizleben 2020 eine große Zäsur. Wegen der hohen Ansteckungsgefahr mussten Kontakte zwischen Hospizgästen und Zugehörigen, aber auch zwischen Gästen und haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden eingeschränkt werden. Letztere mussten schweren Herzens ihr Engagement stark reduzieren. Dennoch haben die EA in den letzten beiden Jahren – rechnet man die schwierigen Umstände mit ein – sehr viele (qualitative hochwertige) Arbeitsstunden geleistet. Ihnen dankte Christoph Herwald und Geschäftsführer Christoph Drolshagen für den großen Einsatz. Drolshagen ergänzte: „Ich bin heilfroh, dass wir durch anfängliche Reglementierung der Besucherzahlen recht schnell wieder für unser Hospiz 2020 eine Öffnungsperspektive hatten.“

Hospizleiterin Silke Kirchmann zeigte interessante neue Ansätze auf, wie die ehren-amtliche Arbeit – paradox formuliert als „absichtliche Absichtslosigkeit“ – etwa mit regelmäßigen „Stammtischen“ und handwerklichen Arbeiten das Miteinander mit Hospiz-gästen künftig intensivieren könnte. Großer Dank galt dem hauptamtlichen Team im stationären wie auch im ambulanten Hospizdienst, letztere vertreten durch Koordinatorin Claudia Schmitz. Dank des AHPB-Teams und den EA wurden selbst im Coronajahr 2020 mehr als 100 Menschen am Lebensende ambulant begleitet. Auch das Palliative-Care-Team um Sebastian Pietschek habe Großartiges geleistet: 2020 wurden im Auftrag der SAPV Mettmann-Süd 151 schwerstkranke Patienten (in 5617 Einsätzen!) begleitet.

Am Ende des Abends wurde zwei neue Vorstände gewählt, ferner wurde Vereins-vorsitzender Christoph Herwald in seinem Amt bestätigt. Nicht mehr zur Wahl als dessen erster Stellvertreter stellte sich Siegfried Thiel. Seine Nachfolge tritt künftig Wolfgang Soldin (der viele Jahre Filialdirektor der Kreissparkasse Erkrath war) an.  Auch Inge Masa gab ihren Vorsitz als Schriftleiterin ab. Zu ihrer Nachfolgerin wurde Claudia Dickie gewählt. Für ihre besonderen ehrenamtlichen Verdienste im Franziskus Hospiz eV. Hochdahl wurden Elfriede Wirtz und Hedi Hinnenberg geehrt und mit einem Blumenstrauß beschenkt.

Auch die traurigen Ereignisse des Juli 2021 kamen zur Sprache: Angesichts der Flutkatastrophe im Ahrtal, wo das Büro des Hospiz-Vereins Rhein-Ahr e.V. durch starke Wasserschäden dauerhaft unbenutzbar wurde, möchte der Hochdahler Hospizverein ein Zeichen der Solidarität setzen. Christoph Herwald: „Deshalb haben wir 10.000 Euro für unsere Hospiz-KollegInnen im Ahrtal gespendet“.

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