Harter Brocken ‘Schulentwicklung’

von Ria Garcia

Foto: LW

‘Wir müssen öfter miteinander reden’, könnte ein Fazit von Politik und Schulleitungen aus der Schulausschusssitzung am Dienstag sein.

Bevor es unter TOP 4 der Tagesordnung um die Schulentwicklung ging, gab es unter TOP 3 Berichte der Verwaltung. Beigeordneter Michael Pfleging teilte mit, dass mit Jakob Eich, die Abteilungsleitung Schule neu besetzt werden konnte. Anschließend gab er einen kurzen Überblick über die Situation geflüchtete Menschen aus der Ukraine in Erkrath. Rund 350 hat Erkrath bereits aufgenommen. “19 Kinder davon werden bereits in einer Willkommensklasse im Schulzentrum Rankestraße beschult”, führt Pfleging aus. Unterstützt wird der Unterricht in der Willkommensklasse durch den Verein Du-Ich-Wir, der Lehrkräfte mit deutsch-ukrainischen Sprachkenntnissen stellt. Neun ukrainische Kinder besuchen inzwischen eine Grundschule. Allein diese Zahlen machen deutlich, dass es in der Schulentwicklung immer wieder auch sehr kurzfristige Veränderungen gibt.

Fachbereichsleiterin Julia Wallborn informierte anschließend über die Anmeldezahlen an den weiterführenden Schulen: Realschule Erkrath: 59, Realschule Hochdahl 54, Hauptschule Hochdahl 36. “Damit konnten an allen drei Schulen zwei Eingangsklassen gebildet werden.” Anmeldungen für die Gymnasien gab es in Alt-Erkrath 120 und in Hochdahl 105. Die Anmeldungen in umliegenden Gesamtschulen schätzte sie als rückläufig ein. In Haan seien es 8 Kinder aus Erkrath, in Hilden 12 und in Mettmann 2. Im Vorjahr seien es noch 6 Anmeldungen in Haan und 62 in Hilden gewesen, informierte sie den Ausschuss. Erfreut sei man darüber, dass es für die kommende ‘Lernkiste’ bereits 179 Anmeldungen gäbe und deshalb 15 Gruppen gebildet werden können. Die Förderung sei beantragt und auch schon bewilligt worden.

Schulentwicklungsplan für die Schuljahre 2022/2023

Zu Beginn des Tagesordnungspunktes erinnerte Michael Pfleging noch einmal daran, dass es im November 2021 in der Schulausschusssitzung eine ausführliche Debatte gegeben hatte. Kritikpunkte und Anmerkungen hätten Aufnahme gefunden. Inzwischen hätte mit dem Fachbereich 65B (Immobilienmanagement) eine Begehung der Schulen (mit Ausnahme Realschule und Gymnasium Erkrath, sowie Grundschule Sandheide) stattgefunden, bei der der Sanierungs- und Erneuerungsbedarf erfasst wurde. Dazu gehörten auch die Toilettenanlagen, wenn auch nicht allein. Betrachtet wurden auch Differenzierungsräume und die Essenssituation in den Schulen. “Alle Schulgebäude stammen auch einer Zeitepoche”, wies Pfleging auf das Alter der Gebäude hin. “Das ist insgesamt eine große Herausforderung für die Stadt. Heutzutage wird definitiv anders gebaut”, erklärte er, dass inzwischen die Qualitätsanforderungen an Schulneubauten ganz andere seien.

Anwesend war gestern auch Frauke Gier von der Gebit, die im Auftrag der Stadt die Schulentwicklungsplanung erstellt. Sie ging in einer Präsentation auch auf die Veränderung der Schülerzahlen durch das Neubaugebiet Wimmersberg ein, bei dem aktuell mit der Fertigstellung von 270 Wohneinheiten in 2025 ausgegangen wird, von denen ein großer Teil kleinere Wohneinheiten für Senioren sein wird. Mit der Annahme, dass es sich bei Familien, die eine Wohnung am Wimmersberg beziehen werden, um 100 Prozent Zuzüge aus anderen Städten handeln würde, ergäbe sich am 2025 etwa eine halbe Klassenstärke zusätzlicher Grundschulkinder für die erste Klasse. Diese Annahme gälte es künftig aber sukzessive zu überprüfen, wenn der Zuzug eintritt.

Viele neue Parameter in der Schulentwicklung

In der Schulausschuss-Sitzung wurde durch die Ausführungen von Michael Pfleging, Frauke Gier, aber auch durch Anmerkungen der Schulleiter klar, dass ‘die Baustelle Schulentwicklung’ groß ist und sich ständig veränderten Bedingungen unterziehen muss. Vom Ausbau zu Ganztagsunterricht, über die Rückkehr zu G9 an den Gymnasien, hin zum beschlossenen OGS-Anspruch und der nicht wirklich kalkulierbaren Zahl an hinzukommenden Schülerinnen und Schülern aus geflüchteten ukrainischen Familien. Von der Unterbringung Geflüchteter bis hin zu Kita-Plätzen sind auch außerhalb des Bereichs Schule die Herausforderungen gewachsen.

Mit dem Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in den Schulen ab 2026 ergibt sich ein ganz neuer Raumbedarf an den Schulen, den Pfleging überschlägig berechnete. Bei einer Ausgangslage von 200 Schülern ergäben sich, wenn man 50 Prozent OGS-Nutzung rechne, vier zusätzliche separate Räume. Für eine darüber hinausgehende Nachfrage könnten Mehrzweckräume genutzt werden. Die neue Grundschule in der Sandheide werde aktuell mit einer Nachfrage von 100 Prozent geplant und damit ein entsprechend großer Essbereich, der eine entspannte Einnahme des Mittagsessens erlaube und abends möglicher Weise auch für Elternveranstaltungen genutzt werden könnte. Die Umgestaltung an den anderen Schulen sei auch durch Baugrenzen schwierig, aber es gäbe schon gute Überlegungen, so Pfleging. Grundsätzlich plane man die Einnahme des Mittagsessens im Drei-Schichtbetrieb. Zur Erklärung rechnete er den Platzbedarf vor (2 m² pro Kind, zzgl. Ausgabebereiche u.a.).

Politik gegen Drei-Schichtbetrieb beim Mittagessen

Genau diese Planung traf in der Politik auf keine große Gegenliebe. Gerade im Schulausschuss sitzen viele Kommunalpolitiker die selbst im Schulbereich tätig sind oder waren. Sandra Gehrke (SPD, selbst Lehrerin) meldete sich mehrfach zu Wort und wies auf die Probleme im Drei-Schichtbetrieb hin, bei dem die letzte Gruppe erst um 14.30 Uhr ihr Mittagsessen bekäme. “Die letzte Gruppe hat den Magen dann schon auf den Socken hängen”, fand sie deutliche Worte. Ziel solle ein Zwei-Schichtbetrieb sein, bei dem die Essensbereiche auch multifunktional geplant werden könnten. Darin stimmte die Mehrzahl der Ausschussmitglieder mit ihr überein.

Andrea Stracke-Knitsch brachte einen Antrag der Grünen ein, der eine Abänderung des Beschlussvorschlags der Verwaltung vorsah. “Die Aussage zur 100-prozentigen Erfüllung des OGS Anspruchs fehlt in der Beschlussvorlage. Deshalb stellen wir diesen Antrag”, kommentierte sie. Der Antragstext indes führte zu Diskussionen, da er offensichtlich für viele missverständlich war.

Erhöhter Raumbedarf und Sanierungen

Neben den Anforderungen zur Erfüllung des Anspruchs auf Ganztagsbetreuung drehte sich die weitere Diskussion um den Raumbedarf und Sanierungsrückstände in allen Schulen. Bemängelt wurde im Ausschuss auch, das immer wieder Themen im Bauausschuss behandelt würden, die auch in den Schulausschuss gehörten. Das sei auch aktuell der Fall, denn der Bauausschuss tage am Folgetag mit einer umfassenden Sanierungsliste der Schulen. Marc Hildebrand (CDU) regte an, den Schulausschuss und den Bauausschuss in diesen Fällen künftig gemeinsam tagen zu lassen.

Christian Ritt stellte die Überlegung der BmU, den Standort Schmiedestraße später für die Realschule Hochdahl zur Verfügung stellen, um die beengte Raumsituation am Schulzentrum Rankestraße langfristig zu entspannen. Den Vorschlag fand auch Sabine Georg von den Grünen ‘charmant’, die gleichzeitig von den anwesenden Schulleiterinnen und Schulleitern wissen wollte ‘wie sie sich in der vorliegenden Planung aufgehoben fühlen’.

Die Schulleiter kommen zu Wort

Uwe Heidelberg, Leiter der Realschule Hochdahl, wollte wissen ‘ob es ein Versehen sei, dass die Realschule Hochdahl nicht im Beschluss enthalten sei’. “Sind unsere Vorschläge berücksichtigt worden?” Michael Pfleging verwies auf Seite 121 der Schulentwicklungsplanung und darauf, dass ‘man ja in engem Austausch sei’. Ulla Winz, Sprecherin der Grundschulen, bemerkte: “Wir konnten positiv vermerken, dass detailliert gefragt wurde und eine intensive Begehung stattfand.”

“Wir haben mit dieser Version noch Probleme”, bemerkte Andreas Kleingrothe für das Gymnasium Hochdahl. Aus der Planung sei immer noch zu lesen, dass das Gymnasium Hochdahl gut aufgestellt sei. “Bei vollständiger Rückkehr zu G9 fehlen uns Räume”, erinnerte er an die Situation. “Aus dem derzeitigen Raumbestand können wir unser Schulprogramm künftig nicht fahren.”

Ulrike Stamm-Kopplow, Schulleiterin der Realschule Erkrath, fürchtete, dass in den kommenden Jahren an ihrer Schule keine Sanierungen erfolgen und bis dahin nicht nur die Heizungsanlagen keinen Standards mehr entspricht. Nicole Gollata, Schulleiterin der Grundschule Erkrath erinnerte daran, dass die Grundschulen in der Vergangenheit schon Fachräume an die OGS abgetreten haben. Man müsse auch auf die Schulkonzepte schauen, ‘Schule neu denken’, führt sie aus. “Wir reden von Räumen. Je mehr Kinder da sind, desto mehr wird auch das Außengelände der Schulen gebraucht.” Ein Dank ging an die Politik, die die Kinder in ihren Diskussionen im Blick behält.

Gemeinsamer Antrag nach Sitzungsunterbrechung

Einig waren sich die Ausschussmitglieder, dass eine Planung mit 50 Prozent Bedarf für künftige OGS-Plätze zu niedrig sei und dass der Drei-Schicht-Betrieb für das Mittagessen nicht anzustreben sei. In einer Sitzungsunterbrechung berieten die Fraktionen deshalb, wie man – ausgehend vom Ursprungsantrag der Grünen – zu einer gemeinsam getragenen Lösung kommen könnte.

Die stellte Marc Göckeritz beim Wiedereintritt in die Sitzung für die Fraktionen der Grünen, CDU, SPD, BmU, Linke und FDP vor. Geeinigt hatte man sich auf eine Planung mit einem 75 Prozent Bedarf an OGS Plätzen. Außerdem solle jede Grundschule einen eigenständigen Mittagsessbereich erhalten, der möglichst Zwei-Schichtbetrieb betrieben und multifunktional genutzt werden kann. Die Abstimmung des Antrags war einstimmig.

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