Happy Birthday: 30 Jahre Kindertrödel im Paul-Schneider-Haus

Die Trödel-Queens Monika Löttgen (l.) und Nicole Hahn bilden das Orga-Team hinter den Kindertrödelmärkten. Foto: Ria Garcia

Vor 30 Jahren von Doris und Jürgen Treiber und Birgit Horlitz ins Leben gerufen, erfreut sich der Kindertrödel-Markt im Paul-Schneider-Haus immer noch großer Beliebtheit und das liegt vor allem an dem genialen Konzept dahinter.

Die Kinder von einst gehörten heute als Erwachsene und Jugendliche zum Helferteam, das rund 100 Menschen aus der evangelischen Kirchengemeinde Hochdahl umfasst. 30 bis 50 davon sind rund um einen der Trödelmärkte im Einsatz, die zweimal jährlich stattfinden. „Es kann ja immer sein, dass jemand keine Zeit hat, krank oder in Urlaub ist“, erklärt Monika Löttgen, die mit Nicole Hahn seit 10 Jahren das Orga-Team des Trödelmarkts bildet. Wer die beiden sucht, weil er fragen hat, erkennt sie am T-Shirt, das die Aufschrift ‚Trödel-Queen‘ trägt. Am Samstag (29. März 2025) öffnen sich die Türen zum Kindertrödelmarkt wieder von 14 bis 17 Uhr. „Oft stehen schon 200 Menschen in der Schlange, bevor wir die Türen öffnen“, sagt uns Monika Löttgen im Gespräch.

Ingesamt besuchen an einem solchen Tag durchschnittlich 500 Menschen den Kindertrödelmarkt im Paul-Schneider-Haus, das fast komplett dafür in Anspruch genommen wird. In einem Raum im Erdgeschoss warten Kinderfahrräder, Bobbycars und ähnliches. Hier ’schiebt‘ ein Ehrenamtler Dienst, der beruflich in diesem Umfeld tätig war und regelmäßig seinen Werkzeugkasten mitbringt, um ‚hier noch einmal nach der Bremse zu schauen oder da den Sattel festzuziehen‘. Im Flur warten Hüpf- und Springtiere, Kinderstühle und ähnliches. Auch Schul- und Sporttaschen sowie Ski- oder Regenkleidung haben dort ihren Platz. Überhaupt hat bei diesem Kindertrödelmarkt alles seinen Platz. Keine bunt durcheinander gewürfelten Sachen oder reine ‚Wühltische‘. Alles ist vorsortiert und ansprechend, wie in einem Kaufhaus präsentiert. Auf Kleiderständern und Verkaufstischen ist alles feinsäuberlich nach Größen und Kleidungsart geordnet. Hier findet man alles, was kleine Menschen bis 12 Jahre so brauchen, bis hin zum Kommunions- oder Konfirmationskleid, aber auch hin zu Kostümen. „Kinder verkleiden sich das ganze Jahr über gerne“, lacht Nicole Hahn.

Seitlich ist eine ganze Tischreihe Spielsachen gewidmet, die wiederum sortiert sind, nach Holzspielsachen, Lego, Duplo, Playmobil, bis hin zu Plüschtieren usw. „Das ist der Reich von Christa Stobe, sie ist mit mir zur Schule gegangen“, verrät Nicole Hahn. Seit 20 Jahren sind beide bei den Trödelmärkten dabei. „Unsere Kinder sind hier groß geworden.“ Dementsprechend wissen die beiden natürlich auch sehr gut, welche Sachen für welches Alter geeignet sind und Christa Stobe berät die Käuferinnen und Käufer gerne. Während am Freitag unentwegt ’neue Ware‘ angeliefert wird, wird alles, was in die ‚oberen Verkäufräume‘ kommen soll, heraufgebracht. Oben nehmen sich die Helferinnen und Helfer die Kisten vor und sortieren sie an die passenden Plätze. Die jüngste Helferin ist gerade einmal acht Jahre. Sie ist von klein auf mit ihrer Mutter beim Trödelmarkt gewesen und hilft nun mit großer Freude bei den Vorbereitungen. Im Nebenraum finden sich vor allem Bücher, Puzzle und Gesellschaftsspiele. Auch die sind fein säuberlich geordnet. In einem Hinterzimmer werden die Kartons und Kisten gestapelt, in denen die Sachen angeliefert wurden. Martina Herzog hat diesen Raum unter sich. Niemand kann so gut so viele Kartons ordentlich unterbringen. Sie ist im Team sozusagen die Fachfrau für Logistik.

Nachhaltigkeit inbegriffen

Nachhaltig ist das Ganze natürlich auch noch. „Manchmal sehen wir verkaufte Kleidungsstücke ein oder zwei Jahre später wieder hier“, sagt uns Nicole Hahn, während wir durch die Räume des Paul-Schneider-Haus gehen. Was gut erhalten ist, wird in seinem Lebenszyklus meist von mehr als nur zwei Kindern getragen. Dort, wo an anderen Tagen Menschen im Gottesdienst sitzen, ist vorübergehend ein riesiger Verkaufsraum entstanden. Was es bedeutet die Verkaufstische, Regale und Kleiderständer herzuschaffen und aufzubauen, lässt sich gut vorstellen und die müssen dann auch noch mit den angelieferten Verkaufssachen nach einem streng eingehaltenen Ordnungsprinzip gefüllt werden. Hier hat wirklich alles seinen festen Platz, was es den Trödelmarktbesuchern einfach macht, das zu finden, was sie brauchen.

„Manchmal kommt eine ganze Familie und jeder hat von vorn herein den Auftrag nach ganz bestimmten Sachen zu schauen. Die teilen sich dann auf, um die besten Sachen zu finden“, weiß Monika Löttgen von vergangenen Trödelmärkten. Ohne so ein großes Helferteam wäre all das nicht möglich. Sie agieren, wie eine große Familie und so fühlen sie sich während der Trödelmärkte mit Vor- und Nachbereitung sicher auch. Da gibt es dann freitags nach der Anliefer- und Sortierzeit ein gemeinsames Essen und auch schon einmal ein Gläschen Sekt und Samstag in der Früh stehen alle wieder am Start, kümmern sich von 10.30 Uhr bis 12 Uhr noch einmal um die Warenpräsentation und machen dann gemeinsam Mittagspause, bis um 14 Uhr die Türen für den Verkauf geöffnet werden.

Nachahmenswert: Geniales Konzept für Indoor-Trödelmärkte

Ein wohlgeordnetes Verkaufskonzept, feste Preise für die Waren, ein Team, das sich um alles kümmert. Anders, als bei den meisten anderen Trödelmärkten stehen im Paul-Schneider-Haus nicht die Anbieter der gebrauchten Kindersachen, Bücher und Spiele an einzelnen Verkaufstischen. Sie liefern ihre Sachen ab, die dann vorsortiert an Verkaufsständen vom ehrenamtlichen Team an den Mann oder die Frau gebracht werden. Nach dem jeweiligen Trödelmarkt holen sie nicht verkaufte Waren wieder ab und rechnen mit dem Veranstalter, der ev. Kichengemeinde Hochdahl, ab. 15 Prozent der Verkaufserlöse gehen an die Stiftung der Kirchengemeinde, die damit Projekte des Evangelischen Familienzentrums und der Evangelischen Kindergärten sowie die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in Hochdahl unterstützt. So werden aus den Erlösen unter anderem Ausflüge oder Freizeiten finanziert und ermöglicht, dass Senioren, die sich selbst einen Ausflug nicht leisten könnten, teilhaben können. Rund 2.000 Euro Erlös bleibt von jedem Trödelmarkt für die Stiftung.

Aber wie funktioniert das Konzept?

Jeder, der Kindersachen auf dem Kindertrödel verkaufen möchte, erwirbt an einem von zwei Terminen im Vorfeld der Trödelmärkte Verkaufskarten in der gewünschten Anzahl der Dinge, die er bzw. sie verkaufen möchte. Die Verkaufskarten kosten 30 Cent pro Stück und bestehen aus einem Durchschlagsatz mit zwei dünnen Durchschreibebelegen und einem festen unterhalb. Darauf notieren die Verkäufer Namen, Telefon, den Verkaufsgegenstand, bei Kleidung die jeweilige Größe und den gewünschten Preis. Den obersten Beleg behalten sie, während der mittlere mit der Karte darunter auf dem Verkaufsgegenstand befestigt wird. Die dienen später dem jeweiligen Kunden als Quittung und die verbleibende Karte dient der späteren Abrechnung. „Wir geben 3.000 bis 4.000 Karten je Kindertrödel aus“, erklärt Monika Löttgen.

Vor dem jeweiligen Kindertrödeltermin gibt es zwei feste Verkaufstage für die Karten. Einmal donnerstags ab 18 Uhr im Paul-Schneider-Haus und am Samstag danach ab 11 Uhr im Haus der Kirchen. Die vorhandenen Karten werden hälftig für die beiden Termine ausgegeben. „Es passiert, dass die Karten im Paul-Schneider-Haus schon vor halb sieben ausverkauft sind. Der Andrang auf die Karten ist schon sehr groß“, erklärt Löttgen, warum die Karten hälftig aufgeteilt werden. Die Anlieferung der Waren erfolgt dann am Freitag vor dem Trödelmarkt von 14 bis 19 Uhr und am Samstagmorgen von 9 bis 10.30 Uhr. Dann sind die Türen verschlossen und das Team sortiert noch einmal die neu hinzugekommene Ware ein. Von 12 bis 14 Uhr legt das Team dann vor dem Start noch einmal eine gemeinsame Mittagspause ein.

Insgesamt vier Kassen gibt es während des Trödelmarkts im Paul-Schneider-Haus, an denen jeweils zwei Ehrenamtler aktiv sind. Zwei davon sind sogenannte Schnellkassen, an den bis maximal zehn Teile bezahlt werden können. Nach dem Trödelmarkt beginnt abends die Rücksortierung, damit Verkäufer nicht verkaufte Dinge wieder mitnehmen können und – sofern sie das möchten – mit den bereits angebrachten Verkaufskärtchen auch zum nächsten Trödelmarkt bringen können. Die Kärtchen der verkauften Artikel werden dann mit den Verkäufern abgerechnet. Und wer am Ende nur zwei oder drei Kleidungsstücke übrig hat, die er nicht noch einmal mit nach Hause nehmen will, kann sie vor der Türe auch in einen Kleidercontainer für Bethel werfen.

Wann der jeweils nächste Kindertrödel ist, erfahren Besucher und Verkäufer bereits beim aktuellen Trödel über Aushänge oder kleine Flyer. Am 15. November findet der zweite Kindertrödel in diesem Jahr statt. Ansprechpartnerinnen sind Monika Löttgen und Nicole Hahn, die per Email an troedel@EvangelischeKircheHochdahl.de oder über das Trödelhandy mit der Rufnummer 0157 32493876 erreichbar sind. Die Beiden erläutern auch gerne anderen Gemeinden, die einen Kindertrödel organisieren möchten, wie das Konzept funktioniert.

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