Hand in Hand zur richtigen Entscheidung?

von Ria Garcia

Can Gündogan (in der ersten Reihe mit Maya Zimmermann und Uwe Heidelberg) verblüffte den Rat mit seinem Redetalent. Christoph Schultz verriet schmunzelnd, dass das schon im Kinderparlament trainiert worden sei. Foto: Ria Garcia

„Bitte machen Sie schnell. Wir möchten so schnell wie möglich aus den Containern. Entscheiden Sie schnell. Wir müssen es ausbaden.“ Ein Appell des Realschulleiters Uwe Heidelberg an die Ratsmitglieder.

Ein bisschen ist die Ratssitzung nach dem ökumenischen Ratsgottesdienst ja auch eine Bewährungprobe für das Leitmotto und am 1. Juli ging es dann unter anderem auch wieder um schnell zu treffende Entscheidungen in Bezug auf die abgebrannten Schulen. In einem Video hatte Bürgermeister Chrstoph Schultz über den Facebook-Account der Stadt eine Woche zuvor darüber informiert, dass Teile der abgebrannten Schulen komplett abgerissen und neugebaut werden, während andere bis auf den Rohbau zurück- und dann wieder aufgebaut werden können und noch ein anderer Teil nur gereinigt werden müsse, weil der Teil selbst nicht vom Brand betroffen war. Informationen, die natürlich im Rat auch wieder zu Diskussionen führten, bevor es eine Entscheidung gab.

Zu Beginn des Tagesordnungspunktes plädierte Beigeordnete Carola Beck dafür, dass der Rat der Verwaltungsvorlage zustimmt. „Wir haben versucht, im Zeitplan den Aufbau innerhalb von drei Jahren darzustellen. Ich bitte Sie, um entsprechende Beschlussfassung.“ Bürgermeister Christoph Schultz ergänzte, dass man den Bedarf mit den Schulen abgestimmt habe, beziehungsweise abstimmt. „Die Vergabe kostet am meisten Zeit.“ Der Vorteil in der Beauftragung eines ‚Totalunternehmers‘ läge darin, dass dieser schon mit dem Bau beginnen könne, während er noch plant.

Schulen kommen zu Wort

„Wie das alles wieder hergestellt wird, ist mir eigentlich egal. Aber der pädagosiche Bedarf muss berücksichtigt werden“, sagte Realschulleiter Uwe Heidelberg in einer Sitzungsunterbrechung. Er und weitere Vertreter der Schulen waren zur Sitzung gekommen, um zu Wort zu kommen und das Ergebnis der Abstimmung zu erfahren. Auf einen Antrag der SPD, der forderte, dass beim Wiederaufbau des Schulzentrums Synergieeffekte durch die gemeinsame Nutzung von Einrichtungen der Verwaltung wie Lehrerzimmer, Sekretariat, Besprechungsräumen, Fachräumen wie naturwissenschaftlichen Räumen, Musikraum, Mensa und Aula, Sportanlagen und ggf. weiteren gemeinsam zu nutzenden Räumlichkeiten geplant werden sollten, reagierten die Schulen irritiert. Allein die Unterrichtsplanung für Fachräume geriete damit schon an Grenzen. Der Antrag sei gut gemeint, aber nicht hilfreich, nicht umsetzbar, erklärte Heidelberg. Der Verwaltung dankte er dafür, dass die Schulen die ganze Zeit über eingebunden seien. Es hätte bereits ein Gespräch mit Architekten gegeben.

Für das Gymnasium war Lehrer Andreas Kleingrothe vor Ort. Von ihm gab es ein Lob fürs Krisenmanagement der Stadt. Einige Dinge lägen ihm für die Zukunft am Herzen. „Die Gebäude waren schon lange nicht mehr an heutige Bedarfe angepasst. Es fehlte überall an Platz“, machte er deutlich, das dies beim Wiederaufbau berücksichtigt werden müsse. Die Schulen müssen für die Zukunft fit gemacht werden, brauchen helle offene Räume, Orte für Team- aber auch für Einzelarbeit, zählte er auf. Schule müsse ein Ort sein, wo lernen gelebt und Leben gelernt werde. Wenn Ganztagsschule nicht mehr nur Lern-, sondern ein Lebensort ist, dann müsse das bedeuten, dass nicht „herumgefuscht“ wird. Die Schulen können an Fläche nicht sparen, führte er aus. Das eindeutige Bekenntnis sei: „Wir brauchen Platz.“

Schülervertreter Can Gündogan war mit Maya Zimmermann für das Gymnasium ebenfalls vor Ort und meldete sich zu Wort. Er berichtete, dass die Schüler vom Brand sehr getroffen gewesen seien, es dann aber auch als Chance gesehen hätten. Sie hätten sich so lange vernachlässigt gefühlt. Er plädierte dafür, dass alle gleichbehandelt werden. Was den Wiederaufbau betrifft, sprach er sich dafür aus, dass nicht 60 sondern 100 Prozent neugebaut werden sollten. Niemand solle außen vor bleiben. „Das schadet mir als Mensch“, bekräftigte er seine Meinung.

Carola Beck erklärte, dass Erweiterungen der Schulen nicht vorgesehen seien. Zum Verständnis erklärte sie, was eine Kernsanierung bedeutet. „Wir schaffen da eine neue Schule. Wir sehen auch, dass Änderungsbedarf besteht.“ Schultz ergänzte, dass es auch nachhaltig sei, was gut ist zu erhalten. Das gelte auch für den Erhalt von Beton. Es werde aber von Grund auf neu geplant. „In der Planungsphase werden alle Bedarfe der Schulen erfasst“, setzte Beck fort. Daran arbeite man gemeinsam mit den Schulen.

Stimmen aus der Politik

Auch die FDP hatte einen Antrag zum Tagesordnungspunkt eingebracht und forderte den kompletten Neubau der Schulen. Als erster Redner ergriff Detlef Ehlert (SPD) das Wort und lobte die Verwaltung. Im Video mit Bürgermeister Christoph Schultz habe es so ausgesehen, als wenn „da nur ein bisschen durchgeputzt werden müsse und dann sei es gut“, jetzt in der Sitzung stelle sich das anders dar. Er wünschte sich, dass die Hauptschule mit in die Planungen eingebunden werden soll. Es sollten möglichst viele Einheiten von den Schulen gemeinsam genutzt werden. „Ich wundere mich über den Wechsel, wie schnell sie die Position des Bürgermeisters übernehmen“, griff Ralf Lenger (FDP) die Worte Ehlerts auf. Damit limitiere er die Entwicklungsmöglichkeiten. Man müsse alle drei Schulen getrennt voneinander sehen. Er bekräftigte noch einmal, dass die FPD für einen Neubau des Gymnasiums und der Realschule sei und warnte vor einem Schnellschuss, der Fehler jetzt schon festlegen könnte.

Bürgermeister Christoph Schultz betonte noch einmal, dass eine Kernsanierung einer modernen Schule nicht entgegenstehe. „Wir wollen, dass die Zeit in Containern so kurz wie möglich ist.“ Christian Ritt (BmU) bemerkte, dass eine Kritik bleibe. Die Information an den Rat fehlte, als das Video mit dem neuen Sachstand bei Facebook online ging. Man müsse abwägen, gleichzeitig schnell und dennoch sorgfältig sein. „Es war klar, dass im Gymnasium schon jetzt sechs Räume zusätzlich gebraucht werden.“ Die Aula der Schule sei darüberhinaus schon in der Vergangenheit gemeinschaftlich genutzt worden. Er selbst arbeite an einer Schule, die grundsaniert worden sei. „Da werden ganze Wände verschoben. Ob ich saniere oder neu baue, der Grundkörper und das Ständerwerk ist gleich.“ Jetzt eine Diskussion über die Schullandschaft zu beginnen, sei ein großer Fehler. Der Prozess des Wiederaufbaus müsse weiterlaufen. Wolfgang Jöbges (CDU) bemerkte, dass der Verwaltungsvorschlag ein gangbarer Weg sei. Christoph Schultz erklärte noch, dass die Tatsache, dass Teile erhalten würden, bedeute nicht zwangsläufig, dass dies Teil der Realschule sei.

Peter Knitsch (Grüne) berichtete, dass er selbst dort zur Schule gegangen sei. „Eine Änderung der Aufteilung wäre zu begrüßen.“ Die Entscheidung gelte für die nächsten 70 bis 80 Jahre. Eine Schule, die 50 Jahre alt sei, entspräche nicht mehr dem heutigen Standard. Aus seiner Sicht müsse man sich sechs bis 10 Wochen hinsetzen und die Anforderungen formulieren. Am Standort sei wenig Platz und wenn man auf vier bis fünf Etagen gehe, müsse man auf die Barrierefreiheit achten. „Wir fragen uns, ob wir heute die Entscheidung treffen müssen.“ Beim Begriff „Totalunternehmer“ sei er skeptisch. Da gebe man schnell die Möglichkeit mitzugestalten auf, auch energetisch. Christoph Schultz erklärte, dass man davon ausgehe, dass die Schule auch künftig an die Fernwärme angeschlossen werde. Carola Beck erklärte, dass alle Aspekte, die sonst umgesetzt würden, auch hier berücksichtigt werden können. „Über die Gestaltung kann auch ein Totalbauunternehmer nicht einfach selbst entscheiden.“ Sie verdeutlichte noch einmal den Zeitfaktor, den man mehr einplanen müsste, wenn man stattdessen über einen Generalunternehmer nachdenke. Dann seien für die Vergabe zusätzlich acht bis zehn Monate zu rechnen.

Beigeordneter Michael Pfleging sagte, dass er die Bedenken gegen einen Totalunternehmer verstehen könne, aber man hätte das neu gebaute Schloßgymnasium besucht. „Wir wollen ja lernen“, erklärte er. Das Gymnasium sei wirklich innerhalb von drei Jahren gebaut worden. Sandra Gehrke (SPD) äußerte, dass es wichtig sei, keine Ungerechtigkeit bei den Schulen entstehen zu lassen und Leonard Kern-Wager von der FDP warf ein, dass man gleichzeitig darauf achten müsse, dass die einzelnen Stadtteile nicht ungleich behandelt werden. Die Diskussion zog sich noch einige Zeit hin. Vor der Abstimmung appellierte Realschulleiter Uwe Heidelberg an die Ratsmitglieder: „Bitte machen Sie schnell. Wir möchten so schnell wie möglich aus den Containern. Entscheiden Sie schnell. Wir müssen es ausbaden.“ Das jeder Tag im Container einer zu viel sei, äußerte auch Schülervertreter Can Gündogan noch einmal.

In der anschließenden Abstimmung fand sich für die Fraktionsanträge keine Mehrheit, während der Verwaltungsvorschlag sich am Ende mehrheitlich durchsetzen konnte. Wie zugesagt hatte die Verwaltung auch Vorschläge vorgelegt, die Alternativen für den Sport enthielten, da der Sportplatz Rankestraße überwiegend für die Container des Schuldorfs wegfällt. Dazu gab es laut Verwaltung eine enge Abstimmung mit den Vereinen. Den Vorschlägen konnte sich der Rat am Ende einstimmig anschließen.

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