Hand in Hand mit Jobcenter und Arbeitsvermittlung

V.l.: Ehrenamtler Bernhard Meyer (l.) mit Lyralyn Helling und Dieter Thelen vor der Begegnungsstätte Hand in Hand am Europaplatz. Foto: Ria Garcia

Im September hätte der Freundeskreis für Flüchtlinge in Erkrath e.V. eigentlich einen wirklichen Grund zu feiern, denn dann wird der Verein 40 Jahre alt. Aber die Freude ist gerade von Zukunftssorgen getrübt.

Wer am Dienstag über den Europaplatz ging und an der Begegnungsstätte Hand in Hand vorbeikam, hat von diesen Zukunftssorgen nichts gespürt. Dort wurden Leistungsempfänger fit für die Zukunft und den Umgang mit Jobcenter.digital gemacht. Die Zeit der „Papierflut“ geht auch im Jobcenter nach und nach zu Ende. Anträge können inzwischen auch ganz einfach digital via Smartphone oder PC bzw. Laptop gestellt werden. Die Idee einen solchen vor Ort Termin anzubieten kamen den Mitarbeitenden des Freundeskreis für Flüchtlinge und dem Digitalisierungsbeauftragten des jobcenter ME-aktiv bei einer Einweisung in den Digitalisierungsprozess.

„Inzwischen werden schon mehr als die Hälfte aller Neuanträge digital gestellt“, weiß Tim Wappler, Digitalisierungsbeauftragter des jobcenter ME-aktiv. Er war am Dienstag mit seinen Kollegen Matthias Stein und Hasan B. Gül aus der Leistungsabteilung sowie mit Yassmin Salmi-Lachhab und Anna Bechtgold von der Arbeitsvermittlung zum Registrierungsmarathon für Jobcenter.digital vor Ort in der Begegnungsstätte Hand in Hand. Gemeinsam mit Mitarbeitenden und Ehrenamtlern des Freundeskreis für Flüchtlinge unterstützten sie Leistungsempfänger bei der Einrichtung und Registrierung.

V.l.: Tim Wappler (Digitalisierungsbeauftragter jobcenter ME-aktiv), Matthias Stein und Hasan B. Gül (Leistungsabteilung), Yassmin Salmi-Lachhab und Anna Bechtgold (Arbeitsvermittlung). Foto: Ria Garcia

Für das Jobcenter sind solche vor Ort Termine ein Gewinn, denn damit gewinnen sie auch Menschen fürs Jobcenter.digital, die bereits Leistungsempfänger sind. „Diese Menschen nutzen Jobcenter.digital bisher deutlich weniger. Wer die Unterlagen in Papierform übersandt bekommt, antwortet in der Regel auch auf diese Art“, so Tim Wappler. Er selbst konnte beim Registrierungsmarathon immer dann helfen und eingreifen, wenn unerwartet technische Fehler auftraten.

Fünf bis sechs Leistungsempfänger konnten am Dienstag jeweils gleichzeitig im Registrierungsprozess unterstützt werden. Auch Yassmin Salmi-Lachhab und Anna Bechtgold aus der Arbeitsvermittlung halfen dabei. „Wir beantworten gleichzeitig auch auftretende Fragen rund um die Arbeitsvermittlung“, erklärte Salmi-Lachhab, die darüber hinaus bei Sprachbarrieren auch dolmetschen konnte. Wer diesen Service nutzen wollte, musste sich vorher anmelden. Die Zeiträume waren eng getaktet. An Anmeldungen mangelte es nicht. „Wir müssen den Menschen ja auch ehrlich sagen, dass wir vielleicht im Sommer nicht mehr da sind“, erklärt Lyralyn Helling.

Insgesamt standen fünf Zeitfenster zur Verfügung. Gut eine halbe Stunde dauerte es, bis die passenden Apps installiert und sich der Leistungsempfänger registriert hatte. Am Nachmittag schloss sich auch Yasemin Yavuz von der Flüchtlingsberatung der Caritas mit von ihr Beratenen dem Registrierungsmarathon an. Die Einladung zur Teilnahme war auch an die Stadt gegangen. Gefolgt war ihr zu diesem ersten Termin aber niemand.

Die Mitarbeiter aus dem jobcenter ME-aktiv waren rundum zufrieden mit der Aktion. Über mögliche Wiederholungen des Angebots vor Ort wird bereits nachgedacht.

Ein Verein zwischen Wertschätzung, fehlender Wertschätzung und Zukunftssorgen

Während die Wertschätzung und Anerkennung gegenüber der Arbeit des Freundeskreis für Flüchtlinge in Erkrath seitens Jobcenter und Arbeitsvermittlung am vergangenen Dienstag spürbar war, fehlte diese gefühlt in Politik und Verwaltung zuletzt. Als in den Ausschüssen über den Antrag des Freundeskreises auf Personalkostenzuschuss diskutiert wurde, kam seitens der CDU stattdessen die Forderung einen Geschäftsbericht des Vereins einsehen zu wollen und die Frage, wie der Verein eigentlich die Qualität seiner Arbeit misst (wir berichteten). Für gemeinnützige Vereine gibt es keine rechtliche Vorgabe Geschäftsberichte zu erstellen. Lediglich die Einnahmen-Überschussrechnung für die Steuererklärung ist notwendig. Empfohlen, aber auch nicht vorgeschrieben, ist ein Tätigkeitsbericht, der Vereinsmitglieder informiert. Ein solcher lag in den Ausschüssen allerdings in Form eines umfangreichen Portfolios des Vereins vor.

Seitens der SPD wurde in einem Redebeitrag die Arbeit des Vereins zuerst gelobt und dann in einem Nebensatz gleich wieder entwertet. Es sei schwer einen solchen Antrag abzulehnen, weil man wisse, dass gute Arbeit geleistet wird (wir berichteten). Ein paar Sätze später hieß es dann, die Zuwanderung nehme ab und der Bereich Integration in der Stadt werde verstärkt, sodass „echte Beratung“ möglich werde, was impliziert, dass der Freundeskreis für Flüchtlinge „keine echte Beratung“ leistet. Einen persönlichen Eindruck von der Arbeit des Vereins vor Ort hatte sich bisher keine der beiden Fraktionen verschafft. Der Antrag auf Personalkostenzuschuss wurde am Ende mehrheitlich abgelehnt. Lediglich der Mietkostenzuschuss und eine Pauschale für Integrationsarbeit wurden zumindest bis 2027 befürwortet. Aber auch dieser Zuschuss ist in der Liste für die Folgejahre ab 2028 nicht mehr aufgeführt.

Zwar ziehen sich die Haushaltsberatungen noch bis in den Mai hinein, Hoffnung darauf, dass die Politik am Ende vielleicht zumindestens den Personalkostenzuschuss für eine der Teilzeitstellen bewilligt, hat man im Freundeskreis indes nicht mehr. Hier bereiten sich Mitarbeiter und Ehrenamtler auf den Worst Case vor. „Einen Verein führt man nicht mit Hoffnung“, sagt uns Dieter Thelen bei einem Besuch des Hand in Hand vor einer Woche. Mit dabei waren auch Lyralyn Helling, deren Teilzeitstelle ab Juni nicht mehr durch Förderung gegenfinanziert ist und Ehrenamtler Bernhard Meyer aus dem Team des Sprachcafés. Am 12. September würde der Verein 40-jähriges Bestehen feiern. Im Moment ist jedoch unklar, ob es noch einen Grund zum Feiern geben wird. Der Freundeskreis für Flüchtlinge steht, wenn bis dahin keine Förderung akquiriert werden kann, im August vor dem Aus. Bereits ab Juni ist nur noch eine Teilzeitstelle finanzierbar. „Und der Mai rückt für uns immer näher“, erklärt Lyralyn Helling.

Fehlende Planungssicherheit und Komplexität der Beratungen

„Für uns ist es gerade schwierig irgendwelche Pläne zu machen, wir haben ja auch Kündigungsfristen“, beschreibt sie das Dilemma, in dem der Verein gerade steckt. Das gelte natürlich auch für die Räume des Hand in Hand. Die betrage sechs Monate. „Uns wird immer wieder die Kompetenz abgesprochen“, zeigt sich auch Dieter Thelen frustriert. Diese Erfahrung musste er aus den letzten Ausschusssitzungen mitnehmen. Ganz anders erleben die Beiden die Wertschätzung ihrer Arbeit in der Zusammenarbeit mit dem Jobcenter, der Arbeitsvermittlung und anderen Institutionen. Die Komplexität der Beratungen habe in den letzten Jahren zugenommen, dass würden auch Vertreter anderer Institutionen in der Flüchtlingsberatung bestätigen. Oft reiche ein einzelner Termin nicht aus.

Nachdem eine in 2025 von der Stadt initierte Trägerkonferenz in der Flüchtlingssozialarbeit nach zwei Terminen eingeschlafen war, hat sich der Freundeskreis bemüht die wertvollen Treffen mit Vertretern der anderen Institutionen im Hand in Hand wieder aufzunehmen. Auch die städtischen Berater und die Stabstelle Integration waren dazu eingeladen, haben aber an den ersten beiden Treffen noch nicht teilgenommen. Gemeinsam hatten sich die Teilnehmer auf weitere Treffen im sechswöchigen Abstand verständigt. „Wir lernen voneinander. Ich befürchte, dass es die Treffen ohne uns nicht mehr geben wird“, sagt uns Lyralyn Helling.

Immer wieder hat sich der Freundeskreis bemüht auch enger mit der Stadt zusammenzuarbeiten, auch Doppelberatungen zu vermeiden. Dafür wurde eigens eine Liste erstellt. Ein Feedback dazu sei allerdings seit rund einem Jahr nicht gekommen. „Wir haben das Gefühl, dass eine Zusammenarbeit nicht gewollt ist“, sagt uns Dieter Thelen. Zur Vermeidung von Doppelberatungen habe man schließlich Bewohner der Unterkünfte grundsätzlich an die Stadt verwiesen. „Die werden durch städtische Mitarbeiter betreut.“ Die Beratung des Freundeskreis für Flüchtlinge umfasst inzwischen alle Lebensbereiche. Eine Auflistung, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, ist im Portfolio enthalten, das auch zur Beratung in den Ausschüssen vorlag.

Das Aus für ein vielfältiges Angebot?

Aber mit der Beratung und vielen weiteren Angeboten könnte bald Schluss sein. Wenn es dem Verein nicht gelingt eine Förderung zur Finanzierung der Teilzeitstellen und zur langfristigen Finanzierung der Miete für die Begegnungsstätte zu erreichen, sieht es für die Zukunft nicht gut aus. Dann brechen auch für die vielen ehrenamtlich organisierten Angebote Struktur und Räumlichkeiten weg. Auch einige Vereine, die das Hand in Hand für Treffen und Veranstaltungen nutzen, müssten sich neu orientieren.

„Es wird keine Raumalternativen geben, die so nah an einer Bushaltestelle liegen. Das Hand in Hand lebt von der Sichtbarkeit hier am Europaplatz“, sagt uns Ehrenamtler Bernhard Meyer. Zweimal pro Woche, mittwochs und donnerstags jeweils von 16 bis 18 Uhr, bieten er und andere Ehrenamtler das Sprachcafé im Hand in Hand an. Donnerstags gibt es sogar eine Kinderbetreuung während dieser Zeit. Das Sprachcafé ist ein Praxistraining in dem vor allem das Deutschsprechen geübt wird. „Wir haben Teilnehmer, die kaum Sprachkenntnisse haben bis hin zu B2, denen aber die Sprachpraxis fehlt“, erklärt Meyer. Das Angebot sei offen. „Wer kommt, der kommt“, so Meyer.

Zwischen drei und 18 Teilnehmer zählen die Ehrenamtler bei den Sprachcafé Terminen. Manche kommen später oder gehen früher und sie tun vor Ort vor allem eins: Sie unterhalten sich auf Deutsch. „Wenn dann doch einmal welche in ihre Muttersprache verfallen, greifen wir ein und erinnern daran, dass sie das auf Deutsch formulieren sollten“, beschreibt Meyer. Das Sprachcafé sei auch eine Begegnungsmöglichkeit für Familien. Von der Politik zeigt er sich enttäuscht. Vor allem von der CDU, die die letzte Entscheidung im Haupt- und Finanzausschuss maßgeblich getragen hatte. „Diese Entscheidung ist nicht mit dem C im Parteinamen vereinbar.“

Das Hand in Hand am Europaplatz

Kommentar: Es bleibt zu hoffen, dass es dem Verein am Ende gelingt neue Förderungen zu akquirieren, Sponsoren und Spender zu finden und vielleicht am Ende doch noch einen Teilzuschuss aus dem städtischen Haushalt zu erhalten. Denn wenn das Hand in Hand am Europaplatz schließen muss, wird es in Hochdahl menschlich, sozial und räumlich deutlich leerer.

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