
Mettmann | Jahrelang war die Zukunft der Geburtsstätte von Konrad Heresbach ungewiss. Das Gut drohte zu verfallen. Jetzt freut man sich in Mettmann, dass eine Lösung in Sicht ist.
Wer schon einmal von Mettmann aus über die Elberfelder Straße Richtung Wuppertal gefahren ist, hat vielleicht an der Stadtgrenze zu Wuppertal das Gut Heresbach erblickt. Es ist der Geburtsort des Humanisten und Altphilologen Konrad Heresbach, der dort als fünfte von insgesamt sieben Kindern am 2. August 1496 geboren wurde. Er starb am 14. Oktober 1576 auf Gut Lohrwardt (Mehr/Rees, Kreis Kleve). In Mettmann ist eines der beiden Gymnasien nach ihm benannt.
Zum Gut, dessen Wohnhaus, ein Torbau, eine große und eine kleine Scheune, eine Remise sowie ein Backhaus ein Ensemble bilden, gehört auch eine historische Schmiede, die abgeteilt vom eigentlichen Gut heute links der Elberfelder Straße liegt, während das Gut selbst auf der rechten Seite in Fahrtrichtung Wuppertal liegt. Die Fläche des Guts (ohne das Grundstück auf dem die Schmiede steht) beträgt etwas mehr als 4.400 Quadratmeter. Die ältesten Teile von Gut Heresbach, so ist es einer Pressemitteilung der Stadt Mettmann zu entnehmen, gehen auf das 13. Jahrhundert zurück. Die erste urkundliche Erwähnung habe es bereits 1290 gegeben. Der neben dem Hof fließende Heresbach, der später in die Düssel mündet, ist Namensgeber für das Gut.
Das Baudenkmal drohte lange zu verfallen. Mehr als 300 Jahre befand sich das Gut in Besitz der Familie Scherler. Friedrich Wilhelm Scherler und Sohn Frederik Scherler erhielten 2023 eine Fördermittel des Landes NRW für Sanierungsmaßnahmen, mit denen in einem ersten Schritt Schäden an der Bausubstand des Wohnhauses beseitigt werden sollten. Damit verbunden war auch die Suche nach einer tragfähigen Idee, um das Gut langfristig erhalten zu können. Im September 2025 ging Gut Heresbach schließlich an neue Besitzer ging. Nicht nur die eine Idee „für“ das Gut Heresbach, sondern eine Ideenschmiede auf Gut Heresbach soll hier Einzug halten.

Neandervalley (n-Valley) Gut Heresbach
Neandervalley ist der Name, den eine Gruppe junger Unternehmer ihrem Projekt, das Büros und Co-Working-Flächen, Veranstaltungs- und Konferenzräume sowie Übernachtungsmöglichkeiten und Werkstätten umfasst, gegeben haben. Gut Heresbach soll zu einem modernen Arbeitsort zwischen Tradition und Moderne transformiert werden. Gleichzeitig wollen die neuen Eigentümer das Erbe Konrad Heresbachs, sein Schaffen und Wirken, würdigen und bewahren. „…denn es gilt Irrtümer auszurotten, nicht Menschen“, ein Zitat von Heresbach, soll als Leitgedanke für Gut Heresbach gelten, das sie zu einem Ort des Miteinanders, des Schaffens und der Bildung entwickeln wollen.
Bis dahin ist es noch ein weiter Weg, für den sie nun aber finanzielle Unterstützung vom Bund erhalten. Mit 437.500 Euro fördert dieser das Projekt. Auch der Landschaftsverband Rheinland, das Amt für Denkmalpflege im Rheinland und die Bezirksregierung unterstützen bei der Rettung von Gut Heresbach. Die Wohn- und Wirtschaftsgebäude sowie die Remisen und Pferdetränken sollen saniert und um einen maßvollen, landschaftsgerechten und lichtdurchfluteten Ersatzbau für die einstige Strohscheune, die nur noch teilweise erhalten ist, ergänzt werden.
„Derzeit werden mehrere Erschließungsalternativen als Grundvoraussetzung für das gesamte Vorhaben durch die Stadt Mettmann, Straßen NRW und den Kreis Mettmann geprüft. Da das Vorhaben im Landschaftsschutzgebiet „Gruiten Nord-Ost/Hahnenfurt“ liegt, muss eine Zufahrt gefunden werden, die sowohl die Sicherheit des Verkehrs als auch die Belange des Landschaftsschutzes berücksichtigt. Im Moment laufen dazu die Abstimmungen zwischen den Akteuren. […] Die Bezirksregierung Düsseldorf hatte zudem signalisiert, dass das Vorhaben nicht raumbedeutsam ist und einer Änderung des Flächennutzungsplanes und der Aufstellung eines Bebauungsplanes zugestimmt werden kann. Ende 2025 hatte die Mettmanner Politik einer Bebauungsplanänderung zugestimmt, um die Sanierung und maßvolle Erweiterung des kulturlandschaftsprägenden Gutes zu ermöglichen“, heißt es dazu in einer Pressemitteilung der Stadt Mettmann.
Erhalt eines wichtigen Kulturdenkmals und ein Gewinn fürs Stadtarchiv
Das Mettmanns Stadtkonservatorin Dr. Yasmin Renges sich über diese Entwicklung freut, braucht sicher nicht extra erwähnt zu werden. Freuen dürfte sich aber auch Marinko Betker, Leiter des Stadtarchivs, denn die neuen Eigentümer haben beim Entrümplen alte Unterlagen gefunden, die die Belegschaft im frühen 20. Jahrhundert bis zum Zweiten Weltkrieg, aber auch den landwirtschaftlichen Betrieb des Gutes mit einem Schwerpunkt in den 1960er- und 1970er-Jahren belegen. Diese haben sie dem Stadtarchiv übergeben, für das sie eine wertvolle Ergänzung der Bestände über die Hofanlage bilden.

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