Friede, Freiheit, Selbstbestimmung?

© Sebastian Hansen

Am vergangenen Samstag (23.10.21) hatte das Bündnis ‚Es reicht‘ erneut zu einer bundesweiten Demo in den Städten Düsseldorf, Hamburg, München und Berlin aufgerufen und Corona-Rebellen und Querdenker auf die Straßen geholt.

In Düsseldorf folgten etwa 300 Demonstranten dem Aufruf. Im Twitter-Account ‚Demoticker & Infos HB‚ wurde der nachlassende Teilnehmerstrom mit „In Düsseldorf ist heute auch nur Bewegungs-Resterampe bei furchtbarer Musik“ kommentiert. Zum Vergleich: Im April waren den Aufrufen zur Demo noch etwa 1000 Demonstranten gefolgt. Banner mit den Worten ‚Friede, Freiheit, Selbstbestimmung‘ trugen sie vor sich her.

Friede

Friedlich blieb es, bis auf einige Beleidigungen am Rande der Demo. Im Anschluss aber wohl doch nicht ganz, denn eine Kollegin, die für ein Düsseldorfer Medium berichtete, erhielt eine Email, die alles andere als friedlich einzustufen ist.

Freiheit

Und wie ist das mit der Freiheit, die die Demonstranten fordern?

Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des Anderen beginnt.”

Immanuel Kant (1724-1804)

Das Zitat von Immanuel Kant beschreibt ganz gut den Zwiespalt, der sich in der Forderung nach Freiheit verbirgt.

Auf Telegram rief das Bündnis ‚Es reicht – NRW – Düsseldorf‘ mit den Worten „Wer möchte in einer Gesellschaft ohne Diskriminierung leben? Wer möchte, dass seine Kinder unbeschwert und spielend groß werden dürfen? Wer möchte der Ungerechtigkeit in diesem Land etwas entgegensetzen? Für Menschenrechte weltweit, offenen Dialog, faire & ausgewogene Berichterstattung, Selbstbestimmung, gesellschaftliche Teilhabe ohne jegliche C-Negativnachweise & Respekt anstatt Spaltung“ und „Für eine diskriminierungsfreie Gesellschaft und offenen Dialog, gegen jegliche (nachweislich nicht zielführenden) Corona-Einschränkungen und dadurch hervorgerufene Spaltung! Für Freiheit und Eigenverantwortung, friedlich aber bestimmt“ zur Demo auf.

Vor etwas mehr als drei Monaten fielen in Großbritannien mit dem ‚Freedom Day‘ sämtliche Corona-Einschränkungen. Die Bilanz, laut einem Artikel bei Welt.de, nicht sehr erfreulich. Die Sterblichkeitsrate bei den Corona-Fällen ist dreimal so hoch, wie hier bei uns in Deutschland, die Zahl der Corona-bedingten Krankenhauseinweisungen sogar sechsmal so hoch.

Selbstbestimmung

Zu Selbstbestimmung gehört auch Verantwortung. Verantwortung gegenüber anderen. In Artikel 2 des Grundgesetzes heißt es dazu: (1) Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt. (2) Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.

Und da wären wir dann wieder beim Kant-Zitat: Die Freiheit des Einzelnen endet also möglicher Weise da, wo die körperliche Unversehrtheit des Anderen nicht mehr gewährleistet ist.

Demoimpressionen

Zum Abschluss

Eine kleine Geschichte zu Infektionsketten, die eine liebe Bekannte letztes Jahr über Facebook teilte (die Sprachholprigkeiten der automatischen Übersetzung haben wir angepasst):

Sagen wir, du bist mit einem schrecklichen Husten, Fieber und starken Gliederschmerzen aufgewacht. Sofort eilst Du zum Arzt und der diagnostiziert COVID-19. In den letzten zwei Wochen war Dir nicht bewusst, dass Du infiziert warst. Du hast Deine Freiheit genossen und schützende Regeln ignoriert. Du hast mit Freunden eine Pizza besorgt, die ihr bei Dir zu Hause gegessen habt, ihr wart gemeinsam in Park und am Strand. Du dachtest: „Ich fühle mich nicht krank. Ich habe ein Recht darauf ein normales Leben zu führen. Niemand kann mir sagen, was ich zu tun habe.“

Mit Deiner Diagnose verbringst Du nun die nächsten Tage zu Hause auf der Couch. Du fühlst Dich ziemlich mies, aber Tag für Tag geht es Dir ein wenig besser, weil Du jung, gesund und stark bist.
Glück gehabt. Aber Deine beste Freundin hat sich beim Treffen mit Dir ebenfalls infiziert und da sie nichts davon wusste, hat sie ihren 82-jährigen Großvater besucht. Der braucht ein Sauerstoffgerät, weil er an COPD und Herzinsuffizienz leidet. Jetzt ist der Großvater Deiner Freundin tot. Er hatte weniger Glück.
Dein Kollege war mit beim Pizzaessen. Er ist Asthmatiker. Jetzt liegt er auf der Intensivstation und hat vorher auch noch einige Familienmitglieder angesteckt. Auch den Kassierer in der Pizzeria hat es erwischt und er übertrug das Virus auf seine Frau, die an MS erkrankt ist. Sie muss Immunsupressiva einnehmen, die die Reaktionen des Immunsystems unterdrücken. Auch sie hatte nicht so viel Glück, wie Du. Sie bekam Probleme mit der Atmung, liegt jetzt im Krankenhaus und muss möglicher Weise in ein medizinisch induziertes Koma versetzt und intubiert werden. Sie wird sich vielleicht nicht einmal mehr von ihren Lieben verabschieden können.

Alles nur, weil Du Deine vertrauten Routinen nicht vorübergehend verändern wolltest, nicht die Unannehmlichkeiten des Maskentragens ertragen wolltest. Weil Du doch das Recht hast, Dein normales Leben weiter zu führen und niemand das Recht hat, Dir zu sagen, was Du zu tun hast.

Es geht NICHT um DICH!

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