Franziskus Hospiz Hochdahl eröffnet erstes Tageshospiz in NRW

von Susann Krüll

Mria Bell, FSJ-lerin im Hospiz, an der Geige und Geschöftsführer Christoph Drohlshagen am Klavier sorgten für den musikalischen Rahmen. Foto: Susann Krüll

Wenn das Sprichwort „Was lange währt, wird endlich gut“ auf eine Idee und deren Umsetzung zutrifft, dann auf das neu eröffnete Tageshospiz in Trills.

Bereits 2019 hatte das Team um Hospizleiterin Silke Kirchmann mit der Planung begonnen, dann kam Corona und die eine oder andere Länge bei der Bauausführung. Aber das Ergebnis kann sich dafür sehen lassen!

Freude und Erleichterung waren greifbar bei der Feier

Eine strahlende Silke Kirchmann begrüßte ihre Ehrengäste, darunter Maria Heine, die Geschäftsführerin der Marienhaus GmbH, des Trägers des Hauses, Erkraths stellvertretende Bürgermeisterin Regina Wedding, Marcus Kowalczyk, Dezernent für Soziales im Kreis Mettmann, Wolfgang Soldin, 2. Vorsitzender des Franziskus Hospiz e. V., Christoph Drolshagen, Geschäftsführer des Franziskus Hospizes oder Uwe Mainz vom Rotary-Club Neandertal. Auch die Kolleginnen und Kollegen des eigenen Teams, haupt- und ehrenamtliche gleichermaßen, und aus anderen Einrichtungen vergaß Kirchmann nicht, denen sie auch noch ein besonders herzliches Dankeschön für die Unterstützung zukommen ließ. „Sie haben keine Idee, wie aufgeregt wir sind“, ließ sie die geladenen Gäste wissen. Ein besonderen Dank schickte sie an eine Frau, die eine Zeitlang stationär zu Gast war. „Sie konnte nach einer Zeit bei uns noch einmal nach Hause gehen. Als sie ging, sagte sie: ‚Wenn Ihr jetzt noch einen Rahmen schafft, dass wir Kontakt halten können‘, dann komme ich gern wieder vorbei. Und das hat sie auch getan, mehrfach, bevor sie dann zuhause verstorben ist“, so Kirchmann, die hinzusetzte: „Liebe Katja J., Sie waren Mit-Impulsgeberin und wir haben ihre Idee umgesetzt.“ Im Tageshospiz „Franziskus-Treffpunkt“ sei nun ein Ort geschaffen, wo Betroffene Kontakt zu anderen Betroffenen halten können und zusätzlich Entlastung für Angehörige und Freunde möglich ist.

Ökumenischer Segen für das Tageshospiz

Wie Silke Kirchmann bemerkte, ist das Franziskus Hospiz, das 1995 als Bundesmodellprojekt startete, von Beginn an eine ökumenische Einrichtung gewesen. Seitdem wird sie von beiden Hochdahler Gemeinden unterstützt. So spendeten dann auch Pfarrer Volker Horlitz von der Ev. Kirchengemeinde Hochdahl und Christoph Biskupek von der Kath. Nachbargemeinde St. Franziskus v. Assisi gemeinsam den Segen für die neue Einrichtung. Volker Horlitz bat dafür, dass „der Hl. Geist in der Mitte sei“, um die zu tragen, die hier arbeiten, die als Gast hierher kommen wie auch deren Angehörige. „Ich will Dich segnen und Du sollst ein Segen sein“, lautete Pfarrer Biskupek Segensspruch, der mit dem Wunsch „keine Überlastung für die, die hier arbeiten“ einher ging.

Musikalische Unterstützung aus den eigenen Reihen und Grußworte

Für die musikalische Auflockerung samt des „Irisches Segensgrußes“, den die gesamte Festgemeinde mitsang, sorgten Hospiz-Geschäftsführer Christoph Drolshagen am Klavier und FSJ-lerin Miriam Nell an der Geige. Auch dies ein Zeichen dafür, wie gut die Gemeinschaft unter den verschiedenen Akteuren der Einrichtung in Hochdahl ist.

Auch Maria Heine, die als Vertreterin des Mutterhauses, der Marienhaus Unternehmensgruppe in Waldbreitbach, die das erste Mal in der Einrichtung war, schien die besondere Atmosphäre zu spüren. Sie begann ihr Grußwort damit, ihre Freude auszudrücken, „heute bei Ihnen sein zu dürfen“. Heine ließ keinen Zweifel an der Bedeutung der Einrichtung, die schließlich eine von nur drei in ganz Deutschland und in NRW die einzige sei. Sie sprach aus, was vielleicht andere gedacht hatten: „Eigentlich finde ich, es hätte heute auch der Ministerpräsident kommen können.“ Die Geschäftsführerin der Marienhaus GmbH betonte, dass mit der Einrichtung der Ambulanten Einrichtung „eine wichtige Lücke zwischen ambulanter und stationärer Versorgung“ geschlossen worden sei. „Hier wird eine soziale Anbindung ermöglicht und die Menschen werden aus dem Krankheitsalltag herausgeholt.“ Es seien nicht die „langen einsamen Nächte“, die den Menschen am Ende ihres Lebensweg Probleme bereiten, sondern „die einsamen Tage“, wusste wie Kirchmann auch Heine zu berichten. Auch sie versäumte es nicht, das Team zu erwähnen und ihm dafür zu danken, die Einrichtung „mit viel Herzblut wohnlich und einladend“ gestaltet zu haben.

Wolfgang Soldin, der als Mitglied des Fördervereins das Haus von Beginn an begleitet, fand sehr persönliche und anerkennende Wort für die Mitarbeitenden des Hauses. Er erinnerte an die diejenigen, die 1995 „den Samen und die Idee eines Hospiz nach Hochdahl trugen“, wie Gerd Verhoeven, damals Pfarrer der Kath. Kirchengemeinde, oder den inzwischen verstorbene Gerd Jachmann. „Weil die Bedeutung des Hauses so gewachsen ist und nunmehr aus sechs Säulen besteht, wollen wir den Namen entsprechend in Kompetenzzentrum ändern“, kündigte er an und mahnte zum Schluss die Festgemeinde: „Falls jemand vergessen haben sollte Mitglied zu werden, wir brauchen auch Ihr Geld.”

Hospiz-Team sammelt für das Ukraine-Projekt der Rotarier

Silke Kirchmann nutzte beim Stichwort „Geld“ die Gelegenheit, Uwe Mainz – und seiner Frau – für dessen Initiative zu danken, die Mitglieder des Rotary-Club Neandertal davon zu überzeugen, den Ausbau des Tageshospiz „Franziskus-Treffpunkt“ mit einer großzügigen Spende zu unterstützen. „Ich kann es ja sagen, es waren 30.000 Euro, die es uns unter anderem ermöglicht haben, unsere Bad-Oase u. a. mit der Wellness-Wanne auszustatten“, so Kirchmann zu Rotarier Uwe Mainz. Dieser ging allerdings auch mit einem Geschenk. Das gesamte Team hatte die Hilfsaktion des Vereins für die Ukraine mit gesammelten Medikamenten und Verbandszeug aus eigenen Mitteln unterstützt. „Heute überreichen wir Ihnen die übriggeblieben Summe von 555 Euro für Ihr Hilfsprojekt“, so Kirchmann.

Grußworte von Kreis und Stadt

Sozial-Dezernent Marus Kowalczyk, der in Vertretung des verhinderten Landrats Thomas Hendele die Glückwünsche des Kreises überbrachte, wich von seinem Redemanuskript ab: „Ich habe zwar auch alle Meilensteine aufgeschrieben bekommen, doch sind diese Ihnen schließlich alle bekannt.“ Stattdessen wandte auch er sich mit persönlichen Worten an das Team: „Mein erster Außentermin als Dezernent war bei einer Neujahrsfeier bei Ihnen im Haus.“ Er versicherte, wie stolz der Kreis auf diese Einrichtung sei. “Ihre Arbeit ist ein Segen für die Sterbenden und deren Angehörige.“ Doch nicht nur verbales Lob gab es. Kowalczyk hatte auch einen Umschlag dabei, den Kirchmann direkt an Wolfgang Soldin, als 2. Vorsitzenden des Fördervereins weiterreichte. Doch sie hatte auch einen Wunsch an den Dezernenten. „Wir wären gern ständiges Mitglied in der Gesundheitskonferenz“, gab sie ihm mit auf den Weg.

Das abschließende Grußwort sprach Regina Wedding, die Silke Kirchmann mit sehr warmen Worten ankündigte: „Sie sind uns so wohlgesonnen. Sie sind so eine große Wegbegleiterin. Es ist so toll, dass Sie da sind.“ Schließlich begleitet die stellvertretende Bürgermeisterin in dieser Funktion das Haus seit den Anfängen. „Unsere Stadt Erkrath ist sehr stolz, dass das Hospiz hier ist“, so Wedding, die auch Grüße vom Bürgermeister und Rat überbrachte. Sie erinnerte, dass es vor 22 Jahren schon einmal ein Tageshospiz an dieser Stelle gab. „Ich habe damals einen 90-jährigen Herren hier besucht und konnte die Nacht davor vor lauter Aufregung nicht schlafen.“ Sie sei damals wie bei den vielen weiteren Besuchen allerdings immer anders herausgegangen, als sie hereingekommen sei, spielte sie auf die gelöste, auch fröhliche Atmosphäre des Hauses an. „Sie geben Hoffnung auf gute Sterbestunden“, dankte sie Silke Kirchmann und ihrem Team, die sie dafür bewundere, dass sie wortwörtlich täglich mit dem umgehen, wie es in der Bibel heißt: „Mitten im Leben sind wir vom Tod umgeben.“

Das Schlusswort hatte Einrichtungsleiterin Silke Kirchmann, der man bei jeder Begegnung anmerkt, dass sie die Ideale des neuen Tageshospiz „Franziskus Treffpunkt“ lebt: „Palliativ, aktiv, kreativ“. Und das gemeinsam mit dem von ihr „als bestes Team der Welt“ gelobten Mitarbeitenden. Diese gaben das Lob prompt zurück: „mit der besten Chefin der Welt“.

Rundgang durch die Räume

Beim anschließenden Rundgang, versorgt mit leckerem Fingerfood aus der Küche des Hauses, ging es durch die Räume des Ambulanten Hospizes, das in enger Zusammenarbeit zwischen Silke Kirchmann, dem Team der Pflegenden, dem Haustechniker und dem Architekten Markus Rätz, vom Büro bkplan aus Erkrath ausgestaltet wurde. Viele Ahs und Ohs gab es in dem Wellness-Bad, dessen Herzstück eine 100l fassende Sitzbadewanne mit seitlichem Einstieg, Neigung sowie Licht und eingebauten Lautsprechern ist. Ein Essraum mit Küchenzeile lädt zum gemeinsamen Kochen und Essen ein. Ein Ruheraum mit entsprechenden Sesseln bietet Rückzugsmöglichkeit und ein „Gartenzimmer“ mit großem Tisch für Gespräche oder auch Handarbeiten runden das Raumangebot ab, das in den Sommermonaten durch den Garten erweitert wird. Hier finden sich Sitzecken mit dem Blick auf den angrenzenden kleinen Wald oder der Möglichkeit für die eine oder andere Grill-Party.

Die ersten Anmeldungen liegen vor

Nach der offiziellen Einweihung am vergangenen Freitag startet nun der „Betrieb“ für die Gäste, die an drei Tagen in der Woche hier „trotz einer progredienten Erkrankung Freude und Sinnhaftigkeit durch Austausch und Aktivitäten mit anderen Betroffenen und Fachkolleg*innen erleben möchten“, wie das Franziskus-Hospiz es in ihrer Ankündigung ausdrückt.

Die Finanzierung der sechs Plätze übernehmen zu 95% die Krankenkassen, 5% werden durch Spenden finanziert. Dieses Modell findet bei Silke Kirchmann Zustimmung, bedeute es doch: „Ich bin so froh, dass sich der Betrieb eines ambulanten oder auch stationären Hospiz monetär nicht lohnt.“

Info:
Infos zu allen sechs Säulen, die zusammen das Kompetenzzentrum für Hospizarbeit und Palliativversorgung bilden (Palliative-Care-Team, ambulanter Palliativ- und Hospizberatungsdienst, Stationäres Hospiz, Kinder- und Jugendhospizdienst, Bildungssektor und nun Tageshospiz) unter: www.franziskus-hospiz-hochdahl.de.

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1 Kommentar

  1. Sehr gut wiedergegeben liebe Susann. Ein bewegender und wertvoller Artikel. Ich habe die Feierstunde genauso empfunden. Ein ganz großer Dank an dich und an das tolle Team des Franziskus-Hospizes.

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