
„Förderanträge zu stellen, ist Künstlern wesensfremd“, sagt Ute Küppersbusch aus eigener Erfahrung. Mit FöneK haben Kulturschaffende ein ‚Backoffice‘, dass sie dabei unterstützt und auch selbst fördert.
2015 hatte Landrat Thomas Hendele die Idee, dass ein Verein, der Kulturschaffende unterstützt, hilfreich wäre. Die Idee fiel auf fruchtbaren Boden, auch bei Volker Freund, der einst selbst beruflich für den Kreis tätig war. Zur Gründung wurden Künstler und Kulturschaffende, sowie Freunde und Unterstützer eingeladen. Mit der Gründung wurde ein siebenköpfiger Vorstand gewählt. Drei Vertreter sind als Beisitzer selbst Künstler, sowie Ute Küppersbusch. „Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich selbst das erste Mal einen Förderantrag stellte und dann später den Verwendungsnachweis einreichte. Ich hatte keine Ahnung, dass Förderung und Verwendung unter dem Strich auf Null kommen müssen“, denkt sie zurück. „Förderanträge zu stellen ist für Künstler einfach wesensfremd“, beschreibt sie das Dilemma. Ein Dilemma, das FöneK quasi ‚aus der Welt schaffen kann‘. Neben Ute Küppersbusch sind als Künstler im Vorstand auch Ute Kaiser und Armin Schmidt tätig, die quasi ‚die Basis vertreten‘.
Für all das, was Künstlern ‚wesensfremd‘ ist, steht der übrige Vorstand: Dr. Helmut Stein als erster Vorsitzender, Beate Domdey-Fehlau als zweite Vorsitzende, Volker Freund als Schatzmeister und Fritz Reich als Schriftführer. Als beratendes Mitglied ist auch Dr. Barabara Bußkamp, Kulturreferentin im Kreis Mettmann, im Verein aktiv. Im ‚verflixten siebten Jahr‘, können sie alle auf eine positive Bilanz zurückblicken. Der Verein, der aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden kleinere Projekte im dreistelligen Bereich oft auch unbürokratisch selbst fördert, übernimmt im ‚zweiten Schwerpunkt‘ auch die Beantragung und Abrechnung von Fördermitteln für größere Projekte, an denen zum Teil auch mehrere Künstler oder Institutionen mitwirken. „Der Begriff Kultur ist bei uns bewusst breit gefächert“, erklärt Dr. Helmut Stein. Dazu gehöre auch bürgerschaftliches Engagement im Bereich Kultur zu fördern, wie etwa lokale Veranstaltungen.
„Wir möchten die Sichtbarkeit von Vereinen und Kulturschaffenden erhöhen und dadurch auch mehr Mitglieder und Sponsoren oder Spender gewinnen“, beschreibt Dr. Helmut Stein die Ziele von Fönek, dem Förderverein Neanderland Kultur. Das Kunst und Kultur quasi ‚am Hungertuch nagen‘ wurde vielfach beschrieben, aber was wäre die Welt ohne Kunst und Kultur? „Wir möchten mehr Partner aus Industrie und Wirtschaft gewinnen, damit mehr Unterstützung möglich ist“, so Stein.
Da geht doch sicher noch mehr
Volker Förster präsentiert die Bilanz nach sechs Jahren Vereinstätigkeit. Insgesamt wurden 30 Projekte mit 258 Tsd. Euro gefördert. Das setze sich auch den beiden Förderschienen, die zum einen aus eigener kleiner Förderung aber zum anderen aus akquirierter Projektförderung bestehen, zusammen. Letzteres sei gerade auch bei Projekten mit mehreren Veranstaltern hilfreich, da FöneK die Mittel akquiriert, an die einzelnen Projektteilnehmer ausschüttet und später auch den Verwendungsnachweis an den Fördermittelgeber erstellt. „Auf diesem Weg haben wir seit Gründung für 16 Projekte die Fördermittel akquiriert und auch abgerechnet“, erklärt Förster. 14 Projekte habe der Verein aus eigenen Mitteln gefördert. „Das sind dann vergleichsweise bescheidene dreistellige Beträge, die aber oft schnell und unbürokratisch helfen“, so Förster. Kürzlich habe man einen Ausstellungskatalog finanziert, ließ er uns wissen. Auch das Tanzprojekt 1000 und 1 Tropfen, der Jazzsommer, das Andertalfestival und viele mehr hätten von einer Förderung durch FöneK profitiert.
Je mehr Mitglieder, Sponsoren und Spender der Förderverein gewinnt, desto mehr profitieren Kulturschaffende und Freunde der Kultur von den Förderungen des Vereins. Profitiert von der Förderung des Vereins hat auch Jan Schmidt, der im Kreis inzwischen durch seine Poetry-Slam-Veranstaltungen bekannt geworden ist (Wir berichteten hier und hier). In einer Pressekonferenz des Vereins trug er dazu einen Poetry-Slam ganz fürs Neanderland vor, der auch uns faszinierte und den wir mit freundlicher Genehmigung von Jan Schmidt unterhalb einfügen. Absolut lesenswert, auch wenn das Lesen kaum einen Poetry-Slam-Vortrag ersetzen kann. „Ich bin eines der Förderkinder des Vereins“, dankte Jan Schmidt dann auch den Verantwortlichen für das niederschwellige Angebot. Mit der Förderung von Poetry-Slam wollte der Verein vor allem das Bewusstsein für Literatur fördern. Für den CVJM Hochdahl finanzierte der Verein zum 50-jährigen Bestehen eine Auftragskomposition und bei vielen Projekten, stand Fönek bisher Kulturschaffenden hilfreich zu Seite. Mit Unterstützung durch neue Mitglieder, Spender oder auch Sponsoren aus Wirtschaft und Industrie könnte da in Zukunft in Sachen Kultur noch deutlich mehr gehen. Dr. Stein hofft so auch Kinder und Jugendliche künftig noch mehr an Kunst und Kultur heranzuführen.
Seit Gründung geförderte Projekte im Überblick


Mehr über Fönek: www.foenek.de
Poetry-Slam zum Kreis Mettmann
Vielen Dank noch einmal an Jan Schmidt, der seinen Text für unsere Leser zur Verfügung gestellt hat.
Gemütlich ist da, wo das Pilsken ohne Bestellung aufm Tisch kommt
„Hilft ja nix“ , könnte das Motto lauten. Oder „Woanders ist auch scheiße“. Fragt
man in der Innenstadt egal wo im Kreis Mettmann nach, ob die Menschen zufrieden
mit sich und ihrer Stadt sind, lautet die meist genannte Antwort „Och joa, ist schon
ok“. Besser ließe sich das Leben im Kreis wohl auch nicht beschreiben.
Jede Stadt für sich, abgeschirmt von den anderen, „Ja die Mettmanner, das ist schon
ein seltsames Völkchen, aber ich sach dir eins, men Jung, Hilden ist wirklich
komplett albern“. Ja, die anderen, die sind immer seltsam. Es gibt keine Ausnahmen,
aber wir selbst? „Och joa, ist schon ok. Gemütlich ist da, wo das Pilsken ohne
Bestellung aufm Tisch kommt.“ Sauf dir das ruhig schön, Jürgen.
Das Neandertal liegt hier im Kreis, das finden alle immer super, nur um die
Nachbarschaft dann trotzdem wieder zu beleidigen. „Aber den Neandertaler, den
sieht man heute noch in Langenfeld tagtäglich durch die Straßen wandern hähä.“
LUSTIG, JÜRGEN! HAHAHA!
Ich bin in Wülfrath groß geworden und egal wo man das sagt, es kommt immer so ein
bemitleidendes „Oh, schade.“, sogar in Wülfrath selber. Mutig, wie ich finde. Im
Kreis Mettmann sehen alle Innenstädte gleich aus. Ab und an ist Markt, es gibt einen
zentralen Omnibusbahnhof, ein völlig unnötiges und den Einzelhandel zerstörendes
Einkaufszentrum, die paar Ecken wo alle 6-8 Monate der nächste Laden mal wieder
pleite geht, eine Altstadt auf die die jeweilige Stadt sehr stolz ist und Rentner, überall
sind Rentner. Man könnte meinen der Kreis ist ein großes Altersheim mit fahrlässig
viel Freigang und Alkoholkonsum. Dazu sind alle Städte chronisch pleite, außer
Monheim. Monheim scheißt Gold. Ich weiß, ich bin Poet, aber auch nach Wochen der
Überlegungen gibt es keine treffendere Umschreibung als MONHEIM SCHEIßT
GOLD. Und überall gibt es so absurd viele Kneipen. In der Hochzeit gab es in
Wülfrath 15 Kneipen nur im fußläufigen Zentrumsbereich und wenn man sich
Wülfrath so anschaut, versteht man auch warum.
Mittlerweile lebe ich seit 5 Jahren in Bochum, besuche aber nach wie vor regelmäßig
meine Großeltern in Wülfrath. Immer wenn ich dann alte Freunde treffe, „die es nicht
raus geschafft haben“, erzähle ich von der magischen Großstadt. Wie lange man
einkaufen kann, wie lange man Essen bestellen kann, wie lange Busse fahren, was
genau ein zentraler Bahnhof ist und was der verrückte Obdachlose den verängstigten
Anzugträgern heute wieder hinterher geschrien hat. Und wenn wir dann auf der
Terrasse sitzen, ein Pilsken trinken, die Stille genießen und sie dann irgendwann
anfangen zu erzählen, was hier so los ist, denk ich mir jedes Mal: ihr wisst gar nicht
wie gut ihr es hier habt. Es ist wunderschön, überall ist es fast schon obszön schön, es
ist angenehm ruhig, jeder kennt hier jeden – diese Städte sind alle sehr persönlich,
jeder hat einen emotionalen Bezug zu seiner Heimatstadt, oft sogar noch zu
mindestens einer Nachbarstadt.
Und dann sagen immer alle, dass hier nichts los wäre. Und das ist ja mal der größte
Unsinn. Ich selbst veranstalte in bislang drei, bald fünf Städten regelmäßig Poetry
Slams, es gibt unzählige kleine Locations mit Theater-Aufführungen, Comedy- und
Kabarett-Abenden, die vielen Bands im Kreis geben ständig richtig tolle Konzerte, es
werden herausragende Autor:innen zu Lesungen eingeladen, die zahlreichen
Künstler:innen präsentieren ihre Kunst in Ausstellungen, es gibt Tanz-Performances,
Schwimmbäder, Spazierpfade, Museen, es gibt alles direkt vor eurer Haustüre. Ihr
müsst sie nur mal aufmachen und hinschauen und euch auch mal trauen die Sachen
zu besuchen, die man vielleicht nicht auf Anhieb kennt oder vielleicht auch mal ein
bisschen seltsam klingen.
Und in diesem Sinne sollten wir doch froh sein, dass es Vereine wie den Foenek e.V.
gibt, die sich zur Aufgabe gemacht haben, das zu fördern und sichtbar zu machen,
was wir alle hin und wieder vergessen.
© Jan Schmidt

Hinterlasse jetzt einen Kommentar