Eine ganz besondere Kita

Philipp Loscheider (l.) von der Zimmerei Ehlers, Melanie Neuhaus vom Architektenbüro MRR und Bürgermeister Christoph Schultz. Foto: Heike Bartels

Es hat zwar ein wenig länger gedauert, weil noch einmal umgeplant werden musste, dafür ist die Kita Karlstraße nun aber auch klimaneutral und konnte gestern Richtfest feiern.

„Wir blicken mit Stolz auf den Bau“, sagt Bürgermeister Christoph Schultz anlässlich des Richtfestes für die Kita Karlstraße, das Donnerstagnachmittag gefeiert wurde. „Es ist die erste klimaneutrale Kita in Erkrath und ein sichtbares Zeichen, dass wir Verantwortung für die Zukunft übernehmen.“ Besonders der nächsten Generation, also den Kindern gegenüber, habe man diese Verantwortung: „Sie werden eine gute Tagesstätte vorfinden.“

Da eine Reklamation der Unfallkasse eine Umplanung erforderlich machte, ist die Verwaltung schon viereinhalb Jahre mit der der Kita-Planung beschäftigt. Umso mehr freut sich Schultz, dass er nun endlich gemeinsam mit Melanie Neuhaus vom Architekturbüro MRR aus Düsseldorf, das die Planung übernommen hat, und Philipp Loscheider von der Zimmerei Ehlers aus Köln mit Killepitsch auf den Rohbau anstoßen konnte. Wie es beim Richtfest Brauch ist, hatte der Zimmerermeister einen Richtspruch in Reimform vorbereitet. „Hier zu stehen und unser aller Werk zu sehen, füllt mein Herz mit großer Freud, ich hoffe ebenso gefällt es auch Euch lieben Leut“, dichtet er und dankt auch seinen Mitarbeitern für ihren Einsatz auf der Baustelle. „Gesegnet sei das Haus… Die Kinder, die hier spielen, singen und so vieles üben, möge nie ein Leid betrüben.“

Bürgermeister Christoph Schultz bedankt sich bei den Handwerkern, dem Architekturbüro und dem Team von der Stadtverwaltung um Projektleiterin Edina Mollenhauer und Daniela Winter, Fachbereichsleiterin Immobilienmanagement, für ihre Arbeit. „Es ist ein Gemeinschaftsprojekt“, so Schultz, „und heute ein Moment des Innehaltens und der Freude.“

Melanie Neuhaus ging noch einmal auf die nach der erteilten Baugenehmigung erforderliche Umplanung ein: Ursprünglich war geplant, mit Rampen den aufgrund der Hanglage entstandenen Höhenunterschied im Erdgeschossbereich – vom Eingang im Süden bis zum Austritt im Norden – zu überwinden. Die Rampen wurden von der Unfallkasse jedoch nicht genehmigt. „Geplant war eigentlich auch eine Hybridbauweise – Boden und Deckenplatten aus Stahlbeton, die Außenhülle in Holzbauweise. Doch als die Umplanung anstand und von Seiten der Politik gefordert wurde, den Bau energetisch zu optimieren, konnten wir die Kita nun doch in leimfreier Vollholzbauweise errichten“, zeigt sie sich zufrieden. Die Idee dazu hätte das Büro, das von Martin Ritz-Rahman geleitet wird, schon vorher gehabt. „Wir hatten uns auch schon entsprechende Gebäude in Südtirol angeschaut, in NRW fehlen sie noch.“

Nur die Bodenplatte besteht jetzt aus Beton, Wände und alles andere aus Holz. „Auch der Aufzug kommt ohne Beton aus“, betont Neuhaus. Das sogenannte „Sichtholz“ besitze nicht nur eine natürliche Wärmedämmung, sondern enthalte durch den Verzicht auf Leim auch keine Schadstoffe. „Das Holz könnte direkt wiederverwertet werden“, erklärt sie. „Und die Wände müssen auch in Zukunft nicht mehr behandelt oder gestrichen werden.“ Außerdem müsse keine aufwendig zu bedienende und störungsanfällige Lüftungsanlage eingebaut werden, sondern nur Fenster. Das Heizen erfolgt über Geothermie. „Das ist Low-Tech und klimafreundliches Bauen auf hohem Niveau.“ Die herausragende Dachplatte im Obergeschoss übernehme den Sonnenschutz für die gläserne Ostfassade. „Durch die Umplanung wurde in den Hang gebaut und die Gruppen im Obergeschoss haben jetzt auch direkten Zugang zum Außengelände.“ Sie wünsche sich später auch die Verwendung schadstoffarmer Möbel, ergänzt die Architektin.

Für Philipp Lohscheider und seine Firma war die Kita das erste Projekt in Vollholzbauweise. „Die fertigen Wandelemente wurden von der Firma Holzius angeliefert und wir haben sie zusammengebaut“, erklärt er, „kein Leim, nur Nägel wurden verwendet. Es war ein bisschen wie Lego für Große“, sagt er lächelnd.

Bei einem Rundgang durch den Rohbau zeigte Projektleiterin Edina Mollenhauer die schon entstandenen Räume: Von den insgesamt vier geplanten Gruppenräumen, zu denen jeweils zwei Nebenräume gehören, befinden sich zwei im Ober- und zwei im Erdgeschoss. „Außerdem gibt es Wickelräume, eine Aufwärmküche, einen Bistrobereich und einen Ruheraum.“ Und barrierefrei sei die Kita auch. „Wir hoffen, dass im Sommer 2022 die Kinder einziehen können“, so Fachbereichsleiterin Daniela Winter.

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