Dreimal ausgezeichnet: Kardiologie im EVK

von Ria Garcia

V.l.: Qualitätsmanagerin Stefanie Wiesenbach, Chefarzt Dr. med. Georg Haltern, EVK Geschäftsführerin Jessica Llerandi Pulido und Oberarzt Dr. med. Philipp Baldia | Foto: Ria Garcia

Innerhalb von drei Monaten hat die Kardiologie des Evangelischen Krankenhauses in Mettmann drei Zertifizierungen erreicht.

Im November 2025 erreichte das Team der Kardiologie unter Leitung von Chefarzt Dr. med. Georg Haltern die Auszeichnung Zertifiziertes Hypertonie-Zentrum DHL® durch die Deutsche Hochdruck Liga (DHL). Unbehandelter Bluthochdruck schädige langfristig Gefäße und Organe und könne zu einer dauerhaften Herzschwäche bis zum lebensbedrohlichen Schlaganfall führen, erklärte Dr. med. Haltern im Gespräch. „Bluthochdruck wird häufig als klassiche Erkrankung im steigenden Alter abgetan, hat aber unbehandelt gravierende Folgen“, so Haltern. Welche Vorteile die Zertifizierung für die Behandlung der Patienten hat, beschrieb er auch. Es beginne mit einer detaillierten Diagnostik, der sich eine individuell geplante Therapie und regelmäßige Verlaufskontrollen anschließen. In diesem Prozess arbeiten im EVK Mettmann Kardiologen, Nephrologen und Endokriniologen eng zusammen. Mit der Zertifizierung habe die DHL nun ausgezeichnet, dass die Versorgungsstrukturen im EVK Leitlinien gerecht aufgestellt seien, freut sich Dr. med. Haltern.

Einen Monat später, im Dezember 2025, wurde das Evangelische Krankenhaus in Mettmann dann vom Deutschen Rat für Wiederbelebung – German Resuscitation Council (GRC) als Cardiac Arrest Center zertifiziert. Dabei geht es um die Versorgung des absoluten Notfalls, dem Herzstillstand. „Der Unterschied zwischen einem Herzinfarkt und einem Herzstillstand ist vielen Menschen gar nicht bewusst. Während beim Herzinfarkt der Blutfluss gestört ist, funktioniert beim Herzstillstand die Mechanik des Organs nicht mehr. Das ist ähnlich wie bei einem Motorschaden im Auto“, erklärt Oberarzt Dr. med. Philipp Baldia.

Baldia verstärkt das Team von Chefarzt Dr. med. Haltern seit Sommer 2025. Der Kardiologe, der auch Notarzt ist, kennt die Abläufe im Notfall sowohl präklinisch auf der Straße, wie auch in der weiteren Behandlung im Krankenhaus. Beim Herzstillstand bleibe nur sehr wenig Zeit das Herz wieder zum Pumpen zu bringen, denn wenn die Blutzirkulation stoppe würden innerhalb kürzester Zeit das Gehirn und andere wichtige Organe nicht mehr mit Sauerstoff versorgt, mit der Folge, dass der Patient verstirbt. „Eine qualifizierte, schnelle Versorgung ist hier überlebenswichtig“, so Dr. med. Baldia. Die hochspezialisierte Versorgung beginne bei der Reanimation des Patienten, führe über die postreanimationsmedizinische Betreuung bis hin zur regelmäßigen Nachsorge. „Ein Herzstillstand ist der absolute Worst Case und dafür halten wir rund um die Uhr ein Team aus Kardiologen, Intensiv- und Notfallmedizinern vor“, sagt EVK Geschäftsführerin Jessica Llerandi Pulido. In Deutschland sterben jährlich immer noch rund 65.000 Menschen an einem Herzstillstand.

Für die Zertifizierung zum Cardiac Arrest Center prüfen externe Gutachter sowohl die Räumlichkeiten, als auch die grundsätzlichen Voraussetzungen. Sind die Abläufe klar dokumentiert? Wie ist die Vernetzung mit dem Rettungsdienst? „Dazu gehören auch Fortbildungen des Rettungsdienstes zur Erkennung eines Herzinfarkts“, erklärt Dr. med. Baldia. Die hochqualizierte Versorgung soll dadurch sichergestellt werden. „Wir genügen deutschen und europäischen Standards. Vergleichbar mit Unikliniken, aber bei uns sind die Wege kürzer“, beschreibt Dr. med. Haltern die Wertigkeit der Zertifizierungen für die Patienten. Anders als andere kleinere Krankenhäuser sei man im EVK Mettmann Treiber, wenn es um weitere Zertifizierungen gehe. „Die Voraussetzungen für die Zertifizierung zum Cardiac Arrest Center waren erfüllt. Das zeigt, dass wir trotz Umbau und Erweiterung eine qualitativ hochwertige Versorgung bieten“, freut sich Jessica Llerandi Pulido.

„Mit der einmal erreichten Zertifizierung ist es aber nicht getan. Wir müssen regelmäßig rezertifiziert werden“, erklärt Dr. med. Baldier im Gespräch. Für die Chest Pain Unit, eine Spezialstation zur Diagnostik und Primärtherapie von Patienten mit akuten Brustschmerzen zur Früherkennung von Herzinfarkten, war das im Januar der Fall. „Das ist nicht weniger herausfordernd. Alle Kriterien werden erneut überprüft“, so Dr. med. Haltern. Die Zertifizierungen und Re-Zertifizierungen für die Chest Pain Unit erfolgen durch die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung (DGK).

Qualität auf hohem Niveau

Die Frau, die im Evangelischen Krankenhaus Mettmann die Voraussetzungen für die Zertifizierungen im Blick hat, ist Qualitätsmanagerin Stefanie Wiesenbach. Sie stimmt mit den Fachabteilungen ab, welche Zertifikate erworben werden sollen, nimmt Kontakt mit den Fachgesellschaften auf und erfragt die Voraussetzungen. An vieles hätte man schon zu Beginn einen Haken setzen können, weil es bereits so vorhanden war. Zu den Voraussetzung gehören auch Schulungen der Mitarbeiter und Ärzte, die nachweisbar sein müsse. Es gehe darum standardisierte Abläufe zu erreichen und zu dokumentieren. „Es ist wichtig, das nicht jeder macht, was er denkt, sondern das, was richtig ist“, erklärt Stefanie Wiesenbach. „Der Zertifizierungsprozess schweißt das Team noch einmal mehr zusammen“, ist sie sicher.

„Alle Abläufe drehen sich um den akuten Herzinfarkt. Er ist der kleine Bruder vom Herzstillstand“, beschreibt Dr. med. Haltern. „Einen Herzstillstand erleiden Menschen auch ohne, dass ein Herzinfarkt vorliegt. Beispielsweise bei einem Schlaganfall oder durch einen Unfall“, ergänzt er. Bei einem akuten Herzstillstand beginne der Behandlungsablauf beim Rettungssanitäter und ende bei der Entlassung bei der Krankenschwester. „All sie sind Leben!“, erklärt Haltern, wie wichtig jeder einzelne Mitarbeiter im Gesamtprozess ist. „Wir decken die Akutversorgung für den Kreis Mettmann ab“, verdeutlicht er. Das sei neben dem EVK Mettmann für den Kreis sonst nur in Velbert gegeben.

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