Dezember: Lesetipp der Stadtbücherei

Stadtbücherei Erkrath

Das Team der Stadtbücherei Erkrath. Bild: Stadtbücherei

Ray und Moth haben gerade vor einem Gericht ihr Haus verloren. Moth erhält kurz danach die Diagnose, dass er eine unheilbare Nervenkrankheit hat und bald sterben wird. Der Lesetipp des Monats ist also nichts für „schwache Nerven“.

Bücher sind Fenster in eine andere Welt, daher möchten wir euch einmal im Monat in Kooperation mit der Stadtbücherei Erkrath verschiedene Bücher vorstellen. Das Team der Stadtbücherei, unter der Leitung von Anne Heimansberg-Schmidt, schreibt zu Beginn eines jeden Monats eine Buchrezension.

Buchtipp: Winn, Raynor

Verlag: DuMont
Verfasser: Winn, Raynor
Umfang: 330 Seiten
Jahr: 2019
ISBN: 
9783770166886
Zielgruppe: Erwachsene, mit Interesse an besonderen Schicksalen

Medientipp: Ray und Moth haben gerade vor einem Gericht ihr Haus verloren. Moth erhält kurz danach die Diagnose, dass er eine unheilbare Nervenkrankheit hat und bald sterben wird. Als die Gerichtsvollzieher klingeln, versteckt sich das Mitte 50jährige Ehepaar unter der Treppe. Doch das nützt ihnen nichts, weder gegen die niederschmetternde Diagnose noch gegen die Räumung des Hauses. Damit verlieren sie auch ihren finanziellen Lebensunterhalt, denn der Bauernhof war ihre Lebensgrundlage und Einkommensquelle zugleich. Jetzt stehen sie ohne Wohnung da, nur ein paar Dollar Sozialhilfe gibt es Woche für Woche. Ray schlägt vor, sie könnten einfach im Zelt leben und den South West Coast Path laufen. Über den Sommer könnten sie dabei über ihre Situation nachdenken. Der Arzt hat Moth zwar von körperlicher Anstrengung abgeraten und „meiden Sie Treppen“ gesagt, aber ein Küstenpfad wird ja wohl flach am Strand entlanglaufen. Und 6 kg Gepäck auf dem Rücken zu tragen, dürfte schon gehen. Dies ist die Ausgangssituation für Raynor Winns autobiografischen Roman, in dem sie schildert, wie sie sich über den Weg zurück ins Leben kämpfen. Was die beiden bei ihrem wahnwitzigen Vorhaben nicht bedacht haben, ist, dass der Path in Wahrheit 1.014 km lang ist und 35.031 Höhenmeter zu bewältigen sind. Trotzdem starten sie ihren langen Weg in eine ungewisse Zukunft.

Was hat mir am besten gefallen? Winns Autobiografie reiht sich in eine lange Kette „Wanderberichte“ ein, die seit Kerkelings „Ich bin dann mal weg“ sehr beliebt auf dem deutschen Buchmarkt sind. Trotzdem sticht der Lebensbericht durch seine schönen Beschreibungen der Natur, Moth und Rays Charakter, die sehr unterschiedlichen Reaktionen der verschiedenen Leute, die sie auf dem Weg treffen und die fast schon philosophischen Gedanken heraus. Auch hat mir der Blick auf das Thema Obdachlosigkeit gut gefallen und mich angeregt, über meine eigene Einstellung gegenüber Obdachlosen nachzudenken. Außerdem macht das Buch Lust, selbst wieder die Wanderstiefel zu schnüren und einfach loszulaufen.

Eine Abbildung des Buchs findet Ihr hier

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