Der tiermedizinische Nachwuchs ist sicher

von Susann Krüll

Alle fleißig bei der Arbeit. Foto: SK

Besonderer Ferienspaß-Ausflug: Besuch der Tierklinik in Haan

Zum siebten Mal war der Termin für den Besuch der Tierklinik Neandertal, die vor dem Umzug nach Haan in Hochdahl-Trills beheimatet war, im Rahmen des Freizeitspaß-Programms der Stadt Erkrath in Windeseile ausgebucht. „Selbst wenn das genaue Datum beim Erscheinen des Programms noch nicht feststeht, sind die Plätze ganz schnell weg. Und es kommen auch alle angemeldeten Kinder, wenn wir das Datum dann mitteilen“, weiß Denise Kuhn, Abteilungsleiterin Kinder- und Jugendförderung. Die Idee, Kindern einen Blick hinter die Kulissen der Tierklinik zu ermöglichen, hatte 2016 Regina Wedding, Erkraths stellvertretende Bürgermeisterin. Von Anfang an konnte sie für den Transport auf  die Freiwillige Feuerwehr Erkrath zählen. Seit sieben Jahren fährt Marco Windgasse vom Löschzug Millrath die Kinder in einem roten  Feuerwehr-Transporter zur Tierklinik und zurück zur Wache.

Rundgang durch alle Abteilungen

Los ging es an der Feuerwache Schimmelbuschstraße. Mit Schalensitzen im Gepäck gaben die Eltern ihre Sprösslinge in die vertrauensvollen Hände von Feuerwehrmann Windgasse, der später erzählte: „Auf der Hinfahrt sind die Kids immer ganz ruhig, weil sie ja nicht wissen, was auf sie zukommt und sie kennen sich ja auch nicht immer alle untereinander.“ Ganz anders auf der Rückfahrt, aber dazu später. Regina Wedding und Denise Kuhn nahmen die sechs Mädchen und zwei Jungen auf dem Parkplatz der Klinik in Haan wieder in Empfang, waren sie doch mit dem Pkw gefahren. Zusammen ging es unter der Führung von Kristin Kiefer, Tiermedizinische Fachangestellte in der Klinik, in die Bereiche, die Frauchen und Herrchen, die ihre Tiere zur Untersuchung und auch Operation hierher bringen, nicht zu sehen bekommen. Zur großen Verwunderung von Regina Wedding startete die Tour im OP. „Da waren wir in den Jahren zuvor noch nie, das ist eine Premiere“, so die Katzenbesitzerin verwundert. Dr. med. vet. Peter Engelhardt, der zusammen mit Klinikgründer Dr. med. vet. Marcus Hess, die Tierklinik leitet, begrüßte die Kids – alle angetan mit FFP2, bzw. OP-Masken – und erklärte ihnen, dass er gerade die OP an einer Katze beendet habe. „Die Katze hatte ein Probleme mit dem Magen, da mussten wir operieren“, hielt er seine Aussage bewusst wage, was der Katze fehlte. Doch die Kids zeigen sich von der noch narkotisierten Katze und dem Hund, der auch schon im Traumland weilte, auf dem Tisch daneben, nicht erschreckt. Sie stellen unbekümmert ihre Fragen und erzählen von eigenen Erfahrungen mit OPs und Narkose. Regina Wedding sah man als „Katzen-Mama“ an, dass ihr das schon nahe ging, Tiere auf dem OP-Tisch liegen zu sehen.

Im OP mit Dr. med. vet. Peter Engelhardt und Kristin Kiefer. Foto: SK

Doch es dann ging es auch schon weiter, standen doch noch weiter OPs für den Arzt  an. Die frisch operierten Tiere sollen auch schnell in den Aufwachbereich gebracht werden, der bei der Rundtour aus verständlichem Grund nicht auf dem Programm steht.

CT, MRT, Röntgen und Labor

Mit Kristin Kiefer an der Spitze setzte sich die Besucherschar Richtung Untersuchungsräume in Bewegung. Als erstes ging es zum CT, mit dem laut Kristin Kiefer ‘Knochen und Tumore’ untersucht werden. Auf die Frage, was denn ein Tumor sei, erklärte die erfahrene Tierarzthelferin es der Fragerin kindgerecht. Als nächstes stand der MRT-Raum an. ‘Guide’ Kristin Kiefer erklärt ihren jungen Besuchern, was die Abkürzung  bedeutet und was man damit untersuchen kann. Beeindruckt war sie davon, was die Kids schon so vieles wussten und ihr Wissen nicht zurückhielten. „Ich war schon mal im MRT für Menschen, das ist ganz schön laut darin“, erzählt Cooper und fragt, ob das Gerät hier auch so funktioniert. „Ja, ganz genauso. Auch hier dürfen die Tiere nichts aus Metall am Körper haben, also keine Leine mit der Hundemarke. Wir Menschen müssen ja auch Schmuck, Gürtelschnallen, Uhren und anderes ablegen, bevor wir in die Untersuchungstrommel hinein gefahren werden. Da  diese Sachen magnetisch sind, würden sei alle von dem angeschalteten Gerät angezogen werden“, so Kiefer. Auch im Raum mit dem Röntgengerät konnten einige der eifrigen Besucher eigene Erfahrung mit gebrochenem Finger und verstauchtem Fuß beisteuern. Bevor Kiefer ein Röntgenbild auf dem Computer zeigen konnte, kam eine Kollegin herein, die einen Hund zur Untersuchung dabei hat. Das Labor bildete den Schlusspunkt des Rundgangs, von dem aus es zum von  Kristin Kiefer vorbereiteten Untersuchungsraum ging.

Verbände für plüschiges (Versuchs)Kaninchen und Fuchs

Wider Erwarten war der Raum belegt, in dem Kristin Kiefer einiges für die Kinder vorbereitet hatte. “Da läuft eine Katze frei rum“, so Kristin Kiefer. Kurzerhand fand sie mit einer Kollegin schnell einen anderen Untersuchungsraum für die Katze, die – dann wieder in der Transportbox – mit ihrem Besitzer den Raum wechselte. „Ich habe in diesem Raum ja alles für Euch vorbereitet“, erklärte sie, nach der kleinen Verzögerung, in der sie erfuhr, dass die Geschwister Emmi und Cooper zwei Katzen haben, ab und zu Eichhörnchen oder Maulwürfe mit ihren Eltern wieder aufpäppeln, die diese von ihren Streifzügen mitgebracht haben. „Und Oma und Opa haben einen Hund“, berichtete Cooper weiter. Maike hat einen Hamster zuhause, allerdings würde sie gern Hasen in einem Gehege im Garten haben. „Das sind meine Lieblingstiere. Das geht aber leider nicht, denn der Garten liegt voll in der Sonne. Da würden die gegrillt werden“, so die Neujährige. Dass man das nicht möchte, darin waren sich alle einig. Als auf die Kids auf dem Untersuchungstisch dann ein Fuchs und ein Hase warteten, natürlich Plüschtiere, freute sich Kaninchen-Fan Maike besonders.

Doch auch die Papiertüten auf der Fensterbank weckte die Neugier der aufmerksamen kleinen Besucher. „Woher wollt Ihr denn wissen, dass die für Euch sind“, stoppte Kristin Kiefer diejenigen, die bereits hineinschauen wollten. Coopers schlagfertige Entgegnung, dass es schließlich acht seien, ließ sie lachen, aber nicht umstimmen. Sie ließ die Kids sich um den Untersuchungstisch versammeln. Emmi, die einmal Tierärztin werden möchte, gab auf Kiefers Frage, welche Tiere denn hier wohl untersucht werden, als Antwort: „Alle außer Insekten.“ Schließlich einigte man sich auf „Heimtiere“ als Begriff für Hund, Katze, Hamster oder Maus. „Fische sind zwar auch Haustiere, aber für die gibt es spezielle Tierärzte“, erklärte Kristin Kiefer, selbst Mutter von zwei kleinen Töchtern. Danach wollte die Tierarzthelferin von den Kids wissen, wie man denn wohl den zum Hund umfunktionierten Fuchs untersuche, wenn er sage, er habe Bauchschmerzen. „Das kann doch der Hund nicht sagen, sondern nur die Besitzer“, entfuhr es Emmi, bevor sie vorschlägt, überall zu massieren und wenn der Hund an einer Stelle bellt, dann wisse man, wo es ihm weh tue. „Man könnte ihn auch röntgen“, schlug Finn vor. Beide Vorschläge wurden von Kristin Kiefer als gut befunden und sie führte aus: „Egal weswegen ein Tier zu uns kommt, es wird immer zuerst generell untersucht: Herz und Lunge werden abgehört, es wird geschaut, ob die Ohren verschmutzt sind und auch Fieber gemessen. Dann wird noch ins Mäulchen geschaut, ob Zähne, Zahnfleisch und Zunge gut aussehen. Wenn nötig, wird dann ein Ultraschall oder eine Röntgenaufnahme gemacht.“

Dann wollte sie von den Kids wissen, ob sie den Tieren einen Verband anlegen wollten, was mit allgemeiner Zustimmung beschieden wurde. Zunächst bekam der ‘Hunde-Fuchs’ wegen Bauchschmerzen einen Verband von Emmi um den Bauch gewunden, der Hase wegen eines Bruchs einen ums Bein von Maike. Doch da auch die anderen gern Hand anlegen wollten, fing Ava an, die Ohren des Hasen wegen Ohrenschmerzen zu verbinden. Dann ging es Schlag auf Schlag, bis beide Kuscheltiere wie ägyptische Mumien aussahen. Der Vergleich führte zu einem allgemeinen Heiterkeitsausbruch, den Kristin Kiefer mit der Frage: „Wollt Ihr Euch gegenseitig einen Verband anlegen?“ stoppen konnte. Auch für den Vorschlag waren die Kids sofort offen. Kiefers Hinweis, dass so genannte „CoFlex“ nicht zu fest um den Mullverband, der als erstes angelegt wird, zu binden, traf nicht immer auf offene Ohren: „Man muss noch einen Finger zwischen Haut und Verband stecken können, sonst werden Eure Finger blau und sterben ab“, so Kiefers Ermahnung. Sie bot der etwas zurückhaltenden Amy an, ihr einen Verband anzulegen, so dass nach einiger Zeit ein Gruppenbild der ‘verunglückten’ Truppe gemacht werden konnte.

Schließlich war die ‘Besuchszeit’ um und die Kids durften sich (endlich) eine Tüte nehmen. Darin befanden sich eine OP-Haube, CoFlex, eine Spritze (ohne Nadel), ein Schlauch und Gummitierchen. „Ich werde meinen Chefs empfehlen, Euch später einzustellen, ihr habt so viel schon gewusst, dass ich Euch gar nicht viel Neues erzählen konnte“, verabschiedete Kristin Kiefer, von der die Kids nun auch wissen, dass sie 33 Jahre alt ist, 10 Jahre schon in der Tierklinik arbeitet und damit mit 23, das rechneten sie souverän aus, dort angefangen hatte.

Abschluss auf dem Feuerwehrgelände

Zurück ging es ebenfalls mit Marco Windgasse und dem Feuerwehr-Transporter. Auf dem Gelände setzten sich die Kids im Kreis zusammen und schauten, was in ihren Tüten noch so alles drin war, jetzt zu einer Gruppe zusammengewachsen. „Auf der Rückfahrt erzählen alle durcheinander, was sie alles erlebt haben. Der totale Kontrast zur Hinfahrt,“ grinste er und erinnerte Ava an ihren Sitz, der noch im Bus liegt, als sie abgeholte wurde. Auch sie hatte sichtlich keine Eile sich von den anderen zu trennen. Einige Eltern standen inzwischen zusammen und unterhielten sich, weil die Kids keine Anstalten machten, mit nach Hause gehen zu wollen. Doch schließlich ging auch der tolle Ausflug zu ende, mit einem letzten Gruppenbild vor dem rotem Transporter.

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