Der Grenzgänger Neandertaler und sein Turm

Zum ersten Spatenstich an der Fundstelle des Neanderthalers hoben symbolisch die Schaufel (v.l.): Staatssekretär Dr. Jan Heinisch, Erkraths Bürgermeister Christoph Schultz, Museums-Direktorin Dr. Bärbel Auffermann, Landrat Thomas Hendele und Mettmanns Bürgermeisterin Sandra Pietschmann. Foto: Ria Garcia

Am Mittwoch war erster Spatenstich für den Höhlenturm. Nebelig feucht und unwirtlich wirkte das Neandertal, aber auch die Lebensbedingungen seines ehemaligen Bewohners waren nicht immer freundlich.

Baustellenschild an der Fundstelle.

Der Boden war matschig und feucht, als sich die Gäste auf den Weg zum ersten Spatenstich machten. Dr. Bärbel Auffermann, Museumsdirektorin, erinnerte an den langen Weg, der zu diesem Ereignis führte. An die Ideen zum Baumwipfelpfad oder Entdeckerturm und dann an den Wettbewerb, der 2014 startete und später zum heutigen Entwurf führte. Sie dankte dem Kreis Mettmann für die Unterstützung und Staatsekretär Dr. Jan Heinisch für die 2 Millionen Euro Fördersumme, mit deren Hilfe man dieses Projekt verwirklichen könne. „Wie kann man Heimat auch besser definieren, als mit dem Fundort des Neandertalers“, fügt sie hinzu. Auch der Stiftung Habris dankte sie, die immer wieder unterstützen. Der Stifter selbst, so erfuhren wir später, hat mit einer halben Millionen Euro die Anschubfinanzierung gesichert. „Wir bauen mit dem Höhlenturm nicht nur in die Höhe, wir graben hier auch in die Tiefe“, wies sie die Gäste auf eine ausgehobene Grube auf der anderen Seite hin. Dort, so erfuhren die Besucher, lege man Reste des ursprünglichen Felsens frei. 4,8 Meter soll dort später eine Treppe hinab führen, um den Felsen zu besichtigen. Wer indes den etwas über 20 Meter hohen Höhlenturm erklimmt, darf sich unter der Kalotte (Nachbildung des Schädels) auf einen ganz besonderen Blick ins Neandertal freuen. Mittels ‚Augmented Reality‘ wird er von dort das ‚Gesteins‘ und Mammuts sehen, wie sie einst der Neandertaler selbst von dieser Stelle aus sah. Die Fundstelle, die lange für Besucher eher enttäuschend empfunden wurde, weil sie so wenig die Lebensrealität des Neandertalers zeigt, wird künftig zu einem ganz neuen Erlebnis.

„Wir fördern besonders häufig Projekte, die ’nicht mehr sichtbar‘ sind“, erklärt Dr. Jan Heinisch zum Fördertopf von insgesamt 150 Millionen, mit denen das Land über fünf Jahre die lokale Identität stärken wolle. „Viele Besucher haben sich in der Vergangenheit gefragt: Wo ist denn jetzt die Höhle?“, beschreibt er, was aus seiner Sicht in der Vergangenheit an dieser Stelle fehlte. Das die Höhle nicht mehr da seie, seie der damaligen Zeit geschuldet, in der man den Kalkabbau nach dem Fund eben einfach auch an dieser Stelle fortgeführt habe. „Ich glaube, dass das hier ein echtes Highlight ist. Wir sind der Überzeugung, dass wer hier etwas wirklich Gutes gefördert haben.“

Landrat Thomas Hendele griff Dr. Auffermanns Erinnerung an den Baumwipfelpfad auf. Damals hatten wir sogar einen noch größeren Förderbescheid des Landes bereits vorliegen, erinnert er. „Aber als wir dann hörten, dass für die Stabilität und Befestigung 5 mal 5 Meter große Betonquader hätten installiert werden müssen, haben wir davon Abstand genommen“, erzählt er. Fast 5 Millionen Euro Fördergelder habe der Kreis damals ans Land zurückgegeben. „Das hat uns beim Land nicht unbedingt beliebt gemacht.“ Es sei aber richtig gewesen, denn sonst wäre man nie zu diesem sehr viel filigraneren Projekt gekommen. Im letzten Jahr habe man schon das äußere Umfeld des Museums aufgewertet, auch der Neanderhof sei fertiggestellt und beherberge schon die ersten zwei bis drei Tiere. Dort soll künftig auch wieder gezüchtet werden. Was noch fehle, sei die verbesserte Verkehrsführung. „Da sind wir noch dran“, erklärt Hendele, dass man das gesamte Umfeld entwickeln wolle. Dazu gehöre auch die Wegeverbindung vom Museum zur Fundstelle.

„Wann geht es hier weiter“, wollte schließlich Mettmanns Bürgermeisterin Sandra Pietschmann vom Architekten wissen. „Sofort“, antwortete dieser, erklärte aber, dass man Archäologen einbinden müsse, wegen der Funde in der Vergangenheit. Mit Blick auf die Verantwortlichen des Kreises wünschte sie sich so etwas wie eine Baufortschrittsbeschreibung im Web. Direkt neben ihr stand Bürgermeister Christoph Schultz, der zum gerade erfolgten Spatenstich sagte: „Wir freuen uns, dass ‚der Geburtsort‘ des Neandertalers auf Erkrather Stadtgebiet nun auch gezeigt wird.“ Und weil offensichtlich sowohl Mettmanns Bürgermeisterin Sandra Pietschmann, also auch Erkraths Bürgermeister Christoph Schultz auf witzige Art das ‚Köln-Düsseldorf-Spiel‘ auch für Mettmann und Erkrath beherrschen, verständigten sie sich schließlich augenzwinkernd darauf, dass der Neandertaler ja ein ‚Grenzgänger‘ gewesen sei.

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