
Die Idee des genossenschaftlichen Wohnens an der Schmiedestraße entstand für die Nachnutzung des alten Realschulgebäudes, aber dann änderte der Brand der GGS Sandheide alles.
Auf diesen Moment haben die Mitglieder der Dependance e.G. einige Jahre warten müssen. Zuerst machte der Brand der GGS Sandheide den ursprünglichen Plan das alte Realschulgebäude zu einem Wohngebäude umzubauen zunichte und dann fand die Alternative die Wiese neben der Schule zu bebauen, die als Hasenwiese bekannt ist, nur wenig Freunde. Es regte sich Widerstand, der zu einem Bürgerbegehren führte und die Pläne verzögerte. Im Verlauf kam es zu unschönen Diskussionen auf Facebook und zu so manch verbalem Schlagabtausch im realen Leben. Erst nachdem der Bürgerentscheid keine Mehrheit gegen die Bebauung fand, konnten die Planungen weitergehen. Die von uns in einem Artikel angesprochenen Fragen, wie sich die Satzung mit dem Vorhaben geförderte Wohnungen vorzusehen verträgt, wurden inzwischen mit einer Satzungsänderung im letzten Sommer geklärt und differenziert jetzt zwischen frei finanzierten und geförderten Wohnungen. Für letztere ist lediglich die Mitgliedschaft und ein Anteil in Höhe von 800 Euro notwendig.
Vom Ratsbeschluss im Frühjahr 2017 bis zum rechtskräftigen vorhabenbezogenen Bebauungsplan sind acht Jahre vergangen. Am 20. Februar 2025 trat der vorhabenbezogene Bebauungsplan H 60 in Kraft. In der gleichen Woche erfolgten die Rodung des Grundstücks und notwendige Baumfällungen. „Wir sind von zwei Bäumen ausgegangen, die gefällt werden müssen, aber dann stellte sich heraus, dass quer auf dem Grundstück in den 70er Jahren eine Fernwärmeleitung verlegt wurde und die nach oben hin zum Weg verlegt werden muss. Deshalb mussten nun noch einmal sechs Bäume gefällt werden“, erklärt Wolfgang Teiwes. Eine Prüfung auf Fledermauspopulationen fand im Vorfeld statt. Bevor die Genossenschaft mit den Bauarbeiten beginnt, muss der Förderbescheid vorliegen. „Die Anträge sind gestellt und Bearbeitung“, so Teiwes. Während die Stadtwerke im ersten Schritt für die Verlegung der Fernwärmeleitung zuständig sind, übernimmt die Genossenschaft die eigentliche Erschließung des Grundstücks und die notwendige Verlegung von Strom, Wasser und Lichtwelle. Die notwendigen Arbeiten mit Leitungsverlegung und Straße oberhalb des Grundstücks befinden sich in der Ausschreibungsphase.
„Die Grünarbeiten mussten wegen der Pflanzperiode vorgezogen werden“, erklärt Karl-Heinz Spieker, der mit Wolfgang Teiwes zum Vorstand der Genossenschaft gehört. Wenn die Arbeiten an der Baustraße beginnen, wird der Weg zwischen Bergstraße und Winckelmannstraße vorübergehend für Fußgänger und Radfahrer nicht passierbar sein. Zirka sechs Monate rechnen die Genossen für die Bauarbeiten für die Baustraße, Erdarbeiten und die Unterkellerung, bei der drei Wohnungen in konventioneller Bauweise entstehen können. Die Decke des Kellerrohbaus ist die Tragschicht für die Holz-Fertigmodule, die darauf gestapelt werden. Ein fünf Meter breiter Erschließungskern verbindet mit Treppenhaus und Aufzugsanlage später den West- und den Ostflügel des Gebäudekomplexes. Der Ausbau mit den Holz-Fertigmodulen, die zu den Wohnungen zusammengefügt werden, soll nur wenige Wochen dauern. „Wenn der Zeitplan steht, werden wir noch einmal informieren“, verspricht Wolfgang Teiwes. Anfang kommenden Jahres wollen die Genossen einziehen.
Elf geförderte Einheiten, ein Mobilitätskonzept und Umweltaspekte
Neben acht geförderten Wohneinheiten sollen insgesamt drei Gemeinschaftseinheiten gefördert werden. Dazu gehören eine Gemeinschaftsraum, ein Gästeappartement und eine Werkstatt, in der beispielsweise auch Fahrräder repariert werden können, denn die Planung sieht 40 Fahrradstellplätze vor. Vorgeschrieben wären 33. Zwei E-Bikes sollen zur gemeinschaftlichen Nutzung genauso bereit stehen, wie zwei genossenschaftliche E-Autos. „Die Hälfte der Bewohner verzichtet auf ein eigenes Auto“, erklärt Wolfgang Teiwes. Eine Tatsache, die zu einer Reduzierung vorgeschriebener Stellplätze führt. 14 Carports mit Ladevorrichtung sollen entstehen, von denen zwei für die Genossenschaftsautos gebraucht werden. Außerdem sollen drei übertragbare Tickets für den ÖPNV zur Verfügung stehen.
Das Mobilitätskonzept sei nur ein Teil des sozialen Miteinanders im genossenschaftlichen Wohnen an der Schmiedestraße, erklären Spieker und Teiwes. Es soll auch offensive Angebote geben. Dazu dient unter anderem der Gemeinschaftsraum mit Außenterrasse. Der Erschließungsteil, der Treppen und Aufzug enthält, erstreckt sich über eine Breite von 5 Metern und bietet in jeder Etage überdachte Räume. Die Enden sind offen und bieten in den oberen Etagen einen Balkon. „Wenn der Hof offen ist, kann jeder durch“, erklärt Wolfgang Teiwes. Zum Spielplatz gäbe es allerdings keinen offenen Durchgang. Nach den Auseinandersetzungen während der Zeit des Bürgerbegehrens befürchte man Ärger. Die Einzäunung des Geländes verläuft an der Seite der Winckelmannstraße und oberhalb des Spielplatzes. Die obere Geländegrenze wird von einer Stützmauer umgeben. Der Zugang erfolgt über ein verschließbares Schiebetor.
Beheizt werden soll der Gebäudekomplex mit einer Wärmepumpe, die ihren Strom aus Photovoltaik bezieht. „Bei uns muss sich niemand um hohe Heizkosten sorgen“, erklärt Wolfgang Teiwes. Die Warmwasserbereitung erfolgt über Strom. Die Versickerung von Regenwasser soll auf dem Grundstück erfolgen. Neben Gründächern, die Regenwasser zurückhalten, soll es Zisternen und ein offenes Wasserbecken im Hof unter der Haupttreppe geben, das eine Wiederverwendung ermöglicht und zur Luftbefeuchtung dient. Regenfallrohre und Wasser vom Hof sollen in eine Versickerungsmulde geführt werden. „Bei den Voruntersuchungen des Grundstücks wurden im Sommer auf der Wiese bis zu 50 Grad gemessen“, erklärt Wolfgang Teiwes, warum man auch Verdunstungswasser vorgesehen hat. Er bezweifelt, dass die von Gegnern angeführte Kaltluftschneise außerhalb der Theorie existierte und glaubt, dass erst die für den Bau ergriffenen Maßnahmen eine solche ermöglichen.
Ohne Förderung wäre das Vorhaben nicht finanzierbar
Für die Finanzierung werden zwei verschiedene Förderprogramme und Eigenkapital verwendet. Die Förderung für sozialen Wohnraum aus dem Fördertopf für experimentellen Wohnungsbau und eine Förderung aus dem Bereich Energie und Nachhaltigkeit. Die Differenz wird aus Eigenkapital der Genossenschaft finanziert. Für die frei finanzierten Wohnungen tragen die Genossen mit jeweils einem weiteren Anteil pro Quadratmeter Wohnraum zur Finanzierung bei. „Das folgt dem Prinzip die Stärkeren tragen mehr, als die Schwächeren“, erklärt Wolfgang Teiwes. Ohne die Förderungen sei das Projekt aber nicht finanzierbar.
Mit ihrem Pilotprojekt des seriellen Bauens in Holz-Modulbauweise wollen die Genossen auch aufzeigen, wie man vielleicht künftig schneller und preiswerter umwelt- und klimafreundlichen Wohnraum schaffen kann.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar