Demenzfreundliche Bestattungen

von Susann Krüll

Deliah Köhnen-Schoop. Foto: Susann Krüll

Deliah Köhnen-Schoop ist geschulte Beraterin

Als eine von nur 90 extra geschulten Bestatterinnen und Bestattern in ganz Deutschland hat Deliah Köhnen-Schoop vom „Bestattungshaus Schlehbusch“ sich in einer Schulung ausbilden lassen, um demenziell veränderte Hinterbliebene und deren Angehörige im Todesfall zu entsprechend beraten zu können. „Das Herz bekommt schließlich keine Demenz“, beschreibt Deliah Köhnen-Schoop im Gespräch mit unserer Redaktion die Motivation, warum sie sich entschieden hat, an dieser sehr intensiven Wochenend-Schulung teilzunehmen.

In den Niederlanden schon seit 2017 Thema

„Demenz ist neben dem Tod das zweite große Tabu-Thema in unserer Gesellschaft“, gibt Deliah Köhnen-Schoop, die sich seit ihrer Jugend in der Ev. Kirche Hochdahl auch als Mitglied im Presbyterium engagiert, zu bedenken. „In den Niederlanden kann man bereits seit 2017 diese Schulung besuchen, bei uns in Deutschland ist dieses Thema erst seit Kurzem ins Bewusstsein der Bestattungsunternehmen gerückt“, erzählt sie. „Wenn ein Angehöriger eines Menschen, der demenziell verändert ist, stirbt, empfinden es die Hinterbliebenen oft wie einen doppelten Verlust. Stellen sie sich vor, sie haben ein Elternteil bereits an die Krankheit ‚verloren‘ und dann stirbt das Elternteil, das nicht erkrankt ist, da ist es verständlich, dass sich bei vielen Kinder dieses Gefühl einstellt“, so ihr emphatisches Statement.

Erkrankte da abholen, wo sie stehen

Wichtig ist es der engagierten Bestatterin im Gespräch mit den Hinterbliebenen, die sich durch den Tod eines geliebten Menschen bereits in einer Ausnahmesituation befinden und sich dann um die Beisetzung kümmern müssen, zunächst herausfinden, ob und wie man den dementen Hinterbliebenen einbeziehen könnte. „Manchmal scheuen die Hinterbliebenen davor zurück, der oder dem Erkrankten überhaupt zu sagen, dass der Ehemann oder die Ehefrau gestorben ist. Ich versuche dann behutsam zu klären, ob das die eigene Angst vor der Reaktion ist oder ein Angehöriger bereits so weit in seiner Welt lebt, dass sie oder er nicht mehr in der Lage ist, die Situation zu erfassen“, so Köhnen-Schoop, der es wichtig ist, die oder den Dementen da abzuholen, wo sie oder er steht. Wenn die oder der Erkrankte an der Beisetzung teilnehmen soll, sei es ganz wichtig eine oder einen aus der Trauergesellschaft zu bestimmen, die/der sich um sie oder ihn kümmert. „Das sollte keiner der direkten Hinterbliebenen sein, denn diese sollen nicht in der eigenen Trauer bei der Beisetzung gestört werden. Es ist wichtig, dies auch klar anzusprechen. Denn es kann sein, dass im Verlauf der Beerdigungsfeier der oder die Demente aus der Situation herausgeführt werden muss, weil es doch zu belastend wird“, so Köhnen-Schoop, die aber auch betont: „Auch wenn ein Mensch demenziell verändert ist, bleibt doch das gute Gefühl zu einem vertrauten Menschen erhalten. Dann ist es auch wichtig, ihr oder ihm die Möglichkeit zu geben, Abschied zu nehmen.“

Seminar – intensiv und lehrreich

Bei ihrem Seminar habe es in dem ausführlichen theoretischen Teil einige Zahlen gegeben, die sie noch einmal bestärkt hätten, wie richtig ihre Entscheidung gewesen sei, sich für diese Weiterbildung entschieden zu haben. „In Deutschland leben rund 1,5 Millionen Menschen, die an einer Form von demenzieller Veränderung leiden“, so Deliah Köhnen-Schoop. „Und auf eine oder einen Erkrankten kommen mindestens 10 Menschen, die direkt mitbetroffen sind.“ Für Köhnen-Schoop ein weiterer Grund, sich schon beizeiten damit auseinander zu setzen, wie man selbst seine Beerdigung oder Beisetzung geregelt wissen möchte. „Alle Bestattungsinstitute bieten unverbindliche Beratungen an“, so Köhnen-Schoop, die noch einmal darauf hinweist, dass das Thema Tod immer noch tabuisiert wird. „Wir machen es auch unseren Hinterbliebenen einfacher, wenn wir schon zu Lebzeiten festlegen, wie wir uns unsere Beisetzung vorstellen,“ macht die erfahrene Expertin „Werbung“ dafür, das Thema Tod zu enttabuisieren.

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