
Im Januar feierte der Lokschuppen ein ganz besonderes Jubiläum: Das Archiv ist 20 Jahre alt geworden. Ohne die vielen kleinen und größeren Schätze und die Menschen, die sie pflegen, wäre ein abwechslungsreicher Museumsbetrieb nicht möglich.
Wir haben uns mit Uli Schimschock und Dr. Ralf Fellenberg über die Anfangszeiten und Entwicklung des „Herzstücks des Lokschuppens“ unterhalten. Es war der 7. Januar 2006, als der Startschuss für das Archiv fiel. Uli Schimschock und Dr. Ralf Fellenberg machten sich gemeinsam an die Arbeit. Die Idee ein ordentliches Archiv zu führen, entstand bereits 1999. Nominell war Heinz Beier damals Leiter des Archivs, für das Regale aufgestellt wurden. Aber dabei blieb es vorerst. Erst mit dem Einsatz von Uli Schimschock im Archiv begannen die Überlegungen, was sie künftig wie tun könnten.
Am 10. Januar 2006 sortierten Ralf Fellenberg und Uli Schimschock dann erste Fotos und erstellten eine Liste. Aber es kamen Fragen auf. Sollten Sie die Regale thematisch belegen? Wie sollte das Archivgut erfasst werden, damit es später leicht aufzufinden ist? „Wir haben uns gefragt, was wir überhaupt erfassen müssen, was wichtig ist“, erinnert sich Uli Schimschock an die ersten Tage im Archiv. Damit verbunden war die Feststellung, dass neben Büchern ja auch Hefte, Dokumente, Fotos, Pläne, Karten und Objekte zur Sammlung gehören. Sie entschlossen sich Kontakt zur Deutschen Gesellschaft für Eisenbahngeschichte (DGEG) in Witten aufzunehmen. „Die sind deutschlandweit aktiv und nach Witten war es ja nicht so weit“, erzählt Dr. Ralf Fellenberg. Und so kam es, dass man sich in Hochdahl entschloss ersteinmal zu schauen, wie andere ihr Archiv führen.
Inspirationen vom Besuch bei der Deutschen Gesellschaft für Eisenbahngeschichte
Helmut Bittner von der DGEG gab den Hochdahlern gerne Einblick, wie beispielsweise Bücher in der Software erfasst wurden, die dann an der Universitätsbibliothek Dortmund ausgeliehen werden konnten. „Die Software, die von der DGEG eingesetzt wurde, war aber teuer und auch nicht so einfach in der Eingabe“, sagt Dr. Fellenberg. Was man allerdings genauer angeschaut hat, waren die Ordnungsprinzipien. Die Sortierung habe man dann mit mehreren Listen in Hochdahl teils übernommen. „Wir sind mit Excel und Windows 95 gestartet. Ein Vereinsmitglied hat einen Laptop gespendet“, denkt Uli Schimschock durchaus gerne zurück. Der Laptop sei noch heute im Bahnladen in Betrieb.

Erfasst wurden schließlich für die Bücher der Titel, das Jahr der Veröffentlichung und bei geänderten Auflagen auch diese mit Jahr oder dem Zusatz Neuauflage. Auch die Frage „Wie genau ist eigentlich der Buchtitel?“ spielt eine Rolle, vor allem, da nicht nur einer die Titel in die Listen erfasste. „Die Eingaben müssen einheitlich sein“, erklärt Uli Schimschock. Wichtig sei auch der Ortsbezug für spätere Suchen. So habe man sich entschieden für Elberfeld und Barmen, die später zu Wuppertal eingemeindet wurden, generell Wuppertal zu erfassen. Zwei Jahre nach dem Start des Archivs stattete Helmut Bittner von der DGEG aus Witten dem Lokschuppen einen Gegenbesuch ab. „Ihr macht das ja richtig gut“, lobte er die Arbeit der Hochdahler.
Neben eigenen Beständen lagern in den Archiven auch Dauerleihgaben, wie etwa aus dem Nachlass von Peter Niesen. „Die Familie hat uns den kompletten Bestand aus seiner Sammlung in Papier als Dauerleihgabe übergeben“, sagt uns Dr. Fellenberg. Das stellt den Verein oft vor Herausforderungen, denn teils sind mit diesen Leihgabenn auch Vorgaben verbunden. Etwa dazu, wie Fotos verwendet werden dürfen, ob sie nur ausgestellt oder auch im Internet veröffentlicht werden dürfen. Auch diese Angaben müssen mit den Beständen erfasst werden. Neben Dauerleihgaben gibt es immer wieder auch Schenkungen und der Bestand wächst und wächst. Bücher und anderes, dass mehrfach vorhanden ist, landet im Bahnladen und kann von Sammlern erworben werden. Der Bahnladen, so erzählten uns die beiden, sei überhaupt eine Entwicklung, die aus dem Archiv entstanden ist.

Und immer wieder Platzmangel
„Uli hat schon 1,5 Jahre nach dem Start des Archivs gejammert, er hätte keinen Platz mehr“, erzählt Ralf Fellenberg lachend. Gottfried Bander hat ihm dann einen weiteren Raum fürs Archiv gegeben. Zwei Jahre später war auch dieser randvoll und er bekam einen weiteren Raum. Als es auch da eng wurde, kam der Bunker unter dem Bahnsteig hinzu, der heute als Archiv für Bilder und Filme dient.

Mehr als 35.000 Archivalien in Form von Büchern, Dokumenten, Plänen/Karten, Vorschriften, Plakaten, Schildern, Fahrkarten u.ä. wurden in den 20 Jahren fürs Archiv erfasst. Im Bunker unterm Bahnsteig kommen noch einmal rund 50.000 Fotos, Dias, Negative, DVDs bzw. Videos und einige alte Schmalfilmrollen hinzu. Außerdem pflegt der Verein ein Pressearchiv mit Artikeln über die Bahnstrecke Düsseldorf – Elberfeld und Presseveröffentlichungen von und über den Eisenbahn- und Heimatverein Erkrath-Hochdahl (EHEH). „Die Zahlen machen vielleicht deutlich, wie umfangreich die Arbeit im Archiv ist“, erklärt Dr. Fellenberg.
Über die Jahre haben neben Uli Schimschock viele im Archiv mitgearbeitet und einige sind aus unterschiedlichen Gründen, wie Alter, Gesundheit oder aber auch Beruf, wieder ausgeschieden. Zu nennen wäre da Georg Edler, Bernt Morbitzer, Thomas Krause, Rüdiger Funk, Peter Achim Segler und Daniel Dittmann. Letzter war gerade 15 Jahre als, als Uli Schimschock ihn 2006 angeworben hat. Dittmann kümmerte sich um das Pressearchiv des Vereins. Inzwischen ist er als Lokführer deutschlandweit unterwegs. „Ich hoffe, dass er später einmal mein Nachfolger wird“, verrät Schimschock. Irgendwann komme die nächste Generation, die das Eisenbahnerbe pflegt. „Wir freuen uns immer über Nachwuchs“, lädt Schimschock Interessierte ein mitzuwirken.
Aber es sind auch neue Teammitglieder hinzugekommen, wie Werner Wondrak, der vor drei Jahren über die Ehrenamtsbörse kam. Auch Constanze Cals-Koch kam so hinzu. „Sie hat sich alles angesehen und wollte dann im Archiv mitarbeiten“, erzählt Uli Schimschock. Im Winter arbeite sie von zu Hause aus und erstellt Inhaltsverzeichnisse der Zeitung „Die Bundesbahn“. Wondrak, der zu Beginn Fahrpläne archiviert hat, erstellt inwischen ebenfalls Inhaltsverzeichnisse für eine andere Bahnzeitschrift.
Und dann ist da noch Kurt Püttbach, der ebenfalls vor drei Jahren zum Team stieß. „Er macht das Pressearchiv über EHEH-Artikel in Heimarbeit. Er scannt sie alle ein und digitalisiert so das Archiv“, sagt uns Dr. Fellenberg. Während wir noch zusammensitzen, klingelt sein Mobiltelefon. Nach einem kurzen Gespräch erfahren wir, dass schon wieder Nachschub fürs Archiv naht. Eine Frau hatte im Nachlass ihres Mannes Bücher und Pläne gefunden, die sie dem Verein bringen möchte. Über die Jahre erreichten den Verein nicht nur Materialien zur Bahngeschichte, auch zur Heimatgeschichte fand einiges in den Lokschuppen.

Mehrwert nicht nur für den Museumsbetrieb
Der Verein erhält durch das Sammeln, Erschließen und Bewahren relevanter Materialen in Schrift, Bild, Ton und Digital historisches rund um die Bahngeschichte für die Nachwelt und stellt diese auch für die Öffentlichkeit bereit. Die Museumsausstellungen werden „aus dem Herz des Lokschuppens“ bestückt und überraschen auch immer einmal wieder. So etwa zum 125-jährigen Jubiläum der Müngstener Brücke, dem der EHEH eine eigene Ausstellung widmete, die auf großes Interesse stieß. Auch die regelmäßigen Ausstellungen zur Heimatgeschichte werden überwiegend auf dem EHEH-Archiv bestückt.

Aber das Archiv ist auch Quelle für viele Recherchen. „In den 2000ern hatten wir einmal drei Studenten hier, die für ihre Bachelorarbeiten recherchiert haben“, erinnert sich Dr. Fellenberg. Aktuell recherchiere eine Schülerin im Archiv und oft suchen Interessierte Nachweise und Belege aus der Geschichte. „Aber die Recherchen haben einen Preis“, schmunzelt Fellenberg und ergänzt: „Wer etwas für Recherchen mitnimmt, muss es auch scannen.“
Im April startet die Museumssaison
Am 26. April (von 11 bis 17 Uhr) ist Saisoneröffnung im Lokschuppen. An diesem ersten Museumssonntag geht es um die Geschichte der Ersten Eisenbahn in Westdeutschland, für die das erste Teilstück der Strecke bereits am 20. Dezember 1838 eröffnet wurde.
Bevor aber das Museum seine Tore wieder für Besucher öffnet, sind erst einmal wieder die Ladies dran. Denn am 12. April (von 10 bis 16 Uhr) ist wieder Ladies Markt im Lokschuppen.
Alle Termine stehen auf der Homepage des Lokschuppens.

Ein sehr guter, ausführlicher Bericht, der auch die Mitarbeiter würdigt, ohne die die Archivarbeit nicht möglich wäre.
Die Anreise mit 7 Autostunden habe ich noch nicht einplanen können, aber die Berichte über die akribische und so unglaublich umfangreiche Dokumentationen in Eurem Museum finde ich spannend.
Es ist so wichtig, dass die Historie sichtbar bleibt.
Alles Gute weiterhin!
Danke für Eure Initiative.