Christian Ehring liefert ein Saisonfinale mit Biss

von Timo Kremerius

Christian Ehring in der Stadthalle Erkrath. Foto: Timo Kremerius

Kabarett-Gipfel in Erkrath: Wenn Extra3-Moderator Christian Ehring nach Erkrath kommt, ist eine ausverkaufte Stadthalle garantiert. Nach zwei langen Jahren des Wartens kam er am vergangenen Freitag mit seinem neuen Programm „Versöhnung“ nach Erkrath und der Abend war wie immer ein Highlight.

Christian Ehring bei Extra-3 ist gut, aber live auf der Bühne ist er noch besser. Ein Sahnehäubchen. Am Freitag gastierte der TV-Moderator und Kabarettist mit seinem neuen Programm „Versöhnung“ in der Stadthalle Erkrath. Christian Ehring, der Träger des Deutschen Fernseh- und Kleinkunstpreises beschäftigte sich über zwei Stunden, geprägt von seinem schwarzen Humor, mit den Unwägbarkeiten der Moderne sowie den Unzulänglichkeiten des heutigen Politikbetriebes und wagt einen Ausblick in die unsichere Zukunft.

Es war alles zum Besten vorbereitet. Die Stadthalle war proppenvolle, bis auf den letzten Platz ausverkauft. Ein super aufgelegtes und motiviertes Publikum voller Vorfreude und ein genialer Kabarettist. Besser konnten die Voraussetzungen gar nicht sein. Und dann begann das verbale Blitzgewitter von Christian Ehring. Der rote Faden, der sich durch das Programm zog, war seine Ausladung zur Hochzeit seines bis dato, besten Freundes, anlässlich dessen dritter Hochzeit in einer Dependance in Frankreich. Vollmundig von Ehring beschrieben, sowohl die Ausladung als auch der Hochzeitsort.

Auch wieder sehr eindrucksvoll, wie das Publikum interaktiv in Ehrings Programm eingebunden wurde. Christian Ehring ließ sich von den Zuschauern Stichworte zurufen, die er notierte und die dann im Laufe des Programms sukzessive abgearbeitet wurden. Bemerkung von Ehring: „Ich liebe es abzuhaken“, Dazu hatte er bei der Aufgabenverteilung an Ihn auch vielfältige Möglichkeiten. Bei den Fragen ging es um Klimaschutz, Senkung der Spritkosten, Bildung, wie kann man die AfD loswerden und Vieles mehr.Die Fülle an Informationen, die dem Publikum in den zwei Stunden geboten wurde, konnte ein buntes Füllhorn füllen.

Scharfzüngiges und Skurriles: Die Highlights des Abends

Besonders die scharfen Kontraste blieben dem Publikum im Gedächtnis. Mit nur wenigen Sätzen verdeutlichte Ehring die soziale Schere: „Es gibt Menschen, die beim Einkaufen überlegen, ob sie noch eine Tafel Schokolade mitnehmen. Und es gibt Menschen, die sich fragen, ob es heute bei der Tafel vielleicht Schokolade gibt.“

Auch die Flut ungefragter Ratschläge bekam ihr Fett weg – allen voran die Verklärung der „Streberknolle“ Ingwer. Als Allroundtalent soll sie angeblich gegen alles helfen: von Magenbeschwerden über Impotenz bis hin zum Dachdecken. Ehrings kurzes Fazit: „Ingwer von Ingmar, auch wenn das nie mein Ding war.“ Trotz Krieg, Katastrophen und „Doppel Wumms“ stellte Ehring die existenzielle Frage: Darf man da überhaupt noch lachen? Seine Antwort ist ein klares: Man muss! Dabei nimmt er sich selbst nie aus der Schusslinie, denn bei ihm gilt: „Der Witz hat Vorfahrt.“

Einen besonderen Höhepunkt setzte er mit dem Plädoyer, dass die Scham endlich die Seiten wechseln müsse. Am Beispiel der Menstruation hielt er der Gesellschaft den Spiegel vor: Warum ist es Männern immer noch peinlich, Tampons zu kaufen? In einer herrlich plastischen Performance malte er aus, wie Männer mit dem Thema umgehen würden, wenn sie selbst betroffen wären: Sie würden es lautstark über die Straße brüllen. „Mensch Paul, ich habe meine Tage, ich fühl mich heute beschissen!“, oder „Karl ich habe jetzt drei Tage geblutet wie eine Sau“ – und ganz selbstverständlich eine Woche lang kollektiv krankfeiern. Eine Vorstellung, die ebenso zum Schreien komisch, wie zum zustimmenden Nachdenken war.

Untermalt wurde das über zweistündige Wortgewitter mit zahlreichen, auf dem Klavier begleiteten, musikalischen Einlagen. Es war einfach wie immer, ein Wohlfühlabend, an dem man viel lachen, eher schmunzeln konnte. Zum Lachen gab die momentane politische Situation mit der Hilflosigkeit unserer Hobbypolitiker keinen Anlass.   Trotzdem hörte das Publikum einige neue Sachen, die zum Nachdenken animierten. Der Abend hätte trotz der über zwei Stunden Programm gerne noch länger dauern können. Das Publikum wäre dazu bereit gewesen.

Zum Abschluss der Veranstaltung sezierte Christian Ehring, der in Düsseldorf-Gerresheim wohnt, eine Tageszeitung. In diesem Fall, wie auch vor zwei Jahren, legte er Wert darauf, dass es sich immer um eine Lokalzeitung, in diesem Fall die Rheinische Post mit Lokalteil Erkrath und Umgebung handelt. Er stellte fest, dass in der Tageszeitung am Freitag Probleme der aktuellen Politik, der Wirtschaft, des Gesundheitssystems und vieles mehr behandelt wurden, aber keine Lösungen zu finden seien. Seite für Seite wurden die Artikel kurz angerissen und ebenso kurz kommentiert.

Langanhaltender Applaus mit einem Klatschmarsch und dem Wunsch einer Zugabe beendeten den Abend. Im Theater würde man sagen Christian Ehring bekam noch mehrere Vorhänge, zeigte sich dem Publikum und nahm den Applaus, den er ohne Wenn und Aber verdient hat, sehr gerne an und ließ sich zu einem kleinen musikalischen Abschluss überreden.

„Mit Christian Ehring bewies das Kulturamt einmal mehr ein glückliches Händchen und brachte ein echtes Highlight in die Erkrather Stadthalle. Ehring besticht dabei nicht nur durch sein scharfzüngiges Kabarett, sondern vor allem durch eine beeindruckende Nahbarkeit. Wo andere Künstler bereits den Rückzug antreten, suchte er – wie schon vor zwei Jahren – unmittelbar nach dem Programm das Gespräch im Foyer. Geduldig, sympathisch und völlig ohne Berührungsängste nahm er sich fast eine Stunde Zeit für Autogramm-Wünsche und persönlichen Small Talks. Dass an diesem Abend kein Gast ohne das erhoffte Erinnerungsfoto nach Hause gehen musste, unterstreicht seine authentische Volksnähe. Es sind Momente wie diese, die einen brillanten Kabarettisten zu einem echten Publikumsliebling machen – ein absoluter Sympathieträger, von dem man in Erkrath gerne noch viel mehr sehen möchte.“

Der perfekte Saisonausklang: Von kleinen Bühnen und großen Zufällen

Im Gespräch mit der Redaktion von erkrath.jetzt ließ Ehring seinen beeindruckenden Werdegang Revue passieren – eine Reise, die vor Jahrzehnten als 20-Jähriger vor gerade einmal 20 Zuschauern begann und ihn über das legendäre Düsseldorfer Kom(m)ödchen bis an die Spitze des deutschen Fernsehkabaretts bei extra 3 führte.

Dabei zeigte sich einmal mehr: Die Welt der Kultur ist klein und voller überraschender Querverbindungen. So entdeckten der Autor dieses Artikels und der Künstler eine gemeinsame Vorliebe für den Norden: Während der Redakteur regelmäßig in seiner schleswig-holsteinischen Wahlheimat im ‚Lutterbeker‘ – jener kultigen Szenekneipe bei Kiel – das Programm verfolgt, stand Ehring dort selbst vor vielen Jahren auf der Bühne.

Solche persönlichen Rückblicke und Zufälle verliehen dem Abend eine ganz besondere Note. Alles in allem war es ein grandioser Abschluss der Kabarettsaison 2025/2026. Nach diesem Highlight darf man bereits jetzt mit großer Vorfreude auf das Programm der kommenden Spielzeit blicken.“

Zum Abschluss der Theatersaison gibt es am 29. April 2026 das Schauspiel „Bis das der Tod“ von Stefan Vögel unter anderem mit Alice von Lindenau, Julian Boine, Markus Schöttl, Elisabeth Ebner, Stefan Schneider und Anderen. Die Abteilung Kultur der Stadt verschickt die Karten auch kostenfrei nach Hause. Telefon 0211 240740 09.

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