
Im Bauausschuss gab es großen Diskussionsbedarf zum Thema Campus Sandheide. Die Kosten liegen deutlich über den Erwartungen und die Fertigstellung verzögert sich voraussichtlich um ein ganzes Jahr.
Eigentlich sollte im Bauausschuss über den Fortschritt des Campus Sandheide berichtet werden, aber der Tagesordnungspunkt fehlte auf der Tagesordnung. „Die Planungen der Leistungphase 3 sind zwar eingegangen, mussten aber wegen Mängel abgewiesen werden“, erklärt Dezernent Fabian Schmidt. Er berichtet, dass es sowohl qualitative Mängel, wie ich Mängel in Bezug auf die veranschlagten Kosten gab. Die Kosten lagen weit über den Erwartungen der Verwaltung. „Das sind gravierende Kostenüberschreitungen, die bisher vom Planungsbüro auch nicht erklärt werden konnten“, sagt Schmidt. Die Kosten lägen am Ende 50 Prozent höher.
Da auch die Planungen, wie jetzt vorgelegt, nicht genehmigungsfähig sind, rechnet Schmidt durch die notwendigen Umplanungen mit bis zu einem Jahr Verzögerung bis zur Fertigstellung des Campus Sandheide. Aufgrund der massiven Steigerung der Kosten, diese dürften, so führte er aus, in Leistungsphase 3 nur 20 Prozent betragen, befürchtet er rechtliche Auseinandersetzungen. „Wir halten dennoch an dem Ziel fest, eine Planung in genehmigungsfähiger Form zu erarbeiten“, kündigt er an.
Bernhard Osterwind von der BmU bedauert, dass das ‚Provisorium‘ an der Schmiedestraße ein Jahr verlängert werden müsse und einige der Kinder den Campus Sandheide in ihrer Grundschulzeit gar nicht erleben werden. Er befürchtet darüber hinaus, dass die Stadt aufgrund der Verzögerung Versicherungsleistungen einbüßt, da der Ersatzbau nach dem Brand nur in einem begrenzten Zeitraum erstellt werden kann. „Das Risiko bestand schon vorher“, erklärt Fabian Schmidt. Die Leistungen sind gedeckelt und erhöhen sich, wenn der Ersatzbau in einem bestimmten Zeitraum erstellt wird. „Ein Teil der Versicherungsleistung wurde schon vereinnahmt. 2,5 Millionen sind noch ungeklärt“, führt Schmidt aus. Bisher habe sich die Versicherung noch nicht geäußert. Bereits vor Wochen habe man versucht einen Gesprächstermin zu vereinbaren. „Wenn der Vorstand der Versicherung an der bisherigen Arguentation festhält, bleibt nur der Klageweg“, ergänzt Bürgermeister Christoph Schultz die Ausführungen von Fabian Schmidt. Offensichtlich beruht die Argumentation von einem Gerichtsurteil aus der 80er Jahren, die die Fertigstellung eines Ersatzbaus in einem festgelegten Zeitraum vorsieht. Allerdings bezog sich das damalige Urteil auf ein Einfamilienhaus. „Wir bauen ja kein Einfamilienhaus sondern ein komplexes Schulzentrum“, malt er sich gute Chancen aus, einen neuen Präzedenfall zu schaffen.
Eine Differenz von 9,3 Millionen Euro
„Auch in Anbetracht weiterer großer Bauvorhaben, wie etwa die Feuerwache, finde ich diese Nachricht erschreckend“, äußert sich Peter Knitsch von den Grünen. Er befürchtet Auswirkungen auf notwendige Sanierungsmaßnahmen im Bestand, auch bei Schulen. „Bauvorhaben und notwendige Sanierungen sollten dringend gesamt diskutiert werden“, fordert er. Auch wollte er wissen, wieso die Kostensteigerung für die Förderschule des Kreises offensichtlich weitaus kleiner ausfällt und warum die Zahlen des Kreises in der Vorlage ausgespart wurden. Das erklärte ihm Detlef Ehlert von der SPD, der auch Kreistagsmitglied ist: „Der Ausschuss im Kreis tagt erst am 30. August, deshalb sind die Zahlen hier noch nicht weiter ausgeführt.“ Für den Unterschied in der Kostensteigerung liefert Daniela Winter, Fachbereichsleiterin Immobilienmanagement Neubauprojekte. „Wir haben die Sporthalle mit drin und da liegt ein erheblicher Teil der Kostensteigerung.“
Die FDP fordert einen Kostendeckel und eine Baukommission für jedes große Bauprojekt. „Viele wissen, dass der Campus Sandheide mein Herzenprojekt ist“, erklärt Ulrike Haase von der SPD, die als Dezernentin des Kreises den Campus mit auf den Weg gebracht hatte. „Die Verzögerung tut mir weh, wie Herrn Kopp auch“, ergänzt sie auch im Namen ihres Nachfolgers im Kreis. Aus ihrer langjährigen Erfahrung heraus empfielt sie der Verwaltung sich schon jetzt juristischen Beistand zu suchen. Sie glaubt, der Einsatz eines externen Baujuristen lohne sich auf jeden Fall.
Helmut Rohden von der CDU ist aufgrund der massiven Kostenüberschreitung schockiert und will schließlich wissen, ob man das alles falsch eingeschätzt habe. Der Architekt habe ja noch keine Schule gebaut. Daniela Winter antwortet: „Falsch eingeschätzt kann man nicht sagen, das Verfahren war anonym.“ Es sei der beste Entwurf gewesen und der Architekt hätte auch nicht ausgeschlossen werden können, da er bereits einen Schulbau in Kanada umgesetzt hatte. Das Verfahren habe man eng begleitet und immer wieder nachgefragt. Immer wieder habe man zur Antwort erhalten ‚Das passt, ist alles drin‘. „Die jetztigen Kosten waren nicht bekannt und haben uns überrascht.“ Die jetzt vorliegende Kostensteigerung konnte, so führt sie aus, auch vom zuständigen Büro bisher nicht erklärt werden.
Klar ist zum jetzigen Zeitpunkt nur, dass der Ersatzschulstandort Schmiedestraße noch ein Jahr länger in Betrieb bleiben wird, als bisher angenommen und dass der Campus entsprechend später fertiggestellt wird. Zu welchem Ergebnis man in Bezug auf die Kostensteigerung, die deutlich über dem gesetzlichen Rahmen in der Leistungsphase 3 liegt, kommen wird, werden die nächsten Monate zeigen.

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