
Ab dem 27. August 2025 ändert sich der Fahrplan des Bürgerbusses, der in dieser Form seit 2014 existiert. Einige nur selten frequentierten Haltestellen fallen weg, damit der der Bürgerbus den Stundentakt halten kann.
„Es schlagen zwei Seelen in unserer Brust“, drückt Uli Schimschock die Entscheidung aus, die Bürgerbuslinie zu verkürzen. Allzu oft kämpften die Fahrerinnen und Fahrer in der letzten Zeit mit Verspätungen, sodass die fünf Minuten Pause am Gerberplatz, die es den Fahrern ermöglicht auch einmal die Toilette zu nutzen oder sich die Beine zu vertreten, entfallen musste. „Viele unserer Fahrgäste sind mobilitätseingeschränkt, sind mit dem Rollator unterwegs oder brauchen einen Trollie für die Einkäufe. Das führt natürlich auch zu längeren Ein- und Ausstiegszeiten“, erklärt Schimschock, wodurch die Verspätungen entstehen. Hinzu kämen Anlieferverkehre oder etwa Müllfahrzeuge, die den Bürgerbus an einer zügigen Durchfahrt hindern und der bisherige Fahrplan ist zeitlich eng.
Lange haben die Bürgerbussler überlegt und getüftelt. „Die einzige Chance war es die Linie zu kürzen“, so Uli Schimschock. Da die Zustiege dokumentiert sind, konnte leicht ermittelt werden, welche Haltestellen am wenigstens genutzt werden. Mühlenstraße, Ludenberger Straße, Morper Allee, Düsseldorfer Straße und Rathaus fallen im neuen Fahrplan weg. „Die Zahl der Fahrgäste, die diese Haltestellen bisher genutzt haben, lässt sich an einer Hand abzählen“, so Bernd Killing in der aktuellen Ausgabe des „Klee“-Blatt, der Buszeitung des Bürgerbusses. Mit den Fahrgästen, die es betrifft, habe man vor der Umstellung das Gespräch gesucht.
Fünf wesentliche Minuten Zeitgewinn
Durch den Wegfall der genannten Haltestellen gewinnt der Bürgerbus fünf Minuten Zeit. Das entspricht genau der Zeit, die die Fahrer für eine kurze Pause zwischen den Touren nutzen können und nimmt ihnen den Stress, der in der letzten Zeit durch die Verspätungen entstanden ist. „Wir sind ja fast alle auch schon älteres Semester und dazu noch Ehrenamtler“, erklärt Harald Mars. „Wir haben auch eine Fürsorgepflicht“, ergänzt er, dass auch auf die Fahrerinnen und Fahrer geachtet werden muss.
„Der Bus fährt im Stundentakt und das soll auch so bleiben“, erklärt Uli Schimschock. Hätte man nicht auf die wenig frequentierten Haltestellen verzichtet, wäre dieser Stundentakt nicht haltbar gewesen. „Hätten wir im neuen Fahrplan die Fahrzeit verlängert, statt Haltestellen zu streichen, hätten wir ja weniger Runden fahren und damit auch weniger Fahrgäste transportieren können“, erläutert er die Auswirkungen der jeweiligen Änderungen. Die Änderungen hatte der Bürgerbusverein der Rheinbahn im Mai vorgeschlagen. „Die haben das dann genehmigt und die Fahrpläne geändert“, so Schimschock. Mit der Rheinbahn arbeite man gut zusammen und auch mit der Stadt Erkrath.
Vor der Änderungen haben sich die Bürgerbussler angeschaut, ob es für die Menschen, die von der Haltestellenstreichung betroffen sind, eine Alternative gibt. Teils gäbe es Überschneidungen mit dem regulären ÖPNV und an einige Stellen sind in kurzer und barrierefrei erreichbarer Entfernung weitere Haltestellen des Bürgerbusses. So etwa die Haltestelle an der Kreissparkasse, die fußläufig nah an der bisherigen Haltestelle Rathaus liegt. Nicht weit davon in die entgegengesetzte Richtung liegt die Haltestelle S-Bahnhof, von der aus beispielsweise auch Bücherei und Kaiserhof fußläufig erreichbar sind. „Und ein bisschen Klimaschutz bedeuten der Wegfall der Haltestellen und die verkürzte Strecke auch“, freut sich Schimschock, dessen Herz bekannter Maßen für Umwelt und Klima schlägt.
Alles ist teurer geworden, der Bürgerbus nicht
1,50 Euro kostet die Fahrt für Erwachsene. Kinder zwischen 6 und 14 Jahren zahlen 1 Euro. „Seit 2010 haben wir die Preise nicht mehr erhöht“, erklärt Harald Mars. Außerdem werde der Bürgerbus auch durch Rewe unterstützt. Dort gibt es für Einkäufe ab 25 Euro einen Gutschein für den Bürgerbus. Seit einem Jahr kann man den Bürgerbus auch mit dem Deutschland-Ticket nutzen. Das habe zusätzliche Fahrgäste gebracht.
Während der Schulzeit nutzen häufiger auch mal Schüler den Bürgerbus, um vom Boule-Platz zum Kalkumer Feld zu kommen. Auch Mütter mit Kindern sind schon mal unter den Fahrgästen. So wächst schon die nächste Generation der Bürgerbusfahrgäste heran. „Wir sind eben ein Bus für alle“, räumt Harald Mars mit dem Vorurteil auf, dass der Bürgerbus nur ein Beförderungsmittel für die Älteren sei. Zwar seien es wochentags überwiegend Ältere, vor allem zum Wochenmarkt, aber eben längst nicht nur.
Neue Fahrerinnen und Fahrer immer willkommen
Aktuell werden die unterschiedlichen Schichten des Bürgerbusses von 25 aktiven Fahrern bestritten. Zwei davon sind Frauen. „Es sind aber gerade nur 21 davon zugelassen“, erklärt Harald Mars. Das läge am jährlichen Gesundheitscheck der Rheinbahn. „Da reicht schon ein bisschen Bluthochdruck, um vorerst raus zu sein.“ Vier neue Fahrer sind aktuell in der ‚Pipeline‘. Einer ist gerade zugelassen, ein weiterer voraussichtlich Anfang September und zwei weitere warten auf den Arzttermin zum Gesundheitscheck. „Dann sind wir nominell 29 Fahrer“, so Mars. In den 15 Jahren seit Start des Bürgerbusses sei dieser kaum ausgefallen. „Er ist vor allem noch nie ausgefallen, weil kein Fahrer zur Verfügung stand“, ist er auch stolz auf das Team, dass so zuverlässig ist.
Die Einsatzpläne arbeitet Uli Schimschock aus. Vier Fahrer werden für die täglichen Schichten von Montag bis Freitag jeweils gebraucht. Drei die aktiv fahren und ein weiterer in Bereitschaft, der einspringt, wenn jemand doch einmal ausfällt. Freitags werden ebenso viele Fahrer für den „E-Bus“ gebraucht, der an Markttagen zusätzlich fährt. Am Samstag ist nur eine Schicht plus Bereitschaft zu besetzen. So ganz leicht ist die Einsatzplanung nicht. „Ich muss die Leute ja nach ihren Wünschen einsetzen“, erklärt Schimschock. „Die meisten sind ja rüstige Rentner, die auch noch andere Aktivitäten haben oder Urlaub machen“, verrät Bernd Killing lachend. Der Entwurf des Einsatzplans wird dann noch einmal an alle geschickt, damit es am Ende passt.
In der Vergangenheit hatte der Bürgerbusverein hin und wieder Infostände gemacht, um Fahrer zu gewinnen. Viel gebracht habe das aber nicht, so Harald Mars. Anders die Plakataktion und Aufrufe über die Medien. Darüber habe man in jüngerer Vergangenheit die neuen Fahrer gewonnen. Die dürfen in der Regel erst einmal eine Proberunde begleiten, damit sie wissen, was auf sie zukommt. Einige Interessenten, die sich gemeldet hatten, waren aber auch schnell wieder weg, weil sie dem Irrtum unterlagen, es handele sich um einen Mini-Job. „Wir werden durch die Liebe unserer Fahrgäste belohnt“, erläutert Uli Schimschock „die Bezahlung“. Keiner der Fahrer brauche das Geld. Alle sind Ehrenamtler aus Überzeugung und immer noch gesünder, als viele Fahrgäste.
Die Fahrgäste belohnen die Fahrer oft auch mit einem Trinkgeld, das dann in eine Gemeinschaftskasse wandert. Davon fahren wir einmal im Jahr zusammen weg. In den letzten Jahren hat das Trinkgeld sogar für eine dreitägige Fahrt gereicht. Einige Fahrer bleiben jeweils hier und sichern den Fahrbetrieb. „Die Fahrgäste haben uns dazu schon einmal gesagt: Und wenn der Bus überhaupt nicht fährt. Wir gönnen Euch das“, erzählt Harald Mars.
15 Jahre Bürgerbus
In diesem Jahr feiert der Bürgerbus seinen 15. Geburtstag und das will der Verein unter der Markthalle feiern. Am 30. August 2025 sind dazu alle Fahrgäste und Freunde des Bürgerbusses eingeladen.
Lust Teil des Bürgerbus-Fahrerteams zu werden? Die Geburtstagsfeier ist eine gute Gelegenheit zum Kennenlernen. Aber natürlich ist die Kontaktaufnahme auch jederzeit über Harald Mars möglich.

Das Bürgerbus-Team Erkrath ist nicht nur ein wunderbares Beispiel für die Förderung der Mobilität in unserer Stadt, sondern trägt auch zu einer lebendigen Nachbarschaft bei durch die Möglichkeit kurzer Gespräche miteinander zwischendurch. Vielen Dank dafür, da8 Ihr Euch bei Wind und Wetter ehrenamtlich dafür einsetzt, daß alle gut von A nach B und zurück kommen!