Brauhaus zum Goldenen Handwerk auf hoher See

von Ria Garcia

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Premium | Seit Eröffnung hat das Brauhaus zum Goldenen Handwerk am Bernsauplatz so einiges mitgemacht. Droht jetzt das Aus? Wir haben mit dem Betreiber gesprochen, wie es weitergeht.

Es ist wohl inzwischen, vor allem in den Sommermonaten, eine der beliebtesten Locations in Alt-Erkrath. Mit angenehmen Ambiente im Inneren, einer Außenterrasse direkt an der Düssel, genügend Parkmöglichkeiten im Umfeld und einer ausgesuchten Speisekarte, die neben Gutbürgerlichem auch Ausgefallenes bietet. Aktuell schreckt jedoch eine Nachricht auf, die die Runde macht: Das Amtsgericht Wuppertal hat die vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet. Für Brauhaus-Fans bleibt zu hoffen, dass es mit Hilfe des vorläufigen Insolvenzverwalters gelingt das Brauhaus wieder in ’sichere Fahrwasser‘ zu schiffen. An Reservierungen und Gästen mangelt es nicht. Warum also die Anmeldung der Insolvenz? Wir haben mit Geschäftsführer Andre Segin über die Zukunft gesprochen.

Ein Rückblick: 2020 in schwierige Fahrwasser gestartet

Wer, wie wir, den Weg des Brauhaus zum Goldenen Handwerk, weitestgehend mit begleitet hat, weiß wieviele Rückschläge Geschäftsführer Andre Segin einstecken musste. Zuerst sorgte Corona 2020 dafür, dass die eigentlich für Mai geplante Eröffnung erst im Oktober stattfinden konnte, um dann kaum einen Monat später wegen eines erneuten Lockdowns wieder schließen zu müssen. Segin reagierte mit einer kreativen Lösung und bot Brauhaus-Gerichte, Bier und Glühwein ‚to go‚ an. Ende November 2020 gab es dann sogar, gemeinsam mit anderen Gastronomen, als Ersatz für den ausfallenden Weihnachtsmarkt den X-Mas Walk.

Den Lockdown nutzte der kreative Gastronom dann für eine zusätzliche Investition. Er gestaltete die Außenterrasse mit massiven Holzmöbeln, Blumenkübeln und Sonnenschirmen zu einem XXL-Biergarten, den die Gäste bei den ersten Lockerungen im Frühjahr mit Freude annahmen. Prompt gab es den nächsten Rückschlag: Die Stadt reagierte aus Sorge steigender Inzidenzen mit einem Verweilverbot auf dem Bernsau- und dem Gerberplatz. Andre Segin reagierte mit Tischen fern ab der Verbotszone. Erst Ende Mai 2021 konnte das Brauhaus dann unter Auflagen wieder öffnen.

Und dann kam im Juli 2021 die Flut

Kaum konnte das Brauhaus seine Türen für Gäste wieder fast ohne Einschränkungen öffnen, sorgte das Hochwasser im Juli 2021 dafür, dass das Brauhaus erneut schließen musste. Gerade erst hatte Andre Segin noch einmal 25 Tsd. Euro in die Küche investiert, da war alles erst einmal wieder hin. Die Schäden waren so massiv, dass das Brauhaus acht Monate lang geschlossen bleiben musste. Im Herbst hielt Andre Segin seine Gäste, gemeinsam mit Marius Hanten mit dem Event Beer*Beats & Burger bei Laune. Erst zum 1. April 2021 konnte das Brauhaus dann wieder öffnen. Die meisten Gäste sind treu und kommen regelmäßig ins Brauhaus.

Schwere Zeiten, aber der ganz besondere Ort an der Düssel mit Erkraths größtem Biergarten macht das Brauhaus zum Goldenen Handwerk auch sozusagen zu Erkraths Lieblingslocation. Neben den regulären Gästen, die gerne das Brauhaus besuchen und bei gutem Wetter diesen Biergarten füllen, haben u.a. auch die Karnevalisten und die Erkrather CDU das Brauhaus zwischenzeitlich für sich entdeckt. Die CDU veranstaltete hier ihren Stammtisch, bei dem auch schon ein prominenter Gast, wie Hendrik Wüst Platz nahm. Ob Prinzenpaartreffen oder Klüngelball, der Karneval war ins Brauhaus eingezogen. Ende 2024 hatte das Brauhaus dann besonderen Besuch zum Mittagessen: Hospizgäste genossen einen besonderen Ausflug. Die Barrierefreiheit der Gaststätte machte es zur Freude der Gäste möglich. Und dann wurden im Frühjahr zum Ende der Session die Erkrather Hoppeditze erstmals am Brauhaus beerdigt. Ein schlechtes Omen? Das ist nicht zu hoffen. Tatsache ist aber die vorläufige Insolvenzverwaltung. Darüber haben wir mit Geschäftsführer Andre Segin gesprochen.

Mit Beginn des Ukraine Kriegs, steigenden Energiepreisen und zunehmender Teuerung in vielen Bereichen sind viele Gäste vorsichtiger geworden. Wer früher während eines Gaststättenbesuchs abends sechs Bier getrunken hat, trinkt heute vielleicht nur noch drei. Für Gastronome kam hinzu, dass die während der Pandemie abgesenkte Umsatzsteuer wieder auf 19 Prozent angehoben wurde, während auch Gastwirte mit der Teuerungsrate umgehen mussten. Im kommenden Jahr könnte es hier eine Entlastung geben. Am Mittwoch (8. Oktober) steht der Entwurf eines Steueränderungsgesetzes auf der Tagesordnung im Bundestag, das unter anderem die dauerhafte Absendung der Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie vorsieht.

Brauhaus zum Goldenen Handwerk: Wohin geht die Reise?

Mit dem Brauhaus hat die Neue Mitte eine Mitte. Ohne wäre es ziemlich leer. „Es mangelt eigentlich nicht an Gästen und Umsatz“, erklärt Andre Segin. Wie aber konnte es passieren, dass dennoch Insolvenz angemeldet werden musste? Zu der Geschichte des Brauhauses in Erkrath, die wir oberhalb noch einmal zusammengefasst haben, gehört die Geschichte der GmbH, die Betreiber der Location ist. „Ich war ja eigentlich immer vom Glück begleitet. Wenn ich einen neuen Laden eröffnet habe, brummte der“, erzählt Segin. Vier Gaststätten sammelten sich unter dem Dach der GmbH. Vier Gaststätten, die dann aufgrund der Pandemie und den damit verbundenen Lockdowns Corona Hilfen brauchten und in Anspruch nahmen, Personal musste bezahlt werden, Kosten für Mieten und Nebenkosten liefen weiter, während Einnahmen fehlten.

Als dann, nachdem alle Einschränkungen weggefallen waren, das Erkrather Brauhaus von der Flut betroffen und monatelang geschlossen war, fehlte wieder Umsatz, während andere Kosten weiterliefen. Als endlich Wiedereröffnung war, hatte der Ukraine Krieg begonnen. Zwar hatte das keine direkten Auswirkungen auf das Brauhaus in Erkrath, denn hier waren die Gäste erst einmal glücklich, dass wieder geöffnet war. Energiepreise, Teuerungsrate und teils Personalengpässe sorgte allerdings in der gesamten Gastronomie für Sorgen und steigende Insolvenzen. Auch für die GmbH, die hinter dem Brauhaus steht, wurde die wirtschaftliche Lage insgesamt schlechter. „Für uns war klar, dass wir uns verkleinern müssen, wenn wir weitermachen wollen“, erinnert sich Segin. Da Erkrath trotz der häufigen Rückschläge der beste Standort war, hat man die Mietverträge der übrigen Standorte auslaufen lassen und dann geschlossen.

Im vergangenen Jahr hieß es dann für Gastronome die Schlussabrechnungen für die Corona Hilfen zu erstellen. Das galt in der GmbH für alle Standorte, die in der Pandemie Hilfen bezogen hatten. Dabei wurde deutlich, dass es zu nicht unerheblichen Rückzahlungen kommen wird. „Es war einfach nicht möglich in dieser Zeit genügend neue Rücklagen zu bilden“, sagt uns Andre Segin. „Wir waren gezwungen Insolvenz anzumelden. Auslöser war, dass die Rückzahlungen fällig gestellt wurden“, setzt er fort. „Wir haben mit allen Lieferanten gesprochen und offen kommuniziert, wie die Situation ist.“ Es bestehen keine Außenstände bei Lieferanten, alles läuft weiter wie gewohnt.

Es geht weiter

„Wir machen nicht einen Tag zu“, sagt Andre Segin. Wie es weitergehen wird, dazu laufen aktuell intensive Gespräche mit allen Seiten, zu denen auch Vermieter und die Brauerei gehören. „Wir haben auch nicht weniger Reservierungen als bisher“, so Segin. Einige Gäste haben inzwischen Kenntnis von der angemeldeten Insolvenz und haben ihn direkt darauf angesprochen. „Ich gehe sehr offensiv damit um und erkläre den Gästen die Situation. Die zeigen Verständnis und gehen ähnlich gelassen damit um, wie die Lieferanten“, erklärt er.

Dass die Ankündigung keinen Tag zu schließen von ihm ernst gemeint ist, erkennt man an der weiteren Planung. Schon jetzt steht die Werbung zum jährlichen Weihnachtsevent „Blau unterm Baum“ wieder an.

Man sieht sich im Brauhaus zum Goldenen Handwerk am Bernsauplatz?

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