Bolzplatz in Unterfeldhaus soll bleiben

Anwohner wollen sich einen der wenigen öffentlichen Plätze für Kinder nicht nehmen lassen. Foto: privat

Während Eltern, Schule und Anwohner der Gruitener Straße sich für den Erhalt ihres Bolzplatzes in Millrath einsetzen, hat sich auch in Unterfeldhaus eine Initiative zusammengefunden, die für den Erhalt des dortigen Bolzplatzes kämpft.

Am Wendehammer der Friedrich-Hebbel-Straße liegt ein Bolzplatz. Eingerahmt von ca. 50 Jahre altem Baumbestand wirkt er wie ein grünes Kleinod, das vergessen lässt, dass direkt dahinter Gewerbe angesiedelt ist. „Im Sommer nutzen viele Beschäftigte den Platz für ihre Mittagspause. Eigentlich fehlen dort sogar Bänke“, erzählt uns Anwohnerin Eva Terasa. Sie gehört zu einer Bürgerinitiative, die sich für den Erhalt des Bolzplatzes stark macht. Sie alle sind Anwohner und wissen, dass der Bolzplatz beliebter Treffpunkt für Groß und Klein und das nicht nur für die direkten Anwohner ist.

„Wir haben erst spät auf Umwegen von den Plänen erfahren, dass der Bolzplatz weichen soll, weil die Stadt hier eine Flüchtlingsunterkunft für 40 Personen bauen möchte“, erklärt Eva Terasa, warum die Bürger in Unterfeldhaus sich nun zu Wort melden. Dabei sah die Spielplatzbedarfsanalyse der Stadt Erkrath 2019 noch 30.000 Euro für die Aufarbeitung des Bolzplatzes vor. „Viele hier fühlen sich vor den Kopf gestoßen.“ Einige aus der Initiative nahmen spontan an der letzten Ratssitzung teil, meldeten sich aber schließlich aufgrund der weit vorgerückten Uhrzeit (wir berichteten) nicht mehr zu Wort. Von der Stadt fühlen sich die Anwohner, die sich inzwischen in Sachen Bolzplatz kurzfristig vernetzt und zusammengeschlossen haben, unzureichend informiert und nicht in die Planungen eingebunden. „Viele hier sind noch traumatisiert von der Verlegung der Bayer-Pipeline. Damals war Bürgerbeteiligung erst möglich, als es schon fast zu spät war.“

Der Generationenwechsel und fehlende öffentliche Spielplätze

„Hier findet gerade ein irrer Generationenwechsel statt“, sagt uns Eva Terasa. Damit werde auch mehr und mehr sichtbar, wie wenig öffentliche Flächen und Spielplätze es für die Kinder gebe. Eine junge Mutter hatte ihr erzählt, dass die wenigen Spielplätze fast immer so überfüllt seien, dass sie gar nicht mehr hingehe.

Als richtiger Bolzplatz wird der Platz schon länger nicht genutzt. Vor einigen Jahren hatten sich Anwohner beschwert, weil die Gitterzäune um den Platz lärmten, wenn der Ball darauf traf. Der Beschwerde wurde Recht gegeben und der Gitterzaun musste entfernt werden. Ball gespielt wird dennoch. Aber die Kinder nutzen den Platz auch für andere Spiele oder fahren dort Fahrrad, weiß Eva Terasa. In den Gesprächen der Nachbarn wurde auch bekannt, dass es zum Bolzplatz eine Vorgeschichte gibt.

Ein Luftbild aus Google Maps zeigt den Bolzplatz mit seinem hochgewachsenen Baumbestand, der Gewerbe (links) und Wohnbebauung von einander abschirmt. Der Bolzplatz ist Teil eines Grüngürtels, der Wohnbebauung und Gewerbe an der Heinrich-Hertz-Straße voneinander trennt.

Die Historie liegt in der 70er Jahren. Damals war das Grundstück in Privatbesitz. Die Stadt hat es günstig von einer Anwohnerin erworben, die allerdings zur Auflage gemacht hatte, dass es als Bolzplatz genutzt wird, heißt es. Die Anwohner glauben, dass dies eine unrechtmäßige Zweckentfremdung gegenüber der vertraglichen Vereinbarung mit der ehemaligen Eigentümerin sei. Sie wollen nicht hinnehmen, dass auf diesem Natur- und Erholungsgrundstück mit alten Baumbestand und Tiervielfalt gebaut werden soll.

„Wenn Sie sich an das Hochwasser im Juli erinnern, das uns auch in Unterfeldhaus getroffen hat, ist eine zusätzliche Versiegelung an dieser Stelle nicht verantwortbar“, argumentiert Eva Terasa, dass noch mehr Gründe gegen die Bebauung sprechen. Im Juli stand der komplette Wendehammer unter Wasser, wie sich eine weitere Versiegelung an der Stelle auswirken könnte, mag man sich gar nicht vorstellen. Die Abholzung des Baumbestands dürfte darüber hinaus Auswirkungen aufs Mikroklima im Stadtteil haben.

Auch mehr Verkehr, durch Müllfahrzeuge, Feuerwehr und Polizei sei in der 30er-Zone und Sackgasse schwer vorstellbar. Eine Unterkunft für 40 geflohenen Menschen stünden an dieser Stelle 27 vorwiegend Ein- bis Zweifamilienhäusern gegenüber. Die Anwohner befürchten, dass es in der angrenzend Schule und Kita zu Engpässen kommt, da diese jetzt schon überlastet seien. Eine gute Integration könne so an dieser Stelle nicht gelingen.

Bereits versiegelte Flächen nutzen

Dafür, dass die Stadt zusätzliche Unterkünfte bauen muss, hat die neue Bürgerinitiative Verständnis und sucht sogar nach Alternativen, schaut sich aktiv in der näheren Umgebung um. Dabei thematisieren die Bürger auch den hohen Leerstand in Unterfeldhaus und appellieren an die Stadt bereits versiegelte Flächen zu nutzen. Ihr Anliegen haben sie inzwischen schriftlich zusammengefasst und wollen es mit einer Unterschriftenliste an die Stadt übergeben.

In der Ratssitzung am 3. November 2021 könnte es also im Zuschauerbereich voll werden, wenn sich die beiden Initiativen aus Millrath und Unterfeldhaus einfinden, um ihren jeweiligen Anliegen noch einmal Nachdruck zu verleihen.


Der bisherige Sachstand in Rat und Verwaltung zum Thema Unterkünfte

In der Vorlage 238.1/2021 zum Thema Unterkünfte wird auf ältere Vorlagen zum Thema verwiesen. Wir haben die jeweiligen Vorlagen im Ratsinformationssystem recherchiert und verlinken sie hier nach in der Reihenfolge, wie sie erstellt wurden:
91/2019 | 127/2021 | 238/2021 | 238.1/2021

In der letzten Ratssitzung wurde zudem der Verwaltung der Arbeitsauftrag mitgegeben, weitere Daten zu ermitteln. So sollen Zeitaufwand und Kosten für einen Abriss der Unterkunft Thekhaus und einen Neubau an gleicher Stelle, für die im Raum stehenden 40 Plätze an der Gruitener Straße und eine Unterkunft auf der Bürgerwiese in Hochdahl ermittelt werden.

Neuzuweisungen

Eine Sorge der Verwaltung hat sich nicht bestätigt. Nachdem bekannt geworden war, dass bei der Ausländerbehörde des Kreises die Zahlen der Flüchtlinge mit Wohnsitzauflage nicht aus den allgemeinen Flüchtlingszahlen herausgerechnet wurden, befürchteten die Städte im Kreis nachträglich höhere Zuweisungszahlen. Städte und Gemeinden melden monatlich an die Bezirksregierung Arnsberg, wie viele Flüchtlinge die bereits nach dem Flüchtlingsaufnahme gesetzt aufgenommen haben und über den Verteilschlüssel wird dann berechnet, wie viele Flüchtlinge noch aufgenommen werden müssen. Flüchtlinge mit Wohnsitzauflage werden darin nicht gezählt. Da diese aber nicht herausgerechnet wurden, war nicht klar, ob und wie viele Flüchtlinge Erkrath und auch die anderen Städte im Kreis noch aufnehmen müssten.

Aus der Pressestelle des Kreises liegen uns nun aktuelle Zahlen der Bezirksregierung vor. Insgesamt waren 55 Flüchtlinge mit Wohnsitzauflage in den Kreiszahlen enthalten. Lediglich zwei davon aus Erkrath. Die zu bereinigende Zahl erhöht sich also erst einmal maximal um zwei Personen. Ob die im zuletzt erstellten Datenblatt vom 17. Oktober 2021 für Erkrath schon enthalten sind, ist uns nicht bekannt. Darin ist die Erfüllungsquote mit 91,8 Prozent angegeben und Erkrath müsste derzeit noch acht zusätzliche Flüchtlinge aufnehmen. Ist die Zahl noch nicht enthalten, wären es zehn. Die jeweils aktuellen Datenblätter sind auf der Homepage der Bezirksregierung Arnsberg abrufbar, wenn man den Namen der Stadt eingibt.

Das ist aber nur eine Momentaufnahme und nach dem Wegfall der Unterkunft Freiheitstraße fehlen Kapazitäten. Wie viele Flüchtlinge im kommenden Jahr zu erwarten sind, ist noch nicht abzusehen. Freie Plätze gibt es, wenn die Flüchtlinge, die derzeit in Langenfeld untergebracht sind, Ende dieses Jahres zurückkehren, nicht mehr.

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